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Poetry Slam in Madagaskar

All Artists & Jury © Photo: Dimbiniaina Andriamipaha

Thony © Goethe-Institut. Foto: Dimbiniaina Andriamipaha

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In vielen Entwicklungsländern existiert nur eine pseudohafte Meinungsfreiheit. In diesen Ländern stellt Kunst die einzige Ausdrucksmöglichkeit dar, die ideologische, politische oder andere Grenzen überschreiten kann. Von der Kolonialisierung bis heute spiegelt die Geschichte der Kunst, je nach Kontext, immer eine Art Widerstand wider. Aus der Unterdrückung entstanden neue künstlerische Dränge, die von der Globalisierung und der Modernisierung einiger Kunstformen beeinflusst wurden.

Seit fast zehn Jahren folgen zeitgenössische Madagassen dem Beispiel der großen, traditionellen Redner und versuchen sich in einer anderen Form der Redekunst. Diese speist sich genauso von Wörtern wie von Ausdrücken. Fast überall im Land beweisen dies vor allem junge Leute mit ihren Federn und Stimmen. Noch zögerlich am Anfang, gewinnen diese Poetry Slammer im Angesicht ihrer Herausforderungen an Vertrauen. Da „Slam“ auf Englisch auch Ohrfeige bedeutet, und diese zwar kurz aber effizient ist, haben die Dichter für jeden Vortrag nur drei Minuten, um das Publikum zu wecken, fesseln, begeistern und zu überzeugen. Manchmal nah an einer komödiantischen Darbietung auf der Bühne, kann es passieren, dass der Poetry Slam manchmal zu einem Instrument des Protestes gegen das gesamte System wird. Im Bewusstsein, dass die Vielfältigkeit eine Bereicherung ist, ist es selbstverständlich, dass die Dichter, die aus unterschiedlichen Schichten kommen, sich somit viel mehr dem Dialog und dem gegenseitigen Austausch öffnen. Veranstaltungen wie „Slam Kalo“, die von der UNESCO organisiert werden, machen bewusst, dass traditionelle Poesie sowie andere Poesieformen, alle in einer Slam-Szene integriert werden können, um sich dort zu vermischen und zu interagieren.

In Madagaskar beginnt die Geschichte des Poetry Slams im Jahr 2005 mit den ersten Workshops und Slam-Turnieren in der Hauptstadt. Sie haben zur Etablierung einer kleinen Slam-Gemeinschaft beigetragen. Diese Turniere haben manchmal ungeahnte Talente zum Vorschein gebracht. Ebenfalls aus dieser Slam-Gemeinschaft entstand die madagassische Slam-Organisation „Madagaslam“. In Folge vervielfachten sich die Slam-Plattformen auf der gesamten Insel und ein erstes nationales Turnier wurde 2007 durchgeführt. Dieser nationale Slam wurde dreimal hintereinander abgehalten und Madagaskar nahm an den Slam-Weltmeisterschaften in Frankreich von 2007, 2008, 2009 und 2011 teil. 2012 vereinte der Poetry Slam von Tana oder SPIT zehn verschiedene Slam-Gemeinschaften der Hauptstadt. Abgesehen von den Turnieren und den regelmäßigen Veranstaltungen in den Kulturzentren, wie dem Institut francais de Madagascar und dem Goethe-Zentrum Antananarivo, wurden Workshops und Turniere auch in Nichtregierungsinstitutionen organisiert, darunter in Gefängnissen und unter Straßenkindern. In diesem Zusammenhang erreicht die Dichterkunst alle sozialen Schichten und trägt zur Verbreitung der Liebe für diese Kunstform bei. Denn so kann sie bei den Eingeweihten den Wunsch wecken, zu schreiben, andere zu berühren und durch ihre Federn und Stimmen einen Unterschied zu machen.

Während Madagaslam die vierte Ausgabe des nationalen Slam-Turniers für Dezember dieses Jahres plant, lässt sich festhalten, dass der Austausch durch Workshops und Poetry Slam-Turniere viele Talente offenbart, denen so erlaubt wird, sich künstlerisch durch Worte, Reime und Rhetorik auszudrücken. So sind Poetry-Künstler wie Tsiky, Mômô, Tagman, Joey, Bini, System D, Gad und kürzlich auch Monsieur zu bekannten Namen in der Slam-Gemeinde und darüber hinaus geworden. Seitdem ist die Poesie in Madagaskar ein Katalysator für neue Ideen, Werkzeug für Anfänge und Austausch unter Dichtern sowie Instrument für Bildung und Kunsterziehung geworden. Behandelt werden Themen wie aktuelle Nachrichten, Politik, die sozio-ökonomische Situation der Leute und des Landes sowie die Liebe. Die Inhalte werden, natürlich aus der Perspektive eines Dichters, von den Entwicklungen der aktuellen Nachrichten beeinflusst. Häufig versetzen sich die Poetry Slam-Künstler dabei in die Lage eines Beobachters und vermitteln dadurch mit ein wenig Abstand das, worin sich gewöhnliche Leute wiedererkennen können. In Madagaskar handelt die Welt der Poesie von all dem, was das Auge des beobachtenden Dichters streift. Diese Dichterkunst verkörpert somit eine harmonische Schönheit, verbunden mit einer gewissen Sentimentalität. Von dort aus erhält Poesie die Kraft unsere Erinnerung zu speisen.

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Zo Anaëlle

Copyright: Goethe-Institut Südafrika, Juni 2013