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„gute aussichten“: photography made in germany

Die Kinder des King Cotton © Henning Bode
Die Kinder des King Cotton © Henning Bode
Der Gedanke, junge, noch unverbrauchte Talente und ihre erfrischenden fotografischen Werke, unabhängig von staatlicher oder institutioneller Förderung und nur dem Gedanken der Qualität verpflichtet einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, war im Jahr 2004 in Deutschland geradezu erschreckend neu. Von der Geburtsstunde an aber begleitet das Haus der Photographie, Deichtorhallen, in Hamburg das private Nachwuchsförderungs-Projekt gute aussichten – junge deutsche fotografie. Mittlerweile hat sich das Projekt zu Deutschlands bedeutendstem Wettbewerb für Absolventen im Bereich der Fotografie entwickelt.

Gute Rezensionen


Ein weiterer, entscheidender Geburtshelfer des Projektes ist das Goethe-Institut Washington, D.C., das bereits im Jahr 2006 die erste Ausstellung in den USA präsentiert und entscheidend zum Erfolg des Projektes auf dem langen Weg zu „Deutschlands renommiertestem Wettbewerb für junge Fotografie“, beigetragen hat.

Bereits im Jahr 2007 schrieb die Washington Post: „A handful of German photography graduate students touch down with some of the strongest work [to be] seen anywhere...“. Michael O'Sullivan empfahl die Ausstellungmit den Worten: „For those who are interested in photography's magic – its power of suggestion, its ability to play tricks – [the show is] worth a visit“. Somit hat die Ausstellung, die jährlich die „prämierte Creme de la Creme des Nachwuchses“ präsentiert, auch in den USA festen Fuß gefasst.

Jährlich erhalten wir etwa 100 Abschlussarbeiten von rund 40 deutschen Institutionen, in denen der Studiengang Fotografie gelehrt wird. Dabei kann jede Hochschule maximal fünf Bewerber einreichen. Dann beginnt die Arbeit. Übrigens ein Wort, das wir bei gute aussichten von Beginn an immer als Verb verstanden haben: arbeiten. Zur jährlich stattfindenden Jurysitzung wird, neben wechselnden Kuratoren, Bildredakteuren, Sammlungsleitern, Kunstwissenschaftlern und Art Directoren, jeweils ein renommierter Künstler eingeladen. Nach Andreas Gursky, der uns in den ersten beiden Jahren freundlich begleitete, waren das die Fotografen und Künstler Jürgen Teller und Thomas Demand, der Maler Norbert Bisky, die Video- und Fotokünstlerin Annelies Strba, Thomas Ruff, der Künstler Jürgen Klauke und im Jahr 2012 der renommierte Fotograf Thomas Struth.

Die Jury 2012

Womit wir bei gute aussichten 2012/2013 wären. Die Jury, der im Jahr 2012 unter meiner Leitung Dr. Ludger Derenthal (Leiter des Museums für Fotografie, Berlin), Mario Lombardo (Art Director, Bureau Lombardo, Berlin, und Mitstreiter der ersten Stunde), Luminita Sabau (ehemals Leiterin der Kunstsammlung der DZ Bank, Frankfurt/M.), Thomas Struth (Künstler und Fotograf, Berlin und Düsseldorf) und Ingo Taubhorn (Kurator Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg) angehörten, kürte sieben Preisträger aus 108 Einsendungen von 40 deutschen Hochschulen. Unter den Preisträgern sind es vor allem Henning Bode und Fabian Rook, die mit ihrer visuellen Sprache sowohl thematisch wie auch formal Rekurs auf die Vereinigen Staaten nehmen: Henning Bode knüpft mit seiner Serie „Die Kinder des King Cotton“ an die Social Studies von Walker Evans an, Fabian Rook hingegen bedient sich digital verfügbarer Bilder von Google Street View, die er im Stil des New Documentary zu einer eigenen Werkreihe zusammenfügt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit einer globalisierten, stetig komplexer werdenden sozialen wie kulturellen Wirklichkeit. Die klassischen Gebrauchsweisen von Dokumentar- und Reportagefotografie vermischen sich hierbei mit journalistischen und narrativen Elementen. Jakob Weber stellt mittels der Kombination eigener Bildentwürfe mit öffentlich verfügbarem Bildmaterial Fragen nach Bedeutung und Wirkungsweisen von Nachrichten, während Rook Fragen nach der Evidenz und der Beherrschungsmacht von Bildern aufwirft. Ein „cross-over“ verschiedener ästhetischer Ansätze findet sich schließlich in der Serie von Nicolai Rapp: hier verschmelzen Anklänge der neuen Sachlichkeit mit der Konstruktion eines eigenen Bildraumes und dem vorhandenen Raum.

