Inhalt

Tuso: eine wahre Geschichte aus Afrika
Leipzig: Klett, 2009
91 S.
ISBN 978-3-941411-06-7
Tuso lebt mit seinem großen Bruder Daudi in einem Dorf am Fuße des Kilimandscharo bei seiner Tante. Diese behandelt ihre beiden Neffen sehr schlecht. Also beschließt Daudi eines nachts zusammen mit Tuso in die Stadt abzuhauen. Die beiden machen sich auf den Weg in die nächstgelegene Stadt. Dort stiehlt Tuso, während Daudi die Verkäuferin ablenkt, das erste Mal in seinem Leben Nahrungsmittel: zwei kleine Tüten Erdnüsse. Doch im Menschengewimmel des Busbahnhofs verliert Tuso seinen großen Bruder. Erst vier Jahre alt, muss er nun lernen, auf den Straßen Tansanias allein zu überleben. Er macht in mehreren Städten Halt und schafft es sogar bis nach Nairobi, wo es ihm jedoch nicht gefällt, weil es dort zu viele Straßenkinder gibt. In Daressalam lässt er sich im Supermarkt einsperren: dort wird er "eine Nacht im Paradies verbringen". Aber so allein ist er gar nicht: der Straßenhund Doa wird im Laufe der Geschichte sein treuer Begleiter. Trotz der Schicksalsschläge hat Tuso immer wieder Glück, bis er auf Jutta und "die Sister" trifft, die ein Internat leiten, in dem Tuso schließlich unterkommt und so etwas wie ein neues Zuhause findet.
Empfohlen für Kinder ab sechs Jahren.
Kira Schmidt, 2011
Kommentar
Hanna Schott:
Tuso: eine wahre Geschichte aus Afrika
Die Jugendbiographie des Jungen Tusos könnte man auch in die Kategorie "Kinderreportage" einordnen, denn die Autorin Hanna Schott hat ihn während eines Aufenthalts in Tansania bei Angelika Wohlenberg kennengelernt, über die Hanna Schott bereits zwei Bücher geschrieben hat: Mama Massai und Steppenkinder.
Die ausgebildete Krankenschwester Angelika Wohlenberg, die in dem Kinderbuch Tuso einfach nur "die Sister" genannt wird, ist seit 1997 zusammen mit Jutta Roedig und Elisabeth Merz für den Verein "Hilfe für die Massai" v.a. im Nordmassailand unterwegs und für verschiedene Hilf- und Entwicklungsprojekte tätig. Eines dieser Projekte kümmert sich um die Schulausbildung von Kindern, wie der Leser im Nachwort erfährt. In diesem Zusammenhang hat Hanna Schott Tuso, der ihr seine Geschichte erzählt, kennen gelernt. Deshalb wirkt das Buch sehr authentisch, was noch dadurch verstärkt wird, dass am Ende des Buches ein kurzes Interview veröffentlicht wird, das die Autorin mit Tuso per Email geführt hat. Darin erfahren wir in Tusos eigenen Worten, wie es ihm weiter ergangen ist. Ferner zeigen zwei Fotos wie Tuso aussah, als er ins Internat kam, und wie er heute aussieht.
Hanna Schott gelingt es, das Schicksal eines Straßenjungen in Tansania einfühlsam in ein Kinderbuch umzusetzen, indem sie die Handlung aus der Perspektive des kleinen Protagonisten schildert. Die Illustrationen von Franziska Junge sind sehr farbenfroh und machen den Inhalt des Buches lebensfroher und besser vorstellbar. Besonders schön sind die vielen Details, die Franziska Junge in ihre Bilder einbaut, die eine hübsche Ergänzung zum Text darstellen.
Das Buch ist – neben Nachwort und Interview – in zehn unterschiedlich lange Kapitel untergliedert (leider fehlt ein Inhaltsverzeichnis), die die Lebensgeschichte Tusos chronologisch in Etappen unterteilen. Tusos Geschichte beginnt im Alter von vier Jahren bei seiner Tante am Fuße des Kilimandscharos und endet neun Jahre später mit dem Wiedersehen seines Bruders in seinem "Heimatdorf", als Tuso 13 Jahre alt ist.
