Christoph Meckel

Dunkler Weltteil
Erinnerung an afrikanische Zeit

Christoph Meckel
Lengwil: Libelle, 2012
106 S.
ISBN 978-3905707519

Es sind poetische Notizen, mit denen sich der Dichter und Grafiker Christoph Meckel an seine Afrikareisen Mitte der 60er Jahre erinnert, und es ist vor allem eine Hommage an den 2011 verstorbenen Ulli Beier, der die komplexe und bildstarke Yoruba-Kultur schon als großes Kulturerbe erkannte, als sich in Deutschland das Wissen über Afrika noch auf Albert Schweitzer und einige Urwaldklischees beschränkte. Beier war ein Mentor des jungen Meckel, der als „Straßenläufer“ mit dem Rucksack durch Nigeria zog, und wurde ein lebenslanger Freund. So reiht sich der Band „Dunkler Weltteil“ ein in andere Erinnerungsbände Meckels.

Das Afrika, in dem Meckel reiste, ist heute verloren. Es war „eine Zeit des Atemholens, die neuen Staaten waren wenige Jahre alt, von Korruption, Rassenhass und Verelendung vieler Art noch nicht entstellt.“ Gefahrlos lässt sich der junge Dichter treiben: nach Kano und Ibadan, Lagos und Oshogbo, Dakar und Gorée. Überall herrscht eine überbordende Kreativität, die Schreine der alten Götter sind noch intakt, die Paläste, in denen die traditionellen Könige wohnen, kaum verfallen.

Meckel beobachtet Alltagszenen und trifft die großen Künstler dieses ersten afrikanischen Aufbruchs: Amos Tutuola, Christofer Okigbo, Chinua Achebe und Wole Soyinka. In Dakar nimmt er an Leopold Senghors großem „Festival des Arts Nègres“ teil. „Tanzen und Trommeln nächtelang, wochenlang trieb Dakar in durchlichteten Schleiern von Sand.“ Es ist der Höhepunkt, und, wie Meckel melancholisch bemerkt, bereits der Abstieg der Négritude. Hier trifft er Léon Damas und Aimé Cesaire und einige westliche Besucher: Carl Orff, Ilse Aichinger und Günter Eich.

Wenige Jahre später beginnt der Biafra-Krieg und zerstört alles: Die Paläste, die Kunst, das Leben der Könige, Maler, Bildhauer, Dichter und eine globale Kunstepoche, über die wir in Deutschland viel zu wenig wissen. Meckels Buch endet mit dem Abdruck seines Gedichts „Die Savannen“.

Zehn Radierungen ergänzen den Text und machen deutlich, wie stark der Autor auch in seinem grafischen Werk von den Eindrücken seiner Afrikareisen beeinflusst wurde.

    Christoph Meckel: Dunkler Weltteil

    „Ich lag wachgeworden in lastender Hitze, in vollkommener Stille und horchte, ob Geräusche – ein Geräusch oder viele – mir erzählen könnten, wo ich in der Nacht angekommen war“. Aber die Geräusche bleiben fremd.Mehr ...