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Goethe und CLIL: „Es ist einfach überzeugend, wie erfolgreich fremdsprachiger Fachunterricht ist“

Konferenz `Curriculum Linguae 2007´, Britta Hufeisen; Copyright: Goethe-InstitutFremdsprachen- und Sachfachunterricht passen gut zusammen. Diese Kombination, auch Content and Language Integrated Learning (CLIL) genannt, ist für das Goethe-Institut ein wichtiges Thema.

CLIL hat viele Namen: integriertes Inhalts- und Sprachenlernen, bilingualer Unterricht oder Sachfachunterricht in der Fremdsprache. Die Bezeichnung integrierter Fremdsprachen- und Sachfachunterricht bringt jedoch am besten auf den Punkt, was diese Unterrichtsform ausmacht: Sachfachinhalte werden in der Fremdsprache vermittelt.

So vielfältig wie die Bezeichnungen sind auch die Einsatzgebiete. Insgesamt 14 Fächer – von Sachkunde, Geschichte über Naturwissenschaften bis hin zu Sport – werden inzwischen europaweit nach dem CLIL-Ansatz unterrichtet und CLIL setzt sich immer mehr durch. Für das Goethe-Institut eine große Chance, CLILiG (die geläufige Abkürzung für CLIL in German) und damit auch die deutsche Sprache zu fördern.

„In Programmen der EU und des Europarats ist der integrierte Sprach- und Fachunterricht ein Schwerpunktthema. In repräsentativen Studien, unter anderem in der DESI-Studie, wurden fundierte Aussagen zum Erfolg von integriertem Fremdsprachen- und Sachfachlernen gemacht“, sagt Karin vom Goethe-Institut. DESI steht für Deutsch Englisch Schülerleistungen International. Die Studie zeigt, dass Schüler mit CLIL-Unterricht beispielsweise im Hörverständnis gegenüber Vergleichsklassen einen Vorsprung von etwa zwei Schuljahren aufweisen.

Information ist das A und O

„Mit CLIL lernen die Schüler eine Fremdsprache schneller und motivierter. Deshalb sind CLIL-Angebote nützlich und sinnvoll, um das Interesse am Lernen von Deutsch zu wecken und zu verstärken.“ Karin Thelemann ist vom Erfolg überzeugt. So ist es ihr besonders wichtig, CLIL auf der bildungspolitischen Ebene, in der Deutschlehreraus- und -fortbildung, an Schulen und bei Lehrpersonen ins Bewusstsein zu rücken: „Wir müssen aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben und darüber informieren, dass CLIL ein großes Potenzial hat. Das tun wir insbesondere auf einschlägigen Fachkonferenzen und Bildungsmessen. Doch auch bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht Informationsbedarf. Wir sind dabei, eine Auswahlbibliographie zum Thema zu erstellen sowie eine Referentenkartei und ein Materialarchiv aufzubauen. Wichtig ist uns ebenso, die Aktivitäten einzelner Institute transparent zu machen und den Aufbau von Netzwerken zu fördern.“

Eine zentrale Rolle spielt die Fortbildung der Lehrkräfte. Die Tatsache, dass die Lehrer in den meisten Ländern entweder als Fremdsprachenlehrer oder als Fachlehrer ausgebildet sind, erschwert die Einführung von CLIL. „Aufgabe des Goethe-Instituts ist es deshalb, mit speziellen Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte, die Gastländer dabei zu unterstützen, diese Lücke zu schließen, damit sowohl die sprachliche als auch die fachliche Kompetenz gewährleistet sind“, betont Thelemann. Auch in der Unterstützung von Lehrwerkprojekten sieht sie ein wichtiges Aufgabenfeld.

Vielseitige Projekte

Konferenz `Curriculum Linguae 2007´, Bernadett Veress vom Goethe-Institut Budapest; Copyright: Goethe-InstitutMomentan liegt der Fokus auf Europa. Konkrete Aktivitäten können ganz unterschiedlich aussehen. In Spanien beispielsweise hat sich das Goethe-Institut Madrid bei der Entwicklung des Lehrplans für den bilingualen Sachfachunterricht an allgemein bildenden Schulen in Andalusien engagiert. In Polen finden sowohl Sprachkurse für Kindergärtnerinnen als auch Sommersprachkurse für CLIL-Lehrkräfte statt. Außerdem werden dort Lehrmittel und Arbeitsmaterialien entwickelt. Die Goethe-Institute Sofia, Budapest und Krakau beteiligen sich an einem Sokrates-Projekt der EU-Kommission zur Bestandsaufnahme des deutschsprachigen Inhalts- und Sprachenlernens in elf europäischen Ländern. Ein weiteres EU-Projekt (MEMO), an dem die Goethe-Institute London, Nancy und Paris beteiligt waren, beschäftigte sich von 2001 bis 2004 damit, mehrsprachige Module für den Fachunterricht zu entwickeln. Bei diesen Modulen handelt es sich um Unterrichts- und Fortbildungseinheiten, die flexibel einsetzbar sind. Damit können die Lehrkräfte auch schrittweise in den integrierten Sprach- und Fachunterricht einsteigen.

Ob es zu einem CLIL-Projekt kommt, liegt in der Verantwortung der einzelnen Institute im Ausland. „Wir entwickeln Projekte nicht im luftleeren Raum, sondern immer gemeinsam mit Partnern. An einem Projekt muss die bildungspolitische Seite im Gastland Interesse haben und sich beteiligen. Das unterstützen wir dann selbstverständlich mit den verschiedensten Maßnahmen“, sagt Thelemann. Die Erfahrungen mit laufenden und vergangenen Projekten sind positiv: „Der Lehrplan für CLIL in Andalusien wurde von spanischer Seite gewünscht. Das sind hervorragende Ausgangsbedingungen für unser Engagement.“

Konferenz `Curriculum Linguae 2007´; Copyright: Goethe-Institut

Erfolgsmodell CLIL

Die Projekte können sich also sehen lassen und bieten die Möglichkeit, Deutsch im Rahmen der Mehrsprachigkeitspolitik in Europa gut zu etablieren und zu fördern. Bei den Kindergärten, Primarschulen, weiterführenden Schulen und Hochschulen, die deutschsprachigen Sachfachunterricht anbieten, handelt es sich um innovative Institutionen, die ein eigenes Profil entwickeln und sich im Bereich Fremdsprachenerwerb und Förderung von Mehrsprachigkeit engagieren. Diese Bildungseinrichtungen schneiden in Rankings häufig gut ab und werden auch mit Preisen ausgezeichnet. „Sie genießen daher eine hohe Reputation, die indirekt dem Ansehen von Deutsch als Fremdsprache zugute kommt“, sagt Thelemann.

CLIL funktioniert. Verdrängen wird das integrierte Fremdsprachen- und Sachfachlernen den konventionellen Fremdsprachenunterricht allerdings nicht. Auch wenn Karin Thelemann davon ausgeht, dass das Interesse steigt und die Angebote insbesondere in Europa zunehmen werden.

Andrea Gehwolf
Online-Redaktion des Goethe-Instituts

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November 2007

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