Begleitet wird jeder gute aussichten-Jahrgang mit einem zweisprachigen Katalog-Buch, das die Preisträger und ihre Arbeiten ausführlich vorstellt. In Zusammenarbeit mit unseren Medienpartnern erscheint jährlich das gute aussichten Spezial-Heft (ebenfalls auf Deutsch/Englisch) in einer Auflage von etwa 100.000 Exemplaren. Das Rückgrat unserer Kommunikation sind unsere täglich aktualisierte Website (und der dazu gehörende Blog), sowie unsere Aktivitäten auf Social Media-Plattformen.

Herbst/Winter 2013: Die Ausstellung in Chicago und Los Angeles


Nach der Auftakt-Ausstellung von gute aussichten 2012/2013 im Museum Marta, Herford, der in knapp vier Wochen von fast 13.000 Menschen besuchten Präsentation im Haus der Photographie und der wunderbaren Ausstellung im Goethe-Institut Washington, D.C., geht gute aussichten 2012/2013 in Deutschland am 12. Mai 2013 in Stuttgart mit der Ausstellung in der vhs-photogalerie zu Ende. Umso mehr freuen wir uns, dass sich die Goethe-Institute Chicago und Los Angeles dazu entschlossen haben, im Herbst/Winter 2013 die extra für die USA getroffene Werkauswahl der Preisträger zu zeigen. Abgesehen davon, dass wir mit gute aussichten Qualität „Made in Germany“ in die USA bringen, gibt es für Fotografie keine Grenzen und nur eine Sprache, die universell verständlich ist: die Visuelle. In diesem Sinn haben wir alle noch viel zu entdecken. Und das sind doch gute Aussichten, oder? JR

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1 DER SPIEGEL, 22.1.2009
2 Washington Post, 25.6.2010
3 Berliner Morgenpost, 19.11.2011



gute aussichten – junge deutsche fotografie

Tendenzen 2012/2013

Bei den diesjährigen Einreichungen traten zwei Phänomene besonders zu Tage: Es gab vermehrt Arbeiten zu Methodik und Präsentationsformen von Archiven und auffallend viele der jungen Fotografen entwickelten installative Formen der Präsentation ihrer Werke. Unter den sieben gute aussichten 2012/2013-Preisträgern sind es Susann Dietrich und Saskia Groneberg, die, auf je unterschiedliche Weise, diese beiden Aspekte in ihren Arbeiten vereinen. Während sich Susann Dietrich kontinuierlich der Umdeutung und Umformung ihrer persönlichen Sammlung widmet, entwickelt Saskia Groneberg einen eigenen methodischen Ansatz zur Erstellung und Präsentation eines Archivs.

