Die gesammelten Gedichte und Prosatexte von Hilda Stern Cohen wurden 2003 in deutscher Sprache veröffentlicht. Eine Publikation in englischer Sprache wird im September 2008 erscheinen unter dem Titel Words that Burn Within Me: Faith, Values, Survival.
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Genagelt ist meine Zunge: Gedichte und Prosa einer Holocaust-Überlebenden

1997, unmittelbar nach dem Tode seiner Frau, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war, fand Dr. Werner Cohen eine Reihe von alten Schulheften ganz unten in einer Schublade. Diese unscheinbaren Kladden enthielten rund 150 Gedichte und eine Reihe von Prosatexten in deutscher Sprache, über die seine Frau Hilda Stern Cohen nie mit ihm gesprochen hatte. Seite für Seite übertrug er danach die Schulhefte und entdeckte dabei eine wahrlich talentierte Schriftstellerin, die ihm bis dahin verborgen geblieben war. Mehr noch: Er konnte völlig neue und zutiefst bewegende Einblicke in die Erfahrungen seiner Frau als Kind in Deutschland und als junge Frau im Lodzer Getto und in Auschwitz gewinnen.

Als er nach einer Möglichkeit suchte, das Werk Hilda Stern Cohens einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat sich Werner Cohen, selbst in Essen geboren, an das Goethe-Institut in Washington gewandt, das schnell die bemerkenswerte literarische Qualität des Werkes sowie die historische Bedeutung erkannte. Als nächstes folgte die Kontaktaufnahme mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die ganz in der Nähe des kleinen hessischen Dorfes Nieder-Ohmen (heute Ortsteil der Gemeinde Mücke) liegt, in der Hilda Stern 1924 geboren wurde. Dank dieser Umstände werden diese Texte, die den Kampf einer jungen deutsch-jüdischen Frau zeigen, die ihr von den Nazis zugefügten Wunden zu heilen, nun endlich veröffentlicht.

1945 kam Hilda Stern als Flüchtling nach Österreich, wo sie darauf wartete, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Die tief gläubige junge Frau hatte ihre Eltern und Großeltern verloren, konnte selbst aber das Lodzer Getto und Auschwitz überleben. Während der Monate, die Hilda auf ihr Visum für Amerika in Oberösterreich (Gmunden und Kammer-Schörfling) wartend zubrachte, schrieb sie Gedichte und viele andere Texte: Darunter Stücke, die sie bereits früher ersonnen und bis dato noch nicht zu Papier gebracht hatte, aber ebenso ganz neue Gedichte, die ihre Gefühle über das Leben im „weder-hier-noch-dort“ der „Displaced Persons“-Camps ausdrückten. Als sie endlich in den USA war, schrieb Hilda noch eine ganze Zeit lang weiter, gab es aber schließlich zusammen mir ihrer einstigen Muttersprache Deutsch auf: auch als Teil ihrer Anpassung an ein neues Leben.

Der Titel der Textsammlung ist einem Gedicht entnommen, in dem Hilda Stern Cohen bitterlich darüber klagt, wie ihre eigene Selbstwahrnehmung an eine Sprache und an eine Kultur gebunden ist, die versuchte, sie zu zerstören.

Genagelt ist meine Zunge wurde 2003 als Band 2 in der Schriftenreihe „Memento“ der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich veröffentlicht. Die Publikation ist ein gemeinsames Projekt der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und des Goethe-Instituts Washington, DC, in Zusammenarbeit mit Werner V. Cohen, Baltimore, Maryland.

Herausgegeben wurde der Band von Erwin Leibfried und Sascha Feuchert, Arbeitsstelle für Holocaustliteratur, Institut für Germanistik, Justus-Liebig-Universität Gießen, sowie William Gilcher, Goethe-Institut Washington, DC, mit Unterstützung der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich. Er ist versehen mit einem Vorwort von Werner V. Cohen und einem Epilog von Klaus Konrad-Tromsdorf über die Geschichte jüdischen Lebens in Oberhessen.

ISBN: 3-00-010499-2
Erscheinungsdatum: September 2003
Bergauf-Verlag, Frankfurt/Main.
168 Seiten, gebunden, 21 x 30 cm.
Preis: € 15, plus Porto.

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