Fotografie, Fashion & Design

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Der Stil der Straße

Fashion Blogger, die Fotos modisch gekleideter Menschen ins Internet stellen, erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinde. Auch in Deutschland haben sich Streetstyle-Blogs etabliert.

© Modedorf© Modedorf© Modedorf

 

Der größte Laufsteg der Welt

Der wichtigste Laufsteg der Welt sind die Modenschauen in Paris und Mailand, der größte jedoch ist die Straße, und sie nimmt an Bedeutung zu. Das liegt nicht nur daran, dass viele Designer sich gern davon inspirieren zu lassen, was die Menschen in den Cafés und Clubs der Metropolen tragen. Seit gut vier Jahren hat der Streetstyle seinen großen Auftritt auch im Internet: Styleblogger laufen durch die Städte, fotografieren die Menschen, deren Outfit sie für bemerkenswert halten und stellen diese Bilder dann auf ihre Seiten. Rund 800 Fashion Blogs gibt es momentan weltweit, Tendenz steigend.

Die bekanntesten Styleblogger, bei denen sich Designer und Modemagazine weltweit Anregungen holen, kommen aus New York und London. Scott Schumans The Sartorialist zählt pro Tag über 20.000 Besucher, er wurde vom Time Magazine unter die 100 wichtigsten „Design Influencers“ der Welt gewählt. Der Fotograf Yvan Rodic reist für seinen Blog Facehunter um die ganze Welt. Und auch in Deutschland sind die Streetstyle-Blogs angekommen. Einige wirken wie das Tagebuch einer Vorstadt-Fete. Aber andere sind richtig gut.

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Video © Deutsche Welle

Styleclicker aus München

Einen der Besten macht der Münchener Gunnar Hämmerle zusammen mit seinem Bruder. Die Idee zu Styleclicker hatten sie im Sommer 2006. Es war die Zeit, als das Web 2.0 groß wurde. Hämmerle hatte die Filmhochschule beendet, sein Bruder den Job bei einem Start-up gekündigt. Jetzt geht Gunnar Hämmerle vorzugsweise samstags auf die Suche nach spannend gekleideten Menschen. „Mich interessieren nicht die Modeströmungen, sondern die Leute“, sagt er. „Stil hat damit zu tun, dass man anzieht, was zur Persönlichkeit passt und, dass man Mode als Feld der Kreativität ansieht, auf dem man sich ausprobieren kann.“

© Styleclicker© Styleclicker© Styleclicker

Wenn sein Blick an jemandem hängen bleibt und er die Person anspricht, bekommt er meist positive Reaktionen. Fast alle lassen sich gerne fotografieren, schließlich ist es ein Kompliment, von einem Styleblogger angesprochen zu werden. Diese verfolgen keine kommerziellen Interessen und müssen auch gegenüber niemandem Rechenschaft ablegen, außer ihrem eigenen Geschmack. So findet man bei Gunnar Hämmerle nicht nur Hipster, auf seiner Seite kommen auch Babys und ältere Herren vor.

Befreiung vom einheitlichen Modediktat

Die Modebranche beschäftigt sich mit den Fashion-Blogs, das kann auch Natasha Binar bestätigen, obwohl sie deren Bedeutung nicht überschätzen möchte. „Blogs befreien von dem einheitlichen Modediktat und spiegeln die tägliche Dresskultur wieder. Außerdem sind sie ein gutes Instrument für die Marktforschung“, findet die Inhaberin von No.mad, einer in London und Berlin ansässigen Agentur für die Kunst- und Modeszene. Binar hat 2007 eine Ausstellung mit Fotos vom Londoner und Berliner Streetstyle gemacht: „Ich liebe Blogs! Die legen so viel Energie in ihre Arbeit.“

So wie Mary Scherpe und Benjamin Richter, die zu den Fotos auf ihrem Blog Stilinberlin auch Kurzinfos darüber geben, von welcher Marke oder aus wessen Kleiderschrank die Hemden, Hosen und Schuhe sind. Inspiriert durch Vorbilder aus New York, Tokio und Paris haben sie im März 2006 mit dem ersten Streetstyle-Blog Deutschlands angefangen. Je nach Zeit, Wetter und Ausbeute laden sie pro Woche zwischen null und zehn Fotos auf ihre Seite. Das wollen mittlerweile pro Tag etwa 2.000 Menschen sehen, so hoch ist die Besucherzahl, die auch Styleclicker schon erreicht hat.

© StyleclickerBerlin-Mitte-Stil

Scherpe und Richter studieren Kunstgeschichte und Japanologie und halten sich selbst nicht für Stilikonen. Sie würde es nicht in Stilinberlin schaffen, sagt die 27-jährige Mary Scherpe, denn dazu kleide sie sich zu langweilig – im Vergleich zu dem, was sie sucht. Doch dafür gibt es genug andere, „die eine glaubhafte modische Ausstrahlung haben“. Die beiden werden meist in Berlins In-Bezirk Mitte fündig, und so spiegelt ihre Seite auch den Mitte-Stil wider: Den ungezwungenen Mix aus Markenkleidung, Billigklamotten und Selbstgemachtem – eigensinnig aber selten elegant. Das soll auch so sein, denn Scherpe und Richter wollen, so wie auch Gunnar Hämmerle, den Stil ihrer Stadt zeigen.

Stefanie Dörre
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