Gesellschaft

Nach Abpfiff Mord

Die Tatort-Kommissare ermitteln in die Reihen eines Frauen-Fußballvereins.  Foto: Krause Burberg © SWRDie Tatort-Kommissare ermitteln in die Reihen eines Frauen-Fußballvereins.  Foto: Krause Burberg © SWRDie Krimi-Reihe „Tatort“ zählt zu den beliebtesten im deutschen Fernsehen. Neben Spannung und Action bieten die in verschiedenen Städten spielenden Filme auch immer eine Auseinandersetzung mit aktuellen, gesellschaftlichen Themen. Wie dem Frauenfußball.

Am 19. Juni, genau eine Woche vor der Eröffnung der FIFA Frauen WM 2011, wird der 53. Tatort mit der Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal ausgestrahlt. Im Abseits heißt er und führt das Ermittlerteam diesmal in die Reihen eines Frauen-Fußballvereins. Eine junge Spielerin wurde ermordet: War es Eifersucht, verletzte Eitelkeit oder etwa Fremdenfeindlichkeit, denn die Tote hatte einen Migrationshintergrund? Das Thema Fußball wird nicht zum ersten Mal behandelt, aber für den Frauenfußball ist es wirklich eine Premiere. Produziert wird die Folge von Maran-Film in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR), einer der neun in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, von denen jede ihre eigenen Fernseh-Kommissare und Kommissarinnen auf Verbrecherjagd schickt. Sabine Tettenborn ist Geschäftsführerin von Maran-Film und war schon bei mehr als 40 Tatorten beteiligt.

Ulrike Folkerts war erste Wahl

Das Thema Frauenfußball im Krimi ist eine Premiere.  Foto: Krause Burberg © SWR„Mit dem Thema Frauenfußball beschäftigten wir uns schon lange, seit Anfang 2009 arbeiten wir an der Idee“, sagt sie, „Drehbuchautor Jürgen Werner hat es geschafft, dieses Thema in seiner ganzen Bandbreite zu erzählen.“ Ihre Firma betreut drei Tatortformate: Lena Odenthal in Ludwigshafen, Klara Blum in Konstanz und Thorsten Lannert und Sebastian Bootz aus Stuttgart. Aber von Anfang an war klar, dass Ulrike Folkerts als Lena Odenthal im Fußball-Milieu ermitteln sollte. Immerhin unterstützt sie als Mitglied der „Top 11 für 2011“ zusammen mit anderen Prominenten die Frauen-Fußball-WM. „Es hat sie sehr gefreut und überzeugt, wie wir das Thema umgesetzt haben.“

Neben aller Fiktion soll in den Filmen auch immer ein großes Stück Authentizität stecken. Als die „Film“-Fußballerin und Nationalspielerin umgebracht wurde, besuchte DFB-Chef Theo Zwanziger ihre Mannschaftskameradinnen. „Wir standen von Anfang an in Kontakt mit ihm und er sagte uns, wenn so etwas passieren würde – ein Mord in einer Frauenfußball-Mannschaft – dann würde er auch in der Realität die Mannschaft besuchen und mit den Frauen sprechen“, betont Sabine Tettenborn.

Ein anderer Aspekt war, dass die Figur, die im Film Fadime Gülüc heißt, einen Migrationshintergrund hat. Das war nicht nur wichtig für den Film, es ist auch ein zentrales Thema für den Frauenfußball, weil viele Spielerinnen aus verschiedenen Nationen kommen. Wie Steffi Jones, die ehemalige Nationalspielerin und jetzige Präsidentin des Organisationskomitees für die FIFA Frauen WM 2011, und Célia Okoyino da Mbabi, die Trikot-Nummer 13 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Sie treten in dem Film ebenfalls auf. Beide hatten das Drehbuch gelesen, fanden es gut und sagten zu. Célia spielt die beste Freundin der Ermordeten und sie hat es sehr gerne gemacht. Übrigens ebenso gerne wie Theo Zwanziger, ein erklärter Fan des Tatorts. Die Gelegenheit für den kleinen Auftritt nutze er gerne, weil er es als eine Chance sehe, den Frauenfußball einem Millionenpublikum näherzubringen, sagte er in einem Interview. Und er will gerade Mädchen aus Familien mit Migrationshintergrund dazu motivieren, Fußball zu spielen.

„Tatort“ greift aktuelle Themen auf

Stürmerin Fadime Gülüc (Filiz Koc).  Foto: Krause Burberg © SWRAlso eine gute Werbung für den Frauenfußball? „Der Tatort ist sehr populär, ich glaube, dass beide Seiten davon profitieren“, ist sich Sabine Tettenborn sicher. Es sei ihnen stets ein Anliegen, nicht nur spannende, sondern auch aktuelle Themen aufzugreifen. So zum Beispiel haben sie sich 2009 mit Kassensturz mit den Arbeitsbedingungen bei Discountern beschäftigt und dafür den ver.di-Medienpreis bekommen. „Wir hatten die richtige Nase für ein Thema, das in der Luft lag. Und deshalb wird der Film auch eine Woche vor Beginn der Frauenfußball-WM ausgestrahlt.“

Authentisch ist nicht nur das Thema, sondern auch einige der Mitwirkenden. In dem fiktiven „FC Eppheim“ kicken Fußballerinnen aus regionalen Vereinen. Filiz Koc, ehemalige türkische Nationalspielerin und aktuell beim TSV Havelse, spielt die Fadime Gülüc. Sie weiß also, was es wirklich bedeutet, Fußballerin zu sein. „Sie arbeiten wie die Profis, aber verdienen wie Amateure und haben zwei, drei Jobs nebenbei“, sagt Sabine Tettenborn und fügt hinzu: „Mit dem Film können wir darauf einmal mehr aufmerksam machen. Es ist ja so, dass Frauenfußball bei weitem nicht so populär ist wie Männerfußball.“ Sie hofft, dass er durch die Ausstrahlung kurz vor der WM noch mal einen richtigen Push bekommt.

Daumen drücken für die DFB-Elf

Der Freund des Opfers Tobias Freitag (Constantin von Jascheroff) mit den Kommissaren.  Foto: Krause Burberg © SWRSabine Tettenborn hat selbst als Kind „mit Begeisterung“ auf der Straße mit den Jungs Fußball gespielt. „Aber ich hatte leider keine Gelegenheit, das auszubauen und so habe ich mich auf dem Gymnasium auf die Leichtathletik konzentriert“, erinnert sie sich verschmitzt. Aber ihre beiden Söhne sind FC-Bayern-Fans und schon deswegen verfolgt sie die Bundesliga, „obwohl ich keine Expertin bin.“ Aber Frauenfußball guckt sie schon ganz gerne und fiebert begeistert mit, wenn die deutsche Nationalmannschaft spielt. „Sie ist übrigens auch ganz kurz im Film zu sehen, beim Training“, sagt sie. Ansonsten bewundert sie die Brasilianerinnen, ihrer Meinung nach „eine interessante und starke Mannschaft.“ Aber die Daumen drückt sie natürlich für Celia, Babette, Nadine und die anderen Frauen des DFB-Frauenteams.

Regina Friedrich
ist freie Journalistin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2011

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