Briefwechsel

Vasyl Lozynskyi
Vasyl Lozynskyi
13.03.2012
Liebe Uljana,

zuerst etwas zu aktueller erneuter Schließung des VCRC. In der Rubrik “Breaking the News” der Berlin Biennale zum Thema „Ukrainischer Körper“ schreibt der Kunstkritiker Oleksiy Radynski: „Die Ausstellung untersucht, inwiefern soziale Strukturen und Codes in post-sowjetischer Zeit die Darstellung des Körperlichen beeinflussen. Die Kunstwerke verhandeln Themen wie Armut, soziale Ausgrenzung, Obdachlosigkeit, sexuellen Missbrauch, staatliche Unterdrückung und Pornografie.“ Das geschah natürlich verschieden reflektiert und auf verschiedenen Rezeptionsniveaus. In der Zwischenzeit wurde noch das feministische Projekt „Frauenzunft“ eröffnet.

Eine gängige Lösung gegen Protest ist die Renovierung und Verschönerung der Räume der Akademie, sehr oft im Stil der „Eurorenovierung“.

Mit meiner Frage zur Übersetzung meine ich, inwieweit ist ein Schriftsteller fähig, in einer anderen Sprache zu schreiben, und ist das Sprachgefühl in sie übersetzbar?

Dein DICHTionary müßte in einer neuen Sprache nicht einfach nachgedichtet sein, es ist ein Konzept, nach dem die Gedichte in zwei verwandten Sprachen strukturiert sein könnten, wie etwa in Russischen und Ukrainischen. Mit dieser Zweisprachigkeit de facto hat man in der Ukraine eigentlich immer zu tun. Darüber hinaus aber gibt es eine Assoziationskette, die auch ohne das formalen Experiment inhaltlich ist. Das heißt die Übersetzer ins Englische sind privilegiert. Die Übersetzungsversionen von den Dichtern neben der Übersetzungen von Susan Bernofsky ins Englische sind dagegen etwas mehr lockere Übersetzungen und erweitern die Texte sogar durch eigene Experimente oder variieren das Konzept (ein Beispiel dafür ist auch eine Anthologie „Vorwärts ihr Kampfschildkröten“ mit ukrainischer Poesie übersetzt von deutschen Dichtern u.a. mit Gedicht-Collagen aus bunten Zeitungswörtern von Herta Müller, ursprünglich auf den Platz auf einer Postkarte beschränkt).

Was müssten Deiner Meinung nach eigentlich die Strategien der kleinen alternativen Verlage sein? Z.B. die Rechtschreibung aus der Zeit des „erschossenen Wiedergeburt“ in der Literatur des heutigen ukrainischen Verlags und Zeitschrift „Krytyka“ wird als eine politische Position behauptet. Wäre es möglich, Deiner Meinung nach, dass die Literatur nur auf Übersetzungen baut, und was heißt eine Übersetzung in der Verhältnis zu der Originalliteratur?

Soviel für jetzt. Sei VCRC in der Kyiv-Mohyla-Akademie bald wieder offen!

Vasyl

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