Die Preisträger 2012/2013 im Einzelnen


HENNING BODE // DIE KINDER DES KING COTTON
(Fachhochschule Hannover)
King Cotton steht als Synonym für die vom Baumwollanbau geprägten Südstaaten der USA vor dem Bürgerkrieg (1861-1865). Viele der knapp drei Millionen Einwohner des Bundesstaates Mississippi leben heute auf der untersten Stufe der sozialen Leiter im Hinblick auf Bildung, Einkommen oder Gesundheitsversorgung. Henning Bode hat das nach wie vor ländlich geprägte Delta des Mississippi mehrere Wochen bereist, um den Menschen dort zu begegnen und etwas über ihr Leben, ihre Kultur und ihr Wesen zu erfahren. Das Kondensat seiner eindringlichen Aufnahmen ist ein Mix aus Stolz und Humor, aus Rhythmus und Lebensfreude, aus Armut und Perspektivlosigkeit, aus Überlebenswillen und Gastfreundschaft, umhaucht von den Melodien des Delta Blues.

SUSANN DIETRICH // DAS SINGEN DER PERLMUTT-ZIRPE
(Hochschule für Bildende Künste Braunschweig)

Sammeln, Aufbewahren, Erinnern, Transformieren, Präsentieren: das sind die theoretischen Eckpfeiler in Susann Dietrichs künstlerischem Wirken. Rasch entsteht der Eindruck eines nicht abreißenden Stroms, der über Jahre hinweg Materialien unterschiedlichster Form und Provenienz aufnimmt und mit sich trägt, um sie irgendwann in umgebildeter Form wieder zutage treten zu lassen. Was Dietrich findet, durchwandert mit ihr und durch sie einen Verwandlungsprozess, bei dem Begriffe wie „Auflösung des Motivs, Verdichtung von Strukturen, lichte Farbigkeit, Transparenz, Bewegung, Verschiebung, Wiederholung und Überlagerung“ eine wichtige Rolle spielen. Dabei entstehen Fotografien, Objekte, Zeichnungen oder Radierungen, in denen die Fundstücke in verdichteter, verwandelter Form ein neues, von einer sehr eigenen Poesie durchdrungenes Leben beginnen.

SASKIA GRONEBERG // BÜROPFLANZE
(Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart)

Ob gepflegt und gehegt oder struppig und sich selbst überlassen, in jedem Fall ist die Büropflanze der anarchistische Gegenpol zu einer Arbeitswelt, die uns ihren eigenen Rhythmus und ihre eigenen Regeln aufzwingt. Kein Chef der Welt wird es wohl wagen, gegen die „persönliche“ Grün-Ausstattung von Räumen und Tischen seiner Angestellten vorzugehen, denn dieses wäre ein Sakrileg. Manifestiert sich in der Büropflanze doch gleich Zweierlei: erstens offenbart sich in ihr etwas über das Wesen dessen, der sich um sie kümmert und ist zweitens neben der Kaffeetasse und vielleicht dem Bild von Kind und Gatte die einzige individuelle Bastion in einer funktional gestalteten Umgebung. Die Topfpflanze als Inkarnation der Freiheit. Als Synonym jener Welt, die mit dem Betreten des Büros gleichermaßen mit der Garderobe bis zum Abend an den Ständer gehängt wird.

SVETLANA MYCHKINE // ZUCKERBLAU
(Fachhochschule Dortmund)

Waisenhäuser sind vermutlich nirgendwo auf der Welt besonders freundliche Orte. Aufbewahrungsstätten dieser Art verströmen zumeist einen traurigen Mix aus Funktionalität, zwanghafter Ordnung, (notwendiger) Disziplin und einem täglichen Regelwerk, das an der Schnittstelle zwischen staatlicher Einrichtung und Fürsorgepflicht sowie den Bedürfnissen des Individuums entlang errichtet wird. Swetlana Mychkine hat verschiedene Waisenhäuser in Russland aufgesucht. Ihre Serie „zuckerblau“ gewährt Einblicke in eine Lebenswelt, die nach wie vor vom Geist des ehemaligen real existierenden Sozialismus der UdSSR durchdrungen ist. In der Gestaltung des Lebensraumes schlug sich die sozialistisch-kommunistische Weltanschauung in einer strikt funktional ausgerichteten, schnörkellosen Architektur nieder. So blicken wir in Schlaf- oder Speisesäle, in denen die Ausstattung nicht die geringste persönliche Spur aufweist. Studien zufolge leiden Waisenkinder, die in einem kollektivistisch geprägten Umfeld aufwachsen, besonders unter Einsamkeit und Isolation. Der Blick in die Gesichter der Kinder spricht Bände.

