Eberhard Knorr

    Eberhard Knorr: Flucht nach Afrika

    Rezension

    Der Roman des Autors Knorr "Flucht nach Afrika" kann als Infragestellung einer maßlosen materialistischen Welt begriffen werden und infolgedessen als Rehabilitation einer beseelten Welt, in der die spirituelle Dimension des Menschen vorherrscht.
    Die überzogenen sexuellen Wünsche des Psychiaters Kalinaw stellen eine Dimension der materialistischen Welt dar, in der Sex zum Konsumartikel geworden ist. Es ist deshalb kein Zufall, dass Ann Gopal sich von ihrem Ehemann Kalinaw trennt, um sich zu dem Zoologen Orlando zu flüchten. Ann ist auf der Suche nach einem Universum, in dem die natürliche Dimension des Menschen geachtet wird.

    Orlandos Interesse am Primaten Amandus wird rasch mit dem Interesse am Menschen als solchem verglichen. Dies setzt voraus, dass der Lebensraum der Primaten die Tropen sind und der Gorilla ein Vorfahre oder ein entfernter Vetter des Menschen ist. Unter diesen Umständen könnte Afrika als die Wiege der Menschheit angesehen werden. Afrika wäre in diesem Fall das wahre natürliche Milieu des Primaten Amandus.

    Orlandos und Anns Reise nach Afrika steht unter dem Zeichen einer tiefgründigen Suche nach der Natur. Der Zoologe Orlando möchte gern den Gorilla Amandus in sein natürliches Milieu zurückbringen, wohingegen Ann die wahre Liebe sucht. Die Beziehung zwischen Orlando und dem Primaten Amandus gleicht der einer Beziehung von Mensch zu Mensch, denn Orlando beklagt sich darüber, dass er die Reise nach Afrika ohne das Einverständnis des Primaten unternimmt. Im Gegensatz zur Reise dieser Hauptpersonen verfolgt die Reise, die Kalinaw und Timo Hook unternehmen werden, offensichtlich nur materialistische Absichten. Hier besteht ein starkes Bedürfnis, ausschließlich egoistische Gelüste zu befriedigen. Kalinaw will Ann wieder finden, aber er weiß auch, dass sein Gefährte Timo sich ebenfalls in sie verliebt hat. Dennoch kann man festhalten, dass die Reise nach Afrika für beide Gruppen exotisch geprägt ist.

    Der plötzliche Tod des Primaten Amandus erscheint als eine ernstzunehmende Warnung vor der Allmacht der Wissenschaft. Insofern ist Amandus Verschwinden auch ein Aufruf zur spirituellen Wiedergeburt einer Welt, die die Natur achtet und um ihren Schutz bemüht ist. Beide Reisegruppen werden hier gewarnt. Afrika, die Wiege der Menschheit, in der der Primat Amandus zu Tode kommt, kann so als eine Mutter erkannt werden, die ihre Kinder in die Verantwortung überführt, denn der Verlust Amandus' gleicht dem Verlust des ursprünglichen Menschengeschlechts. Amandus' Tod ist die Konsequenz des materialistischen Abweichens, welches der Westen verkörpert (symbolisiert durch die zwei Reisegruppen). Die "Flucht nach Afrika" bedeutet die Infragestellung der materialistischen Welt, die aus dem Menschen eine Riesenmaschine der Leistung und der Leistungsfähigkeit macht und damit die Rehabilitation einer pantheistischen Welt, die den Respekt vor kulturellen Wesenheiten und Unterschieden achtet.

    Alioune Sow