Chicago

Die Chicago Lagerbier-Unruhen

In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam in Chicago in einer Welle ethnischer Vorurteile die ultrakonservative, „Amerika den Amerikanern“ Know- Nothing Partei an die Macht. So kam es auch, dass ihr Kandidat, Dr. Levi Boone, zum Bürgermeister ernannt wurde. Boone hatte mit den Deutschen ein Hühnchen zu rupfen. Er ärgerte sich darüber, dass sie ihre eigenen Viertel, Kirchen, Gewerkschaften und sogar Theater gegründet hatten. Dies war ihm viel zu fremd, und er betrachtete das Biertrinken als eine ausschließliche deutsche und völlig unamerikanische Unart. Darüber hinaus brachte Boone die Verbindung der Deutschen mit den Iren auf, einer Gruppe, die im ganzen Land verachtet wurde. Er sah dies als persöhnlichen Affront und machte es sich zur Aufgabe, dieses fremde Übel zu bekämpfen und beiden Gruppen so viel wie möglich zu schaden. Die Waffe seiner Wahl war das Bier.

So erhöhte er die Gebühren für Ausschanklizenzen um 500% (von $50 auf $300) und verordnete eine 3-monatige Wartezeit bei der Vergabe neuer Lizenzen. Danach setzte er ein altes Gesetz, das den Verkauf von Alkohol und Bier am Sonntag verbot, wieder in Kraft. Es bestand kein Zweifel, dass Boone diese Maßnahmen angeordnet hatte, um den kleinen Tavernen zu schaden, die im Norden der Stadt lagen, wo Deutsche und Iren wohnten, und wo es viele Brauereien gab.

Am ersten Sonntag, nachdem die neuen Anordnungen in Kraft getreten waren, gingen die deutschen Einwohner nichtsahnend ihren Beschäftigungen nach, bis die Polizei kam und über 200 deutsche Biertrinker verhaftete. Als Verhandlungstermin wurde der 21. April, 1855 festgelegt.

Als der Tag der Verhandlung dämmerte, marschierten 300 Wirte mit Trommel- und Querpfeifenbegleitung zum Gerichtsplatz und stießen Drohungen gegen den Richter aus. Die Demonstranten schafften es bis zu der Kreuzung Randolph und Clark, wurden dann aber von der Polizei zurück in den Norden getrieben. Obwohl die Menge immer noch wütend war, zog sie sich zurück, ohne dass es mit der Polizei zu Streit kam. So wurde also ein Konflikt vorübergehend vermieden.

Später, gegen 3 Uhr nachmittags, kamen die Demonstranten zurück. Auch diesmal war die Polizei vorbereitet. Nachdem ungefähr die Hälfte der Menge den Fluss überquert hatte, wurde die Zugbrücke geöffnet, um die Gruppe zu teilen. Dadurch brachten sie die anrückenden Demonstranten aus dem Norden noch mehr in Rage, und mussten sogleich erfahren, dass sich die Deutschen bewaffnet hatten. Eine Schießerei begann, und mehrere Menschen wurden verletzt. Als die Nacht hereinbrach, beruhigte sich alles. Die Bierfreunde hatten ihre Meinung zum Ausdruck gebracht.

Als Folge beendete Boone seine Hasskampagne gegen die Deutschen und ihr Bier. Bald darauf konnten sich die Bewohner der ethnischen Viertel die auf einmal scheinbar uramerikanische Sitte, am Sonntag Nachmittag ein Bier zu trinken, jetzt zur Gewohnheit machen. Im laufe der Zeit entwickelte sich Chicagos Nordseite zu einer der besseren Gegenden der Stadt, und viele Aspekte der Kultur der Nordseite wurden in der Gesellschaft Chicagos später sehr geschätzt.

Vielleicht die wichtigste Folge der Chicago Lagerbier Unruhen war, dass sie die Know-Nothing Partei in Verruf gebracht hat; diese begann kurz darauf aus der nationalen und örtlichen Politik zu verschwinden. Außerdem haben die Unruhen dafür gesorgt, dass Chicago den Ruf erwarb, eine der großartigen Bierstädte Amerikas zu sein. Zumindest großartig genug, um ihr Bier zu verteidigen.

Weitere Informationen zu den Chicago Lagerbier Unruhen finden Sie auf der folgenden Webseite:

http://encyclopedia.chicagohistory.org/pages/703.html

Um weiterzulesen können Sie Rudolf A. Hofmeister’s The Germans of Chicago aufsuchen. Es ist in Druckausgabe von dem Verlag Stipes Publishing Company erhaltbar.

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