Barbara Frischmuth

Vergiss Ägypten

Barbara Frischmuth.
Berlin: Aufbau Verlagsgruppe, 2008. 2. Aufl.
ISBN 978-3-351-03227-2

Valerie Kutzer fliegt zum fünften Mal nach Ägypten. Sie will dort ihre Freundin Lamis besuchen und Vorlesungen an der Universität in Kairo halten.

Mit Lamis lernt Valerie Seiten von Ägypten und den Ägyptern kennen, die üblicherweise nicht in Reiseführern beschrieben sind und dadurch meist nicht von Touristen erfahren werden. Valerie möchte nämlich auch auf Spurensuche gehen, den Spuren von Abbas, ihrer Studienliebe, den sie zwar längst aus den Augen, nicht jedoch aus ihrer Erinnerung verloren hat.

So fragt sich Valerie, wie es gewesen wäre, wenn sie an der Seite von Abbas nach Ägypten gekommen wäre. Wenn sie nicht nur als „jemand, der Vorträge über Literatur hält“ ab und zu dorthin reiste, eine Besucherin mit ethnographischem Blick sozusagen, sondern sich wie andere europäische Frauen, deren ganz unterschiedliche Schicksalsgeschichten sie nun hört, dort niedergelassen hätte.

Abbas, den sie in jedem ägyptischen Mann zu sehen sucht, wie auch Lamis, ist Valeries „persönlicher Bezug zum Thema,“ zum „uralten Haus“ Ägypten. Denn die Protagonistin ist überzeugt, dass ein Land nur über seine Menschen begriffen werden kann.

Neben den Menschen Ägyptens möchte Valerie „die Sprache der Bilder, der Schriftzeichen, der Artefakte“ verstehen, ein Text, der sich selbst nur entschlüsselt, wenn man tief genug hinschaut.

Dabei vergleicht Valerie das Ägypten der 70er Jahre mit dem ihrer Beobachtung nach weitaus weniger offenen von heute. Während Museums- und Grabstättenbesuchen taucht sie aber auch in das alte Ägypten ein, das Ägypten der Pharaonen und der vielgestalten, immer in Verwandlung begriffenen Götter, das sich immer wieder in ihre Träume einnistet. „Die Betonung liegt auf Transit.“

Barbara Frischmuth: Vergiss Ägypten. Ein Reiseroman.

Die Wiener Germanistik-Professorin Valerie Kutzer beschäftigt sich nicht nur aus beruflichem Interesse mit der Begegnung zwischen den Kulturen, sondern reist alle Jahre wieder nach Ägypten um nachzudenken. Über Veränderungen, die sich auf gesellschaftlicher Ebene zeigen, aber auch über ihre persönliche Beziehung zu Ägypten und den Ägyptern.Mehr ...