Musik

Deutschland sucht, findet und sucht weiter

Lena Meyer-Landrut, © Daniel KruczynskiAlljährlich finden sie statt: die Castingshows im deutschen Fernsehen. Es werden unter anderem Popstars, das nächste Topmodel, ein Supertalent und – nicht zu vergessen – ein Superstar gesucht. Doch was zeichnet diese neue Generation von Prominenz aus?

Sicher ist, dass die Kandidaten bereits während des Prozesses „Stars zu werden“, kleine Medienberühmtheiten sind. Dafür sorgen die Jury und eine Armada von Kameras, die das schaulustige Volk bedienen, welches im großen Finale entscheiden darf, wer denn nun endgültig (oder zeitweise) in die Riege der Prominenz aufgenommen wird.

Superstar sein, was bedeutet das eigentlich?

Früher gab es sie auch schon, die Superstars. Menschen, die aus den verschiedensten Gründen berühmt geworden und es bis in die heutige Zeit geblieben sind. Jeder kennt sie: Elton John, Phil Collins, Michael Jackson, Marilyn Monroe … die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen. Seien es nun Musiker, Schauspieler, Sportler oder durch Skandale bekannt gewordene, frühere „Nobodys“.

Aber an den ein oder anderen Gewinner der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS) können sich schon jetzt viele nicht mehr erinnern. Das Ablaufdatum dieser „Superstars“ ist schnell erreicht.

No Angels, © Daniel AragayÄhnlich verhält es sich mit den Popstars die der Fernsehsender ProSieben Jahr für Jahr sucht. Das Aushängeschild dieser Show ist nach wie vor die Girlgroup No Angels, die als Sieger aus der ersten Staffel hervorging und hierzulande eine Zeit lang sehr erfolgreich war. Sie durfte sogar zum Eurovision Song Contest fahren, um Deutschland musikalisch zu vertreten. Der 23. Platz bei insgesamt 25 Teilnehmern war jedoch sicherlich nicht so gut, wie man es sich im Vorfeld erhofft hatte.

Es geht auch anders

Stefan Raab, © Daniel KruczynskiIm Zeitraum vom 2. Februar bis zum 12. März 2010 suchten die TV-Sender ProSieben und Das Erste gemeinsam einen ganz besonderen Star. Unser Star für Oslo – sicherlich ein weiterer Geniestreich des deutschen Entertainers, Musikers und Musikproduzenten Stefan Raab – war ein voller Erfolg. Als am Ende Lena Meyer-Landrut (19) von den Zuschauern als Siegerin auserkoren wurde, stand fest, dass sie Deutschland mit dem Song Satellite beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo vertreten würde. Doch was dann passierte, hat sich die mittlerweile unter dem Künstlernamen Lena musizierende Abiturientin wohl nur in ihren Träumen ausgemalt. Sowohl das Debüt-Album My Cassette Player, als auch die Single Satellite steigen in den deutschen Charts direkt auf Platz 1 ein – ein Rekord. Bis heute haben das Album, sowie die Single Doppelplatin-Status erreicht und, ach ja, den Eurovision Song Contest hat Lena auch gewonnen.

Max Mutzke, © ChrisHamburg, Wikimedia CommonsDass Stefan Raab ein Händchen für wirkungsvolle Sendeformate hat, ist nicht erst seit „Unser Star für Oslo“ bekannt. Neben Schlag den Raab, Turmspringen, Autoball Europameister- und Weltmeisterschaft und Wok-WM hat er ebenfalls Musik-Castingshows veranstaltet und als Juror betreut. SSDSGPS (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star) war die Erste. Daraus hervorgegangen ist Max Mutzke, der 2004 zum Eurovision Song Contest fuhr und Platz acht belegte. Als Nachfolgesendung entstand 2007 SSDSDSSWEMUGABRTLAD (Stefan sucht den Superstar der singen soll was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf), bei der Stefanie Heinzmann gewann.

Etwas mit Bestand, bitte

Stefanie Heinzmann, Wikimedia CommonsSuperstars sind Max Mutzke und Stefanie Heinzmann wohl nicht, aber sie sind seit mehreren Jahren im Musikgeschäft und halten sich im Auge des öffentlichen Interesses und das im positiven Sinne. Skandale sind uns von den beiden nicht zu Ohren gekommen, was bei den Kandidaten von Deutschland sucht den Superstar anders aussieht. Gleich mehrere Kandidaten seien in der Vergangenheit straffällig geworden und auch im Hier und Jetzt sind es eher die Negativ-Schlagzeilen, die uns im Gedächtnis bleiben.

Bereits in der ersten Casting-Phase von DSDS, in der die Spreu vom Weizen getrennt werden soll, gibt es immer wieder Momente in, denen der Zuschauer sich fragen muss, ob der Kandidat vor eine Kamera gehört. Zugegeben, einige Kandidaten können singen, aber so viele andere eben nicht und diese werden dann von der Expertenjury vor laufender Kamera unangespitzt in den Boden gerammt. Es sind Shows wie DSDS oder auch Das Supertalent (ebenfalls RTL), die den Begriff „fremdschämen“ (= dass das Verhalten anderer einem selbst peinlich ist) besonders geprägt haben.

Ben Dehn
arbeitet als freier Journalist und lebt in Herne.

Copyright: Todo Alemán
Juli 2010

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