Der Deutsche Menschenrechtsfilmpreis

1953 ist die Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten in Kraft getreten, dennoch wird sie täglich missachtet. Alle zwei Jahre zeichnet der Deutsche Menschenrechtsfilmpreis bedeutende Medienwerke zu dem Thema aus.
Ins Leben gerufen wurde der Deutsche Menschenrechtsfilmpreis (DMFP) 1998 anlässlich des Jubiläums zum Internationalen Tag der Menschenrechte. Ursprünglich war er als Amateurmedienwettbewerb geplant. Doch die Zahlen der Sichtungskopien für die Juroren nahmen jährlich zu und so entwickelte er sich im Laufe der Jahre zu einer festen Größe in der deutschen Medienlandschaft. Auch die Unterstützer sind mittlerweile auf 18 Institutionen gestiegen. Darunter befinden sich bundesweit tätige Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, religiöse und kirchliche Organisationen, sowie kommunale Einrichtungen.
Die Themen der prämierten Filme sind unbequem, real und eignen sich kaum als Kassenschlager. Nur wenige Produktionen wie der 2010 preisgekrönte Film The Green Wave aus der Kategorie Profi schaffen es in die Programmkinos. Die Filme zeigen in der Regel die dunklen Seiten der Macht im Umgang mit dem Menschen. Abschiebung, Folter, Kinderarbeit, Menschenhandel, Diskriminierung von Randgruppen et cetera sind beispielhafte Inhalte. 248 Filme wurden im Jahr 2010 eingereicht, für die den Filmemachern fünf Kategorien zur Verfügung stehen: Profi, Amateur, Hochschule, Kurzfilm und Bildungspreis.
Thema Menschenrechte als Bildungsarbeit an den Schulen
Ein wichtiger Punkt ist die Auslobung des 2008 ins Leben gerufenen Bildungspreises. „Ziel dieses Preises ist es, Menschenrechtsthemen für die Bildung herzustellen, um als Unterrichtsmaterial zu dienen“, sagt Petra Jung, Jurorin des Preises. Dafür kooperiert das Institut für Film- und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis. Die frühe Auseinandersetzung mit Menschenrechtsthemen könne die Meinungsbildungskompetenz von Schülern und Schülerinnen stärken, ist sich die Jurorin sicher. Zusätzlich zum prämierten Film erscheint didaktisches Material auf einer DVD, damit die Schüler sich umfassend mit dem Thema auseinandersetzen können. Lehrplanzentral behandelt werden Themen der Menschenrechte in den Klassen sieben bis zehn.
„Die Wirkung bei den Schülern ist groß“, weiß Petra Müller, Programmbereichsleiterin am FWU. „Die Schüler erleben eine Betroffenheit und setzen sich mit dem Thema intensiv auseinander“, ergänzt Müller. Das Thema Menschenrechte findet auf diese Weise Beachtung in einer Altersgruppe, die sich sonst eher nicht damit auseinandersetzen würde. Die mit Lehrmaterial angereicherte DVD unterstützt Lehrer, diese Inhalte alters- und sachgerecht im Unterricht zu vermitteln.
Verletzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen verstärkt im Fokus
Insbesondere in den vergangenen Jahren haben die Filmemacher verstärkt das Thema Kinder- und Jugendliche in den Fokus gestellt. Der 2010 mit dem Bildungspreis dotierte Film Rückkehr ins Elend – Abschiebung der Roma ins Kosovo handelt von Kindern, die in Deutschland aufgewachsen sind und quasi über Nacht in ihr Ursprungsland abgeschoben werden. Zwei Jahre zuvor ging der Bildungspreis an den Film Kindersklaven. Dass der Preis Wirkung zeigt, davon zeugt auch die hohe Verleihquote an Schulen und Institutionen.
Doch im Grunde genommen „geht jede Verletzung unter die Haut“, gibt Sabine Schwab von Missio zu verstehen. Ob an Kindern oder an Erwachsenen, jede Verletzung der Menschenrechte bedeutet eine gewaltsame Überschreitung der menschlichen Grundrechte. Die Initiatoren sehen daher auch eine Aufgabe des Preises darin, die Öffentlichkeit für Ungerechtigkeiten und Grenzüberschreitungen am Menschen zu sensibilisieren. Auf der ganzen Welt, unabhängig von dem Wohlstand einer Nation, finden Missachtungen der Grundrechte statt, so auch in Deutschland wie die Filme zeigen.
Das Bewusstsein der Öffentlichkeit schärfen
Deshalb finden seit 2008 in Anlehnung zur Preisverleihung bundesweit die sogenannten Langen Nächte des Menschenrechts-Films statt. Die Veranstaltung gab es bisher in Berlin, Bonn, München und Wien. Unmittelbar nach der Preisverleihung, jeweils im Dezember, wurden an diesen Standorten die Preisträgerfilme in Anwesenheit der Regisseure gezeigt. Im Anschluss an die Vorführung finden Filmdiskussionen statt, bei denen in der Regel „ganz tiefgehende Gespräche“ entstehen, wie Marko Junghänel vom Deutschen Menschenrechts-Filmpreis aus Erfahrung weiß.
ist Mediensoziologin, freie Journalistin und Medienconsulter. Sie lebt und arbeitet in München.
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Dezember 2011
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