Hanna Schott gelingt es, das Schicksal eines Jungen alltagsnah, authentisch und sogar fröhlich zu schildern, ohne auf übliche Afrika-Klischees zurückzugreifen: Tuso ist ein "normaler" Junge in Afrika, den ein für die meisten deutschen Kinder ungewöhnliches Schicksal ereilt. Für den kleinen Leser gibt es einige unterhaltsame Episoden darüber, was das Leben eines tansanischen Jungen von einem Kinderleben in Deutschland unterscheiden mag: In der Stadt angekommen, sieht Tuso in einem Straßenstand einen Kasten: "Wie ist die Frau in den Kasten gekommen? Und wie kommt sie wieder raus? Tuso geht ganz nah heran und starrt die Frau an. Aber das scheint sie nicht zu stören. Sie tanzt einfach weiter, als hätte sie ihn nicht bemerkt. 'Na, Kurzer, noch nie einen Fernseher gesehen'?" Auch Suaheli Wörter werden in den Text eingebaut, die den afrikanischen Kontext unterstreichen: "Wazungu sind Menschen, die eine helle Haut haben. Nicht nur an den Innenflächen der Hände und Füße wie die Afrikaner".
Das komplexe Thema der Kinderarmut wird in einer einfachen Sprache und nicht dramatisierend erzählt und ist somit auch für Kinder verständlich und vielleicht sogar nachvollziehbar. Außerdem trifft Tuso immer wieder auf Menschen, die ihm helfen, wie die Frau im Bus, die ihn als ihren Sohn ausgibt, so dass er kostenlos mitfahren darf. Auch der Hund Doa, der sein ständiger Begleiter wird, vermittelt dem jungen Leser, dass sich auch in Notsituationen ein Freund finden lässt. Dabei ist das Buch spannend erzählt: immer wieder fragt sich der Leser, wie Tuso die schwierigen Situationen als Straßenkind wohl meistern wird.
Auch für Erwachsene ist das Buch lesenswert. Besonders schön ist die Episode, in der dem (erwachsenen) Leser klar wird, wie es dazu kam, dass er Straßenjunge wurde und wie jung er war; als er einem Polizisten seine Lebensgeschichte erzählt, taucht der Name seines Bruders auf, der sehr an Kindersprache erinnert: "'Daudi. Noch so ein Name!' Der Polizist seufzt. 'Das muss doch bestimmt David heißen.'" Die Herkunft seines eigenen Namens erklärt er folgendermaßen: "'Wer hat dich denn Tuso genannt?' ‚Mein Papa. Er war krank. Und von seinem Bett hat er mich immer gerufen: Tuso! Tuso!'" Tuso bedeutete in der Sprache der Lozi 'Hilfe'.
Insgesamt also ein interessantes, empfehlenswertes Buch für kleine und große Leser.
Die ausgebildete Krankenschwester Angelika Wohlenberg, die in dem Kinderbuch Tuso einfach nur "die Sister" genannt wird, ist seit 1997 zusammen mit Jutta Roedig und Elisabeth Merz für den Verein "Hilfe für die Massai" v.a. im Nordmassailand unterwegs und für verschiedene Hilf- und Entwicklungsprojekte tätig. Eines dieser Projekte kümmert sich um die Schulausbildung von Kindern, wie der Leser im Nachwort erfährt. In diesem Zusammenhang hat Hanna Schott Tuso, der ihr seine Geschichte erzählt, kennen gelernt. Deshalb wirkt das Buch sehr authentisch, was noch dadurch verstärkt wird, dass am Ende des Buches ein kurzes Interview veröffentlicht wird, das die Autorin mit Tuso per Email geführt hat. Darin erfahren wir in Tusos eigenen Worten, wie es ihm weiter ergangen ist. Ferner zeigen zwei Fotos wie Tuso aussah, als er ins Internat kam, und wie er heute aussieht.
