Auf deutschen Spuren im Land der Pioniere
Bilderbuch-Aussichten in luftiger Höhe auf San Antonios 229 Meter emporragenden Tower of Americas. Fast zum greifen nah erstrecken sich die sonnenüberfluteten Hügel des Hill Country bis zum rötlich schimmernden Horizont. Von hier oben aus glaubt man auf hunderte zufällig plazierte bunte Kissen zu blicken, die der farbenreichen Landschaft den unverwechselbar sanften Charakter verleihen – eine verheißungsvolle Einladung zu einer Nahaufnahme der neuen, alten Heimat voller spannender Geschichten, unverfälschter Natur und aufregender Abenteuer.
„Hin nach Texas! Hin nach Texas!
Wo der Stern im blauen Felde
Jedes Herz für Recht und Freiheit
Und für Wahrheit froh entzündet-
Dahin sehnt mein Herz sich ganz."
Hoffmann von Fallerslebens leidenschaftliche Strophen im Loblied Stern von Texas war für viele Deutsche das Signal zum Aufbruch, die ihrer gebeutelten Heimat für immer den Rücken kehrten und nach einer monatelangen Odyssee den Traum der neuen Welt erleben sollten. Mitte des 19. Jahrhunderts folgten rund 15.000 Überdrüssige seiner Aufforderung im Strom zahlreicher Einwanderer aus ganz Europa. Mehrere Immigrantenwellen schwappten später herüber, so dass bis zum Jahr 1900 ungefähr 200.000 Deutsche in Texas eine neue Heimat fanden.
Kingt deutsch? Bitteschön!
Städte wie New Braunfels, Luckenbach und Bergheim tragen nicht nur vertraute Namen, sondern wohlbekannte Kleider. Eines der lebendigsten Zeugnisse deutscher Wurzeln ist Fredericksburg. Selbst nach mehr als 150 Jahren ist die Handschrift der ersten Siedler unverkennbar, wenngleich der ursprüngliche Name Friedrichsburg dem Amerikanischen angepasst wurde.„Willkommen" heißt es unübersehbar auf der nachgebauten Vereinskirche und heutigem Heimatmuseum dessen zerstörtes Original in ihrer langen Geschichte für Gottesdienste, Schulunterricht und Gemeindeversammlungen herhalten musste.
Wasser und Holz hießen die einfachen Zutaten für die blühende Landwirtschaft, mit denen die Deutschen viel Staub aufwirbelten und Fredericksburg in den Wohlstand führten. Auch heute noch präsentiert sich die muntere Stadt blitzblank im aufpolierten Hochglanz-Look. Dabei hat man hier früher auch sehr schlimme Zeiten ertragen müssen. Ungewöhnlich brennend heiße Temperaturen, harte Winter und tödliche Seuchen drohten die Träume wie Seifenblasen platzen zu lassen – der Exodus wurde zum Höllentrip. Dem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zu den Comanchen ist es zu verdanken, dass es dennoch weiter ging. Sie versorgten die notleidenden Pioniere mit Lebensmitteln und Kleidung – lebenswichtige Keime für ihre ungebrochene Hoffnung.
Schwere Zeiten für deutsche Pioniere
Die hübsche alte Tracht steht der jungen Dame an der Kasse des Pioniermuseums, das ein sehenswertes Relikt auf historischem Grund ist. Während der Zeitreise durch die Häuser und Werkstätten der ersten deutschen Siedler kann man nacherleben, wie sie sich auf dem knochenharten Weg in eine bessere Zukunft mühsam aber erfolgreich durchgeschlagen haben.Langweilig wird es in Fredericksburg nie – die Tugenden der alten Welt machen kräftig Programm. Und davon hatten die deutschen Einwanderer reichlich im Gepäck. Christkindlmarkt, Schützenfeste, Osterfeuer, Wein- und zünftige Oktoberfeste bringen die stimmungsvolle Heimat ein ganzes Stück näher in die lebendigen Straßen. Die Bedeutung der traditionellen Bräuche überraschen dennoch. Schließlich liegen Generationen zwischen den heutigen „puren" Texanern und ihren Vorfahren, in denen sich andere ethnische Gruppen integrierten und seitdem fleißig mitmischen.
Reichlich Apetit auf Multikultur
Die Küche ist der beste Beweis hierfür. Der Mexikaner, der Grieche, der Italiener, der Amerikaner – jeder kocht sein eigenes Süppchen. So wird die Suche nach dem besten Lokal zur Qual der Wahl. Oder, man geht gleich zum „Ausländer" mit der selbstverständlich internationalen Speisekarte. Wer unter den Pionieren hätte geglaubt, dass sich ihre einstige primitive Siedlung in ein modernes Gateway zur mitreißenden Bilderbuch- und Abenteuerlandschaft des Hill Country verwandelt.Marcus Sporkmann










