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Auf allen Gipfeln zu Hause – Deutscher Alpenverein

Copyright: Bayern Tourismus Marketing 120 Millionen Touristen fahren jährlich in die Alpen, um Sport zu treiben, um sich zu erholen und um einen einzigartigen Naturraum mit ungeheurer biologischer Vielfalt zu entdecken. Laut WWF-Deutschland sind die Alpen damit "das am meisten genutzte Gebirge der Welt" – viel zu tun also für den Deutschen Alpenverein.

490 lange Alexandriner-Verse hat das Gedicht "Die Alpen", mit dem Albrecht von Haller 1729 die Eindrücke seiner "großen Alpen-Reise" beschreibt, aber: "Dieses Gedicht ist dasjenige, das mir am schwersten geworden ist." Anderthalb Jahrhunderte später wird im Mai 1869 der Deutsche Alpenverein (DAV) als "bildungsbürgerlicher Bergsteigerverein" gegründet. Zwar hilft er niemanden dabei, die Faszination, die von den Alpen ausgeht, in Worte zu fassen; doch er sorgt seither dafür, dass ihre Schönheiten nicht nur Extrem-Abenteurern vorbehalten bleiben, sondern auch für Familien mit Kindern erlebbar werden.

Sichere Wege zu gemütlichen Hütten

Der mittlerweile weltgrößte Bergsportverband kümmert sich um die Infrastruktur, mit der sich die Bergwelt sicher und umweltverträglich erkunden lässt. Zusammen mit seinem österreichischen Partnerverband OeAV unterhält der DAV ein 40.000 km langes Wegenetz in den Ostalpen. Almwege, Gipfel- und Hüttenzustiege, Klettersteige, hochalpine Übergänge: "Bergwege müssen ständig gepflegt werden, weil sie immer mal wegbrechen oder weil Seilsicherungen von einer Lawine abgerissen werden", berichtet der DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban. Die Pflege und Sanierung der Wege, die überwiegend von ehrenamtlichen Helfern erledigt wird, ist mitunter extrem aufwändig – etwa wenn Baumaterial nur per Hubschrauber in die Berge gekarrt werden kann.

Auf den markierten Wegen gelangen Bergsportler sicher zum nächsten Gipfelkreuz in schwindelnder Höhe oder zur nächsten Hütte, die zur Rast einlädt. 332 Hütten mit 20.000 Schlafplätzen unterhält der DAV vom Rätikon bis zu den Niederen Tauern und von den Bayerischen Alpen bis zu den Dolomiten. Rund 800.000 Gäste übernachteten hier im letzten Jahr und rund 3 Mio. ließen sich wenigstens kurz für eine zünftige Brotzeit nieder. Die Hütten, in deren Erhalt der DAV über 10 Mio. Euro pro Jahr investiert, stehen jedem Bergwanderer offen; allerdings erhalten Mitglieder des Vereins einen Vorzugspreis.

Steigende Mitgliederzahlen durch den Trendsport Klettern

Copyright: Tiroler ZugspitzbahnEs mag vielleicht erstaunen, dass die über 700.000 Mitglieder des Vereins keineswegs nur in Alpennähe zu finden sind. Zwar sitzt der größte Regionalverband des DAV in Südbayern, doch die 355 Sektionen des Vereins sind über ganz Deutschland verteilt. Dresdener und Frankfurter fühlen sich von den Gipfeln genauso angezogen wie Flensburger und Hanseaten. Zurzeit verzeichnen die Alpinisten einen Zulauf wie seit den 80er Jahren nicht mehr – auch in den nördlichen Regionen.

"Gerade unter den jungen Leuten gewinnen wir immer mehr Mitglieder", konstatiert Helmuth Rüpke, Vorsitzender der Sektion Hamburg. Und das ist wohl dem Kletterboom zu verdanken. Rund 190 Kletterhallen betreibt der DAV mittlerweile und entspricht damit der großen Nachfrage nach steilen Wänden. 200.000 aktive Kletterer trainieren in Deutschland regelmäßig an diesen künstlichen Felsen Ausdauer, Muskelkraft und den Gleichgewichtssinn.

Nicht nur im Bereich des Breitenbergsports ist der Alpenverein aktiv. Im Spitzensport betreut er als Fachverband für Alpinistik im Deutschen Sportbund die Disziplinen Expeditionsbergsteigen, Skibergsteigen und Sportklettern. Die internationale Kletterelite trifft sich im Übrigen im Sommer 2005 gleich zweimal in Deutschland: zur Weltmeisterschaft in München (1. bis 5. Juli) und zu den World Games im Ruhrgebiet (22. und 23. Juli).

Nachhaltiges Handeln für die Zukunft der Alpen

"Zukunft schützen": So heißt es auf dem grünen DAV-Logo mit Edelweiß. Der Alpenverein zählt zu den großen Naturschutzverbänden in Deutschland und setzt sich für den Erhalt der einzigartigen alpinen Natur- und Kulturlandschaft ein. In seinem Grundsatzprogramm (1994) verpflichtet sich der Verein auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Ausdrücklich verzichtet er darauf, weitere unberührte Regionen der Alpen zu erschließen sowie neue Hütten, Wege und Klettersteige zu bauen. – Höchste Zeit, finden all diejenigen, die dem Alpentourismus kritisch gegenüberstehen und den Verdacht haben, dass der Alpenverein als Reiseveranstalter dem Massentourismus den Weg ebnet.

Europäischer Weg für mehr Begegnung

Copyright: Deutscher Alpenverein e.V.Die Alpen liegen inmitten Europas, sie verbinden Frankreich, Italien, Monaco, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien miteinander. Diese Verbindungen kann man nun auf der Via Alpina neu erwandern. Das europäische Wegeprojekt, das vom Alpenverein mitgetragen wird, führt auf mehr als 5.000 km auf fünf festgelegten Routen mit insgesamt 338 Etappen zu bedeutenden Natur- und Kulturstätten und soll die Begegnung von Völkern und Kulturen fördern.

Auch im DAV begegnen sich mittlerweile die unterschiedlichsten Alpen-Fans – und die wenigsten entsprechen dem Klischee vom Wanderer in Kniebundhosen und rot-karierten Hemd. Wollten die Moutainbiker und Kletterer beschreiben, was sie an den Bergen so fasziniert, bräuchten sie sicher ähnlich viele Worte wie Albrecht von Haller – oder sie würden mit Robert Gernhardt ("Vergebliches Vorhaben") kapitulieren:

"Das alles schrieb' ich gerne hin,
doch muß ich's leider lassen.
In Worten gäb' das keinen Sinn;
Wie sagt man doch im Engadin
s'ischt vérbal nicht zu fassen."
Dagmar Giersberg, cleevesmedia
Dagmar Giersberg arbeitet als Redakteurin und Publizistin in Bonn

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Juni 2005

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