Andrea Jeska

Simbabwe: Agonie oder Aufbruch?

© Brandes & Apsel
© Brandes & Apsel

Simbabwe:
Agonie oder Aufbruch?

Andrea Jeska
Frankfurt/M: Brandes & Apsel, 2013
163 S.
978-3-95558-041-4

Andrea Jeska zieht ein Fazit ihrer Reisen in ein Land, das seit den Vertreibungen weißer Farmer und der Zerstörung seiner Wirtschaftsstruktur nicht mehr aus den Negativ-Schlagzeilen herauskommt. Die Lebensgeschichten, von denen sie berichtet, könnten gegensätzlicher nicht sein. Von den verarmten Menschen im Slum Mzilikazi zum enteigneten, aber noch immer wohlhabenden weißen Farmer Ben Freeth, über den weißen Textilfabrikanten David Lasker, der niemals aufgeben will, zur Aufstiegsgeschichte des schwarzen Neufarmers Herbert Makuwa, von der unerschrockenen Menschenrechtsanwältin Beatrice Mtetwa, dem deutschen Priester Oskar Wermter bis zu Hylton Salomon, einem der letzten Juden in Bulawayo - Simbabwe ist tief gespalten.

In der Nationalgalerie sieht Jeska noch die Bilder von Owen Maseko, der wegen seiner kritischen Kunst verhaftet wurde, und sie trifft auf junge Unternehmer, „kreative Köpfe, junge Wilde, die vom Staat nichts mehr erwarten“. Sie interviewt den alten Gideon, dessen Volk beim Bau des Kariba-Stausees vertrieben wurde, und die Weiße Niki Brown, die in der Opposition für ein besseres Simbabwe kämpft. Und ausgerechnet am Unabhängigkeitstag begegnet Jeska echten „Rhodies“, deren wüste Beschimpfungen der „Kaffern“ sie unerträglich findet: „Bis zu einem Verhältnis beider Rassen in Simbabwe auf Augenhöhe ist es noch ein weiter Weg.“

Die vom Westen erhoffte Erhebung der Simbabwer gegen Mugabe aber blieb aus, im Gegenteil, seit den Wahlen 2013 steigt seine Beliebtheit wieder. So kann sie der Schriftstellerin Doris Lessing nicht zustimmen, für die „die Träume der Schwarzen endgültig perdu“ sind. In Simbabwe, so Jeska, glauben viele, die Zukunft werde erst beginnen.

Insgesamt ein lesenswertes Buch, das einen sehr eigenständigen Blick auf das Land im südlichen Afrika wirft. Biogramme von Robert Mugabe und seinem Gegenspieler Morgan Tsvangirai sowie eine Chronik, ausgewählte Literatur und eine Karte vervollständigen die Informationen.