Hanna Schott gelingt es, das Schicksal eines Straßenjungen in Tansania einfühlsam in ein Kinderbuch umzusetzen, indem sie die Handlung aus der Perspektive des kleinen Protagonisten schildert. Die Illustrationen von Franziska Junge sind sehr farbenfroh und machen den Inhalt des Buches lebensfroher und besser vorstellbar. Besonders schön sind die vielen Details, die Franziska Junge in ihre Bilder einbaut, die eine hübsche Ergänzung zum Text darstellen.
Das Buch ist – neben Nachwort und Interview – in zehn unterschiedlich lange Kapitel untergliedert (leider fehlt ein Inhaltsverzeichnis), die die Lebensgeschichte Tusos chronologisch in Etappen unterteilen. Tusos Geschichte beginnt im Alter von vier Jahren bei seiner Tante am Fuße des Kilimandscharos und endet neun Jahre später mit dem Wiedersehen seines Bruders in seinem "Heimatdorf", als Tuso 13 Jahre alt ist.
Hanna Schott gelingt es, das Schicksal eines Jungen alltagsnah, authentisch und sogar fröhlich zu schildern, ohne auf übliche Afrika-Klischees zurückzugreifen: Tuso ist ein "normaler" Junge in Afrika, den ein für die meisten deutschen Kinder ungewöhnliches Schicksal ereilt. Für den kleinen Leser gibt es einige unterhaltsame Episoden darüber, was das Leben eines tansanischen Jungen von einem Kinderleben in Deutschland unterscheiden mag: In der Stadt angekommen, sieht Tuso in einem Straßenstand einen Kasten: "Wie ist die Frau in den Kasten gekommen? Und wie kommt sie wieder raus? Tuso geht ganz nah heran und starrt die Frau an. Aber das scheint sie nicht zu stören. Sie tanzt einfach weiter, als hätte sie ihn nicht bemerkt. 'Na, Kurzer, noch nie einen Fernseher gesehen'?" Auch Suaheli Wörter werden in den Text eingebaut, die den afrikanischen Kontext unterstreichen: "Wazungu sind Menschen, die eine helle Haut haben. Nicht nur an den Innenflächen der Hände und Füße wie die Afrikaner".
Das komplexe Thema der Kinderarmut wird in einer einfachen Sprache und nicht dramatisierend erzählt und ist somit auch für Kinder verständlich und vielleicht sogar nachvollziehbar. Außerdem trifft Tuso immer wieder auf Menschen, die ihm helfen, wie die Frau im Bus, die ihn als ihren Sohn ausgibt, so dass er kostenlos mitfahren darf. Auch der Hund Doa, der sein ständiger Begleiter wird, vermittelt dem jungen Leser, dass sich auch in Notsituationen ein Freund finden lässt. Dabei ist das Buch spannend erzählt: immer wieder fragt sich der Leser, wie Tuso die schwierigen Situationen als Straßenkind wohl meistern wird.
Auch für Erwachsene ist das Buch lesenswert. Besonders schön ist die Episode, in der dem (erwachsenen) Leser klar wird, wie es dazu kam, dass er Straßenjunge wurde und wie jung er war; als er einem Polizisten seine Lebensgeschichte erzählt, taucht der Name seines Bruders auf, der sehr an Kindersprache erinnert: "'Daudi. Noch so ein Name!' Der Polizist seufzt. 'Das muss doch bestimmt David heißen.'" Die Herkunft seines eigenen Namens erklärt er folgendermaßen: "'Wer hat dich denn Tuso genannt?' ‚Mein Papa. Er war krank. Und von seinem Bett hat er mich immer gerufen: Tuso! Tuso!'" Tuso bedeutete in der Sprache der Lozi 'Hilfe'.
Insgesamt also ein interessantes, empfehlenswertes Buch für kleine und große Leser.
Kira Schmidt, 2011
Links
Literaturhaus Rostock: Lesesaal
Buchtipp von Ariane Bellgardt
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Rezension von Gabi Schulze










