3 Fragen an ...

Christoph Maier-Gehring

© Christoph Maier-Gehring Als Dramaturg, dessen Aufgabe es ist ein Stück inhaltlich mit vorzubereiten, haben Sie sich intensiv mit dem Parzival Stoff beschäftigt. Wie unterscheidet sich „Der durch das Tal geht“ von anderen Auseinandersetzungen mit dem Mythos?

Die Geschichte von Parzival ist ja wesentlicher Bestandteil des sogenannten „Grals-Mythos“, der in keltischen und christlichen, möglicherweise aber auch in vor-christlichen Kulturen seine Wurzeln hat. Anders noch als in Tankred Dorsts früheren Auseinandersetzungen mit dem Stoff spielt in unserer Fassung der heilige Gral keine Rolle, dafür steht Parzivals Lebensweg vom nicht-wissenden Jungen zum reifen Mann umso mehr im Zentrum.

Das Musiktheaterstück ist interdisziplinär angelegt. Tanz-, Theater- und Opernelemente in einer Produktion zu vereinen ist nicht nur in Vietnam ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Wie kam es zu der Entscheidung das Stück in dieser Weise zu inszenieren? Und was erzählt sich hierrüber?

Es ist richtig, dass es nicht viele Musiktheaterwerke gibt, die Gesang, Schauspiel und Tanz in solch gleichberechtigter Form miteinander vereinen. Diese drei darstellerischen Ausdrucksmöglichkeiten bieten die Chance, diesen aufregenden, weltumspannenden, oft tragischen, aber manchmal auch sehr komischen, zugleich emotionalen wie rationalen Stoff mit großer Sinnlichkeit und überraschenden Wendungen auf die Bühne zu bringen.

In wieweit beeinflusst Vietnam die Inszenierung? Würde die Inszenierung „Der durch das Tal geht“ in Deutschland anders aussehen und wenn ja, wie?

Natürlich beeinflusst das Arbeiten und zugleich Leben hier in Hanoi mit den vietnamesischen Künstlern und allen, die an der Inszenierung beteiligt sind, enorm. Künstler und das Regieteam nehmen voneinander ab, inspirieren sich durch ihre Denkweise und Phantasien permanent. Ein sehr fruchtbarer Prozess, den ich gerade erleben darf… Eine Inszenierung in Deutschland, wie die aussähe? Wieder würden ganz unterschiedliche Künstler mit ihren Fähigkeiten zusammen kommen. Und klar: der kulturhistorische und soziologische Hintergrund würde eine (andere) Rolle spielen.