NICOLAI RAPP // DEAD WHITE MEN’S CLOTHES
(Fachhochschule Bielefeld)

Sechs prall gefüllte Ballen auf weißem Grund: Nicolai Rapps Bildstrategie erinnert auf den ersten Blick an eine zeitgenössische Liaison zwischen minimalistischer Skulptur und konzeptueller Fotografie. Ausgangspunkt der Serie ist das „Verhüllen“, so die Worte des Fotografen. Das erregt stets unsere voyeuristische Neugier, gibt es doch seinen Kern nicht willenlos preis. Während wir das Sichtbare zu (er)kennen glauben und unser Blick oft achtlos darüber hinweg gleitet, bleibt er unwillkürlich an jenem hängen, das sich der Wahrnehmung in einem anderen Gewand als dem Offensichtlichen präsentiert. So vermögen wir in den zusammengeschnürten Ballen auf den zweiten oder dritten Blick Bekanntes zu identifizieren, der Kontext jedoch bleibt im Ungewissen. Als entfernte Lesehilfe mag das große Banner dienen, das ein mit textilen Bahnen abgehängtes Gebäude zeigt – die könnten eine mögliche Zweit- oder Drittverwertung jener Textilien sein, die in Ballen gepresst ihren den Weg von der Ersten Welt in die Dritte Welt finden.

FABIAN ROOK // DESKTOP EVIDENCE

(Muthesius Kunsthochschule Kiel)

Fabian Rook zeigt drei unterschiedliche Bildserien – seine „Reise“ führte ihn nach Mexiko und Japan und endet in einer dritten, fiktiven Dokumentation in den Krisengebieten des Nahen Ostens. Erst bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass es sich nicht um Abbildungen handelt, die der Kamera des Fotografen während einer wirklichen Reise entsprungen sind. Rook hat vielmehr die Bildwelt von Google Street View unter die Lupe genommen und von den Orten seiner Wahl Screenshots angefertigt. Durch entsprechende Bearbeitung und Zusammenstellung lässt er eine Ästhetik entstehen, die an spezifische Bildstrategien von amerikanischen Fotografen wie Joel Sternfeld und Stephen Shore anknüpft. Indem er dabei auf die automatisiert hergestellten Landschaftsaufnahmen von Google Street View zurückgreift, also selbst weder als Bildautor noch als unmittelbarer Augenzeuge in Erscheinung tritt, thematisiert Rook die Bedeutung von Autor- und Zeugenschaft fotografischer Bilder.

JAKOB WEBER // IN GEGENWART
(Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim)

Wo waren Sie gerade als in New York die Türme des World Trade Centers zusammenbrachen? Auf diesen, zunächst einfach erscheinenden Nenner ließe sich die Werkreihe „In Gegenwart“ von Jakob Weber herunterbrechen. Was die Angelegenheit deutlich komplizierter macht, ist die Frage nach der Wahrnehmung und der mehrfachen Überlagerung verschiedener Realitätsebenen. Während einerseits das individuelle Erleben in erster Linie, durch das geprägt ist, was wir unmittelbar am eigenen Leib erfahren, werden wir andererseits umspült von Nachrichten jeder Art, die auf diversen medialen Kanälen unablässig in unser tägliches Leben sickern. Welche Nachricht hat welche Bedeutung für welches Individuum in welchem Kontext? Und welche mittelbare oder unmittelbare Auswirkung bedeutet dies auf mein persönliches Leben? So lautet die wesentlich komplexere Fragestellung, die hinter Webers Arbeit aufscheint.

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Josefine Raab
ist Initiatorin und Kuratorin von „gute aussichten“

Copyright: Goethe-Institut e. V.
April 2013

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