Über das Projekt

Die interkulturelle DaF-Übungsfirma – Ziele

Foto: Anatoly Tiplyashin / colourbox.com
Foto: Anatoly Tiplyashin / colourbox.com

Leitidee und Zielgruppe

Was bedeutet berufsorientiertes Deutsch für den modernen DaF-Unterricht, welcher methodisch-didaktische Anpassungsbedarf ergibt sich und wie kann eine Umsetzung optimal erfolgen? Unternehmerisches Querdenken, das Erkennen von komplexen Zusammenhängen, der Erwerb von sozialen und interkulturellen Kompetenzen sowie die Anwendung von Fremdsprachen gehören zu den pädagogischen Schwerpunkten. Dabei wird Wissen fächerübergreifend, handlungs- und problemorientiert von den Teilnehmern erarbeitet und reflektiert. Für das Goethe-Institut bedeutet dies die besondere Bearbeitung des Zielgruppensegments von jungen Erwachsenen, die sich in der interkulturellen DaF-Übungsfirma auf ihre Karriere vorbereiten und sich damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil sichern. Die interkulturelle DaF-Übungsfirma als komplexes und eigendynamisches Modell schafft die Basis für neue Lernchancen im modernen berufsorientierten Fremdsprachenunterricht.

Die Übungsfirma und ihre Ziele

Die Idee, berufsorientierte Ausbildung durch Übungsfirmen wirklichkeitsnah durchzuführen, ist keineswegs neu und ist nachweislich seit dem 17. Jahrhundert in der kaufmännischen Ausbildung vorhanden. Ob als „Kontorübung, Übungsfirma, Schulungs-, Simulations- oder Scheinbüro“ hat das Modell im deutschsprachigen Raum eine große Bedeutung und wird sowohl für schulische Ausbildungszwecke (z. B. in Berufsschulen oder Berufskollegs) als auch zur beruflichen Rehabilitation von Erwachsenen eingesetzt. Laut Europen- Pen International (European Practice Enterprises Network), einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Deutschland und dem größten Übungsfirmennetzwerk, gibt es weltweit 7.500 Übungsfirmen in über 42 Nationen. Darüber hinaus zielt das 2009 von der EU geförderte Projekt PELLIC (Practice Enterprise for Language Learning and Intercultural Communication) darauf ab, das Anwenden von Fremdsprachen (am Beispiel von Englisch) mit Übungsfirmen erfolgreich zu verbinden.

Was genau ist eine Übungsfirma und welche Ziele verfolgt sie?

Europen definiert die Übungsfirma als „ein Lernort für die Aus- und Weiterbildung von Kaufleuten, in der berufspraktische Kenntnisse und Fertigkeiten handlungsorientiert vermittelt, erweitert und vertieft werden.“ Sie ist somit eine Art „Laboratorium“ für die berufsorientierte Aus- und Weiterbildung und weist vereinfacht folgende Merkmale auf:

„Lernen im und am Modell“ eines realen Unternehmens mit
  • fiktiven Produkt-, Dienstleistungs- und Geldströmen (virtuelles Kaufen/Verkaufen von Waren und/oder Dienstleistungen) und
  • realen Außenkontakten zu anderen Übungsfirmen und Zentralstellen mit dem Einsatz von Fremdsprachen.
Neben der Fachkompetenz stehen die Methoden-, wie z. B. Problemlösungsstrategien und Sozialkompetenz im Vordergrund der fächerübergreifenden Ausbildungsziele einer Übungsfirma. Obgleich sie je nach Komplexitätsgrad unterschiedliche Ausprägungsformen verfolgen kann, indem unterschiedliche kaufmännische Bereiche betont oder etwas vernachlässigt werden, zählen Autonomie, Selbstbestimmung und soziales Lernen zu den Kerneigenschaften. Das hier geforderte und geförderte „Lernen durch Versuch und Irrtum“ ermöglicht den Teilnehmern durch Fehler zu lernen, andererseits erfordert es seitens der Übungsfirmenleiter sehr klare Zielsetzungen.