Philosophie und Religion

Musliminnen in Deutschland

3.3 Millionen Muslime leben in Deutschland. 70% von ihnen sind türkischer Herkunft - die größte Minderheit im Land. Die meisten leben in Berlin und anderen Großstädten im Westen Deutschlands. 1 Million von ihnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft - und etwa 1,4 Millionen sind muslimische Frauen.

 

Der Versuch, ihren eigenen Weg zwischen Religion, Tradition und einem modernen Leben zu finden, stellt junge muslimische Frauen vor eine Herausforderung - wie auch die größere deutsche und europäische Gemeinschaft.
 

Zwischen Moderne und Islam

 

Die Dezember 2007 Ausstellung des Goethe-Instituts Washington zeigte eine Sammlung von Arbeiten der Berliner Fotoagentur OSTKREUZ über das Leben von Muslimischen Frauen in Deutschland. Die Bilder spiegelten Aktivitäten innerhalb islamischer und westlicher Kulturen wider und verdeutlichten dabei Besonderheiten dieser zwei Kulturen, die heute in Berlin aufeinander treffen. 

 

Die folgenden Anmerkungen als Einführung zum Thema sind dem Artikel "Muslim Women in Europe: Between Modernity and Islamization" von Kürtan Karakut entnommen.

 

Der Originalaufsatz wurde in "Reconciling Religion and Public Life: Essays on Pluralism and Fundamentalism in the United States and Germany" von Patrick J. Deneen, Türkan Karakurt, Charles T. Mathewes, Erik Owens und Rolf Schieder veröffentlicht. German American Issues 7 (2007). © American Institute for Contemporary German Studies, Johns Hopkins University. Erlaubnis für Veröffentlichung erteilt.

 

Religion

 

Der Islam wurde zur zweitgrößten Religion Europas, als muslimische Gastarbeiter, deren Familien und politische Flüchtlinge aus verschiedenen muslimischen Ländern anfingen, in erheblichem Maße nach Europa zu strömen. Die Zahl der Muslime in Europa hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, aber tatsächlich macht die muslimische Population heute nicht mehr als 5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die wachsende Sichtbarkeit des Islams ist nicht so sehr Folge der großen Anzahl von in Europa lebenden Muslimen, sondern hängt mit einer neuen Perzeption des Islamismus nach dem 11. September zusammen, und - ebenso wichtig in diesem Zusammenhang - einem veränderten muslimischen Selbstbild.

 

Doppelte Identität

 

Muslimische Frauen wurden, für den größten Teil der letzten 50 Jahre, als ungebildet, unterdrückt und als stimmlose Individuen innerhalb ihrer muslimischen Gemeinschaft stigmatisiert. Aber die muslimischen Gemeinden in Europa wachsen und stellen an die Toleranz nicht nur Deutschlands, sondern Europas eine Herausforderung. Tragen muslimische Frauen denn zu einem Ausgleich zwischen Islams und Moderne bei? Oder wenden sie sich von der Problematik ab, indem sie sich fest und ausschließlich an ihre Traditionen klammern? Fakt ist, sie tun beides: Die Mehrheit der muslimischen Frauen in Deutschland hat die Basiselemente des europäischen Säkulariusmus und der freien Demokratie akzeptiert und genießt eine doppelte Identität.

 

"Islamisierung"?

 

Europäer, religiös wie säkulär, neigen heute dazu, den Intentionen muslischer Aktivisten zu misstrauen. Manche Nicht-Muslime fürchten den Beginn einer "Islamisierung" ihrer Gesellschaften - und dass bei einem Sieg dieser Schlacht Muslime weiter dazu ermuntert würden, den exististieren sozialen Konsensus in Europa herauszufordern, der auf ein aufgeklärtes Christentum und einer liberalen und weltlichen Politik gründet. Diese Angst, die Nicht-Muslime ausdrücken, ist genauer gesagt die Angst, dass Toleranz ihnen gegenüber für politische Ziele missbraucht werden könnte, die letztendlich zu einer "Rückentwicklung" sozialer und politischer Prozesse führen könnten.

 

Frauen und das Kopftuch

 

Kopftuch zu tragen provoziert das westliche Verständnis von weiblicher Freiheit und der grundsätzlichen Gleichstellung der Geschlechter. Man glaubte zunächst, Mädchen, die in Europe geboren und aufgezogen wurden, würden kein Kopftuch mehr tragen. Muslimische Frauen wurden als potentielle Verbündete progressiver westlicher Demokratien gesehen, weil sie ihnen Gleichberechtigung und individuelle Freiheit statt Unterdrückung boten, die sie in ihrer von Männern dominierten Kultur und Religion bisher gewohnt waren. Doch das Gegenteil war der Fall: Die völlige Ablehnung mancher Musliminnen - in Widerlegung der europäsischen Annahme, dass muslimische Frauen sich an ihre emanzipierten europäischen Schwestern angleichen wollen würden -, kein Kopftuch zu tragen, offenbarte, wie defizitär das gegenseitige Verständnis nicht-muslimischer und muslimischer Frauen in Deutschland war und ist. Die Kopftuch-Debatte wird in Deutschland fortgeführt. Manche Bundesländer haben sich entschieden, das Tragen des Kopftuches in manchen Fällen zu verbieten - zum Beispiel für Lehrerinnen -, während andere Bundesländer zögern, solche Gesetze zu erlassen.

 

Lesen Sie den gesamten Artikel von Türkan Karakut (pdf-Download):

 

Download Symbol"Muslim Women in Europe: Between Modernity and Islamization" (PDF, 130 KB)

 

 

 

Links zum Thema