Im Mittelpunkt seiner Theorie steht das „Unbewusste“, nach Ansicht Jungs der Nährboden des Bewusstseins. Hier unterscheidet er ein „individuelles“ und ein allen Menschen gemeinsames „kollektives Unbewusste“. Letzteres besteht aus ererbten Grundlagen der Menschheitsgeschichte. Auf ihm beruhen alle entwicklungsgeschichtlich jüngeren Persönlichkeitsstrukturen, wie etwa das „Ich“. Im „kollektiven Unbewussten“ manifestieren sich die sogenannten „Archetypen“. Das sind - unabhängig von ihrer Geschichte und Kultur - universell existierende „Urbilder“ der Seele aller Menschen oder „mythische Symbole“. Archetypen versteht Jung als „Energiekomplexe“, die besonders in Träumen, Neurosen und Wahnvorstellungen ihre Wirkung entfalten. Beide Formen des Unbewussten sind aufeinander bezogen. Ihre Energiequelle nennt Jung „Libido“. Im Zuge seiner Beschäftigung mit dem kollektiven Unbewussten weitete Jung seine Forschungen auf die Untersuchung der Symbolik in Träumen, Mythen, Märchen, Religionen und in der Kunst sowie in alchemistischen Praktiken aus. Im sogenannten „Individuationsprozess“ des Menschen vollzieht sich nach Jung das „Bewusstwerden des Unbewussten“, bei dem sich das „Ich“ allmählich über das persönliche Unbewusste (verdrängte Triebregungen) und die Archetypen bis zum „Selbst“, dem psychischen Zentrum, herausbildet. Dieser Vorgang der Persönlichkeitsbildung ist lebenslang und setzt immer wieder neue Anpassungsleistungen des Individuums voraus. Der Individuationsprozess ist auch das Ziel der Psychotherapie C.G. Jungs; auf dem Weg dorthin sieht er den Therapeuten als einen Begleiter des Patienten. Darin unterscheidet sich sein Ansatz wesentlich von dem der Psychoanalyse Sigmund Freuds.
Auch wenn C.G. Jungs Theorien und Konzepte der Tiefenpsychologie durch seinen ehemaligen Lehrer Freud und auch durch einige akademische Kreise der Psychologie als „unwissenschaftlich“ kritisiert wurden, hat er mit seinem Werk nicht nur die Psychotherapie, sondern auch die Psychologie, Theologie, Völkerkunde, Literatur und Kunst beeinflusst. Bei der Charakterisierung von Menschen haben Begriffe wie „Komplex“ , „introvertiert“ oder „extravertiert“ Eingang in die Psychologie, aber auch in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden.







