Willkommen beim Goethe-Zentrum Kampala

Die Straßentheater und -zirkusgruppe auf Tour


“ oder auch „Mango, Mango, Mango!“

„Die Sachen sind gepackt, alle sind an Bord und ab geht die Post.“ Am Freitag den 7. Juni um neun Uhr startete die Gruppe des Gemeinschaftsprojekts „Straßentheater und -zirkus“ des Goethe-Zentrums Kampala/ Ugandan German Cultural Society und In Movement - Art for social change in ihre einwöchige Tour durch Uganda. Die Fahrt ging zuerst in den Norden zu den Städten Lira und Gulu und dann wieder an Kampala vorbei in den Westen, nach Masaka. Die Gruppe von zehn Kindern und Jugendlichen, bestand aus vier Mädchen aus dem Girl Be Project, ein Projekt, das sich die soziale Unterstützung von Mädchen in der noch sehr patriarchalischen Gesellschaft zur Aufgabe gemacht hat, und sechs Jungen vom Butterfly Project Uganda, einem Projekt in dem Kinder und Jugendliche durch akrobatisches Training soziale Kompetenzen erlernen, und das sie vor allem in der Finanzierung ihrer Schulgelder unterstützt. Mit den Kindern auf Tour waren die ugandischen Gruppenleiter der Organisation In Movement, Ife Piankhi und Patrick Ssebagala, der auch Gründer des Butterfly Project Uganda ist, der deutsche Theater- und Zirkuspädagoge Lukas Geschwind, der extra für das Projekt für sechs Wochen nach Uganda kam, die Gründerin des Girl Be Project Rehema Nanyonga, der Fotograf Kibuuka Mukisa Oscar und Isabel Thaler, Praktikantin des GZK/UGCS.

Vor der Tour haben die Gruppenleiter zusammen mit den zehn Kindern in drei intensiven Probenwochen das Straßenttheater und -zirkusstück „Walk in Wonder World“ kreiert. Hierfür wurden dramatische, akrobatische und Zirkuselemente verwendet. In der ersten Woche wurde sich durch theaterpädagogische Methoden dem Thema „Wonder World“ genähert, schon vorhandene Fähigkeiten erkundet und Grundelemente der Akrobatik erlernt. Die praktische Arbeit der Entwicklung des Stückes „Walk in Wonder World“ begann für unsere „Wonder Player“ in der zweiten Woche. Die Kinder lernten wie man sich auf der Bühne präsentiert und die unterschiedlichen Zirkusnummern des Stückes wurden ausgearbeitet und in einem Skript von Lukas Geschwind zusammen gefasst. Die dritte Woche verbrachte die Gruppe damit an Details zu feilen und das Stück von 40 Minuten, dass nun Tanz, Akrobatik, Saltos, Jonglage und Clownerie beinhaltet zu vervollständigen. Außerdem wurden Kostüme und Schminke ausgesucht und eine mobile Bühnenkonstruktion gebaut. Die musikalische Begleiteung wurde von den Gruppenleitern selbst übernommen: Ife Piankhi unterstütze mit Gesang, Patrick Ssebagala durch trommeln und Lukas Geschwind spielte auf der Ukulele und Melodika.
Die Premiere des Stücks war am 25. Mai 2013 während des LaBa! Arts Festival. Anschließend wurde das Stück an drei weiteren Orten in Kampala aufgeführt: zentral gelegen auf dem Parkplatz der Nakumatt Oasis Shopping Mall, im südlichen Teil der Stadt im Nsambya Y.E.S. Centre und im westen der Stadt, in Rubaga, Kosovo.
Schon bald nach dem Aufbruch „upcountry“ stellte sich heraus, dass die Fahrt durch Uganda wirklich eine Tour durch „Wonder World“ werden sollte. Bei der theaterpädagogischen Arbeit an dem Thema „Wonder World“ (Wunderland) stellte sich heraus, dass sich alle Kinder diesen Ort als eine grüne Oase mit Bäumen, Wasser, Tieren, sauberer Luft und frischen Früchten vorstellen. Durch die Tour bekamen sie die Möglichkeit die unglaublich schöne Natur und Artenvielfalt ihres Landes besser kennen zu lernen und sich mit Menschen aus unterschiedlichen Gegenden auszutauschen sowie neue Freundschaften zu schließen. Der Bus war außer sich vor Freude beim überqueren des sprundelnden Nils und dem Anblick von Affenfamilien am Straßenrand.

