Fragen an ...

Jeder macht gern Witze über die typisch amerikanischen Klischees

Wir vom Todo-Alemán Team möchten wissen, wie man als Austauschstudent in Spanien zurechtkommt. So fragten wir Mike aus Wisconsin, der für ein Semester an der USC Universidad de Santiago de Compostela in Spanien Sprachwissenschaft studiert.



Was hat dich dazu bewegt, in Spanien zu studieren?

Ich habe mich für Spanien entschieden, weil ich Lehramt für Spanisch studiere, in Europa reisen wollte und weil dieses Austauschprogramm tatsächlich viel günstiger war als alle anderen Möglichkeiten in Südamerika. Nach Santiago de Compostela bin ich gegangen, weil ich möglichst weit von anderen Amerikanern bzw. Englischmuttersprachlern entfernt sein wollte, damit ich möglichst viel Spanisch benutzen und lernen kann. Santiago ist nicht so touristisch wie andere Städte im Süden, was teilweise auch mit der geografischen Lage zu tun hat. Die Art des Austauschprogramms, mit dem ich nach Santiago kam, war ein weiterer Grund. Ich musste mich um viel mehr administrativen Kram bei der Vorbereitung dieses Semesters kümmern als bei anderen Programmen und ich kam alleine. Die Tatsache, dass ich alleine ins Ausland ging, hat mich sprachlich und emotional sehr gefordert, und wenn ich mich noch mal entscheiden müsste, würde ich es wieder ganz genau so machen.

Wie lebt es sich eigentlich als Amerikaner in Spanien?

Bevor ich mich auf den Weg machte, bekam ich von meiner Uni eine Broschüre mit wichtigen Informationen, Verhaltenstipps, etc. Und das Erste was sie als „don't“ empfahlen war: “irgendetwas dass in irgendeiner Weise erkennen lässt, dass du Amerikaner bist”. Bis jetzt konnte ich meine amerikanische Identität stolz zur Schau zu stellen, ohne dass es mir peinlich sein musste. Jeder macht gern Witze über die typisch amerikanischen Vorurteile (Essen, Fettleibigkeit, etc.), aber ich entspreche nicht allzu vielen Klischees und das überrascht die Menschen manchmal. Im Unterricht erwähnen die Dozenten fast täglich irgendetwas das mit den USA zu tun hat und wollen meine Meinung dazu hören. Das ist eine gute Gelegenheit, einige Dinge richtigzustellen. Ich fühle mich sehr wohl in Santiago.

Wie wichtig ist die Sprache?

Vertrautheit mit der spanischen Sprache finde ich total wichtig. Ich hätte dieses Programm nicht gewählt, wenn ich mich nicht schon sehr wohl und sicher damit gefühlt hätte, Spanisch zu sprechen und zu verstehen. Fast jeder ist überrascht, dass ein Amerikaner gutes und akzentfreies Spanisch spricht. Den meisten Spaniern fällt es allerdings nicht schwer, mich als Amerikaner zu entlarven noch bevor ich den Mund aufmache (Ich glaube die helle Haut und die rot-braunen Haare verraten mich.). Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie deshalb gleich denken, ich wäre ein Idiot. Aber wenn sie erst mal gemerkt haben, dass ich gut Spanisch spreche und verstehe, sind sie sehr hilfsbereit. Übrigens, als ich während dieses Semesters in anderen nichtspanischsprachigen Ländern (Portugal und Italien) unterwegs war, habe ich mich sehr bemüht, zumindest ein paar wichtige Sätze zu lernen (Wo ist die Toilette / der Zug / der Busbahnhof? Wie viel kostet xy? Etc.). Und es ist total offensichtlich, dass die Einheimischen meine Bemühungen, in ihrer Sprache mit ihnen zu kommunizieren, zu schätzen wussten.

Beschreib uns deine Strategie, dich zu integrieren.

Alleine zu kommen, war die einzige Strategie, mich gut zu integrieren. Wenn man auf sich selbst gestellt ist, muss man Freunde finden, Spanisch benutzen, etc. Ich hatte Glück, dass ich schnell eine Menge neuer Freunde gefunden habe, die Spanisch als Muttersprache sprechen (einige aus Spanien, die meisten andere Austauschstudenten aus Südamerika). Ohne ein Netzwerk aus englischsprachigen Freunden konnte ich problemlos in die spanische Sprache eintauchen.

Was war dein lustigstes Erlebnis in Spanien?

Als Erstes fällt mir dazu die Reaktion eines Madrider Freundes auf meine Postkarte mit Lionel Messi ein, die ich ihm aus Barcelona geschickt habe. Fußball ist für die Spanier genauso wie American Football für die USA: Sie sind total davon besessen.

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