Blick in die Proben

© Goethe-Institut Vietnam

22. November 2010


Der Wandel vom geo- zu einem heliozentrischen Weltbild führte auch zu einem neuen Verständnis vom Menschsein. Die humanistische Philosophie erkannte: Der Mensch kann sich verändern. Individuell wählt er seinen Lebensweg und strebt nach persönlicher Erfüllung und Selbsterkenntnis. Und um diese geht es Parzival in „Der durch das Tal geht“.

Probentag Nummer 16:

Über Zettel gebeugt und auf dem schwarzen Tanzboden des Ballettsaales hockend besprechen die drei Schauspieler gemeinsam mit Regisseurin Beverly Blankenship die Szene „Der Stein“. Programmassistentin Huong, die heute übersetzt, tippt auf eine der Zeilen: „Parzival denkt, dass Merlin ein von Gott geschickter Bote ist – hier drückt sich aus, wie egozentrisch er noch denkt - das verändert sich später. Da legt er dann auch die Rüstung ab. Denn nur ohne Rüstung, ohne diese kalte Metallschale also, kann er Mensch sein.“ Die Besprechung der Texte und die Vermittlung der Hintergrundinformationen nimmt viel Zeit in Anspruch. Geduldig wartet Beverly, bis Huong das von ihr zuvor Gesagte übersetzt hat. Beim Durchspielen der Szene wird aber deutlich, dass kulturelle Unterschiede und sprachliche Schwierigkeiten den Produktionsprozess zwar verlängern, aber nicht behindern. Denn Theater spricht seine ganz eigene Sprache und über die ist Verständigung trotz unterschiedlicher kultureller Hintergründe ganz unvermittelt möglich.