In Afrika war ich nie allein

Inhalt

Marie-Thérèse Schins (Text)
Wiebke Oeser (Illustrationen):
In Afrika war ich nie allein
Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 1999
135 S.
ISBN 978-3-423-70786-2
Taschenbuchausgabe:
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003

 

 

Dies ist das erste einer Reihe von Kinderbüchern der Autorin über die Reisen der elfjährigen Doro in andere Länder und Erdteile. Durch die Augen eines kritischen und aufgeweckten Mädchens bekommen die jungen LeserInnen Informationen über das Leben anderswo auf der Welt. Doros Beobachtungen und Kommentare, die unmittelbare Bezüge herstellen zu den Lebenserfahrungen deutscher Kinder, geben Stoff für Diskussionen und Reflektionen über grundsätzliche Fragen aus der Sicht einer Elfjährigen.

Doro lebt zusammen mit ihrem Vater, einem Reisejournalisten, in Hamburg. Ihr bester Freund ist Michel. Michel arbeitet auf Schiffen und stammt aus Togo. Eines Tages lädt er Doro und ihren Vater ein, ihn in Togo und Ghana zu besuchen. Doro ist freudig aufgeregt, fürchtet sich aber auch ein bisschen. Eine Reise in ein fremdes Land mit fremder Kultur beginnt, und Doros anfängliche Skepsis weicht zunehmender Neugier. Vieles, was in Deutschland selbstverständlich ist, hat in Afrika keine Gültigkeit. Doro macht völlig neue Erfahrungen, positive wie negative. Die wichtigste ist, dass sie immer umgeben ist von einer Schar lachender und neugieriger Kinder, sie ist nie allein. Und sie braucht Geduld. Im überfüllten Taxi fährt sie in die Stadt und zum Markt, in den Urwald über die Grenze nach Accra und Kumasi, wo sie an einem Festival teilnimmt. Unterwegs lernt sie mehr und mehr über das Leben in Westafrika.

Zum Schluss bekommt Doro ein Geschenk, einen Zauberstein mit einem Loch, durch das sie glaubt, ganz Afrika zu sehen. "Das hier, unsere Reise, ist nur eines von Afrikas Gesichtern. Mir gefällt es. Und anderen vielleicht auch."

Roman für Kinder ab 8 Jahren

Ingrid Laurien, 2008

    Kommentar

    Marie-Thérèse Schins: In Afrika war ich nie allein

    "In meinem Kopf mache ich mir immer meine eigenen Bilder", sagt Dodo, als sie erfährt, dass man bei dem Kulturfestival in Kumasi ohne Sondererlaubnis nicht fotografieren darf. Dodo sammelt Eindrücke wie Fotos in einem Fotoalbum und kommentiert alles Fremdartige und Befremdliche lakonisch höchstens mit einem "Interessant" oder allenfalls einem skeptischen "Na ja", statt vorschnell zu verurteilen und zu verdammen. Dabei muß Doro viele Ängste überwinden. "Ab und zu ist mir ganz mulmig, wenn ich tausend Sachen erlebe, die total neu und total fremd für mich sind." Schwüle Hitze, viele fremde Menschen, die sie nicht einmal auf dem Klo allein lassen, große Käfer, Ungeziefer und zum Essen eine Soße, aus der eine Hühnerkralle ragt. Dazu museumsreife Taxis, die völlig überladen mit geplatzten Reifen über schlechte Straßen jagen. Aber Dodo lässt sich nicht klein kriegen. Sie begegnet all dem mit Humor und einem gewissen Stoizismus und lernt, dass man sich am allerbesten mit Geduld wappnet: "Abwarten!" und: "Du wirst schon sehen". So lernt sie, warum Michel drei Väter, viele Brüder und "hunderttausend" Cousins hat, sie lernt, dass es eigentlich ganz hygienisch ist, den Strand als ein Klo zu benutzen, und sie ist stolz, wenn sie einer Marktfrau beim Schmuggeln geholfen hat.

    Doro ist fasziniert von der Stadt, dem Markt und den Menschen, die immer lachen. "Ob die Kinder auch mal traurig sind?". Aber sie beobachtet auch, dass die Menschen hart arbeiten müssen. "Ich drücke mich zu Hause schon davor, wenn ich Papa helfen soll, am Freitagnachmittag die Wochenendeinkäufe in den zweiten Stock zu schleppen. Hier tragen Kinder in meinem Alter sogar schon ihre Geschwister auf dem Rücken." Doro bemerkt auch, mit wie wenig man auskommen kann. Die Menschen in Togo und Ghana brauchen nicht viel zum Leben. Sie verteilt kleine Geschenke und macht sich so ihre Gedanken über die Ambivalenz des Schenkens: Ist das nicht auch eine überhebliche Geste?

    Wenn Doro dann am Schluss des Buches wiederholt: "In Afrika war ich nie allein", hat der Satz eine andere Bedeutung bekommen. Sie hat in Afrika Freunde gefunden.

    Es ist die Stärke des Buchs, dass es neben Informationen über das Alltagsleben in Westafrika und den lebendigen, spannenden und auch lustigen Episoden, die Doro zu überstehen hat, viel Stoff zum Nachdenken enthält. Etwa über die anderen Formen von Familie, über Freundschaft und über die unterschiedlichen Zeitvorstellungen. Und was braucht man eigentlich wirklich zum Glücklichsein?

    All das macht "In Afrika war ich nie allein" sehr geeignet als Lektüre für den Schulunterricht an Grundschulen. Kinder ab ca. 8 Jahren können das Buch aber auch ohne erklärende Hilfe von Erwachsenen lesen und verstehen, denn alle unbekannten Dinge, denen Doro begegnet, werden gleich im Text erklärt. Besonders hervorzuheben ist aber, dass das Bild von Afrika, das hier vermittelt wird, weder romantisierend noch exotisierend ist, sondern einfach eine andere Lebensrealität schildert, die ihre positiven, aber auch ihre negativen Seiten hat. Alles in allem ein empfehlenswertes Kinderbuch.

    Ingrid Laurien, 2008

      Links

      Antolin   deutsch

      Fragen und didaktische Anregungen zum Buch ab Klasse 3 (nur mit Anmeldung)

      Deutscher Taschenbuch Verlag   deutsch

      Unterrichtsvorschlag für Klasse 4-6 von Anja Dorst

      Goethe-Institut: Begegnungen - Deutsche Autor(inn)en sehen die Welt   deutsch

      Artikel zu Marie-Thérèse Schins, einschließlich Interview mit der Autorin