Das erste Ziel war die Ngetta Parish etwas ausserhalb der Stadt Lira. Auf dem großen, grasbewachsenen Platz zwischen den zwei Schlafräumen und dem Essenssaal stand ein rießiger Mangobaum mit unzähligen reifen Früchten, der für die Kinder zu einem der Highlights auf dieser Tour wurde. Die Kontaktperson in Lira war Sibylle Mani von der Justice and Peace Commission. Gleich am ersten Abend der Tour hatten die Jungs der Truppe einen Auftritt bei der „Lango Night“, einer monatlichen Veranstalltung für junge, aufstrebende Künstler aus Lira und Umgebung. Beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen erzählten sie aufgeregt den daheim geblieben Mädchen der Gruppe von ihrer Vorführung der akrobatischen Teile des Straßentheater und -zirkusstücks („We got to perform in a club!“). In Lira gab es viele Aktivitäten: bei der Organisation Child Restoration Outreach (CRO), deren Arbeit darauf abzielt Straßenkinder in die Gesellschaft zu reintegrieren gaben die Gruppenleiter Workshops zu den Themen Tanz, Dichtung, Akrobatik und Jonglage. Die „Wonder Player“ unterstützen die Gruppenleiter tatkräftig bei der Anleitung der gleichaltrigen Teilnehmer. Am Sonntag wurde das Stück auf dem Marktplatz in Lira aufgeführt. Für eine Zeit lang entführten die „Wonder Player“ das Publikum in eine Welt in der Wasserfälle aufwärts fließen, in der man mit Tieren sprechen kann und die voller Überraschungen und Wunder ist.
In Gulu wurde die Gruppe von Ben Porter in seinem Recreation Project beherbergt. Die jungen Theater- und Zirkuskünstler hatten hier die Möglichkeit zum ersten Mal eine Nacht in einem Zelt im Wald zuverbringen. Die Aufführung war für den Nachmittag im Remand Centre, einer Jugendstrafanstalt angesetzt. Da einige Kinder erst gegen fünf Uhr aus der Schule kamen, wurde die Wartezeit mit ein paar Spielen aus der „Theaterpädagogik-Kiste“ gemeinsam mit den Jungen aus der Strafanstalt überbrückt, was für alle Teilnehmenden eine tolle Erfahrung war. Die Aufführung selbst mussten dann leider vorzeitig abgebrochen, da das unberechenbare ugandische Wetter mit einem abrupten Regenschauer einen Strich durch die Rechnung machte.
Am Dienstag ging es weiter nach Masaka, wo die Reisegruppe von Phillip Ssentamu, dem Leiter der Byana St. Mary Hill Primary School and Orphanage, also einer Grundschule mit angeschlossenem Waisenhaus erwartet wurden. Am Mittwoch Nachmittag in der Schule gab eszum Empfang wundervolle Lieder und Tänze der SchülerInnen. Die Energie, mit der die SchülerInnen ihre Darbietung zeigten sprang auch auf die Kinder aus Kampala über, die an diesem Tag wohl eine ihrer schönsten Aufführungen präsentierten. Die letzte Vorführung der Reise war dann im „WeaverBirds Arts Camp“ nahe Masaka, einem Projekt des Künstlers Collin Sekajugo.
Neben den Aufführungen gab es auch Zeit zum entspannen und erkunden: ein Nachmittag im Schwimmbad, ein Fußballspiel mit den SchülerInnen der John Bosco Technichal School und eines mit den Lehrern der Byana St. Mary Hill Primary School and Orphanage, ein Besuch bei einem traditionellen Barckloth-Macher, ein Spaziergang durch das Arts Camp mit Blick auf das umliegende Moor, eine Übernachtung im Wald, T-Shirt drucken, Zuckerrohr und Mangos.

Zurück in Kampala gab es am Freitag nachmittag eine Abschlussrunde mit Tee und Kuchen. Die Berichte der Kinder waren voll wundervoller Erlebnisse, ganz vorn an aber immer eins: frische Mangos.
Die bezaubernden „Wonder Player“ sind: Mary, Bruno, Brian, Joyce, Felix, Moses, Joan, Abdu, Angel und Yahaya. Das Stück „Walk in Wonder World“ wartet darauf wieder aufgeführt zu werden. Ife und Patrick suchen nach Partnern und Sponsoren die weitere Proben und Aufführungen möglich machen – und gerne auch für Schulgelder. Die „Wonder Player“ möchten weiterlernen, in der Schule und im Schauspiel.

Für weitere Informationen zu dem Stück und zu der Gruppe kontaktieren Sie uns gerne:
cultural@goethezentrumkampala.org .

Von Isabel Thaler

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