Martin Horváth: Mohr im Hemd

Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

Martin Horváth
München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
345 S.
ISBN: 978-3-421-04547-8
Ali Idaulambo ist ein hochbegabter fünfzehnjähriger westafrikanischer Flüchtling, der als Asylbewerber in einem Heim in Wien lebt. Er ist kein durchschnittlicher Flüchtling. Er spricht flüssig Deutsch und beherrscht darüber hinaus vierzig andere Sprachen und Dialekte, die von den hundertdreißig Asylbewerbern und fünfundzwanzig Betreuern des Heims gesprochen werden. Außerdem verfügt er über einen für sein Alter erstaunlichen Wissens- und Erfahrungsschatz. Zusammen mit zwölf anderen „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“ (kurz UMF genannt) wohnt Ali im vierten Stockwerk des Heims, getrennt von den Erwachsenen, die in der zweiten und dritten Etage untergebracht sind.

Das elendige, erbärmliche Leben im Flüchtlingsheim ist monoton, gekennzeichnet durch langes, meist vergebliches Warten auf die Genehmigung des Asylantrags. Ali entgeht der Langeweile, indem er sich von den aus Afrika, Osteuropa, dem mittleren Osten und Asien stammenden Mitbewohnern ihre meist traurigen Lebensgeschichten erzählen lässt. Diese gibt er wiederum bei den regelmäßigen Erzählstunden mit der ‚schwarzen Köchin‘ Pitra weiter. Durch sein Zuhören trägt er dazu bei, dass die Mitbewohner ihre traumatische Vergangenheit verarbeiten, denn - wie Ali meint: „Jeder von euch hat viel Trauriges erlebt, aber es nützt nichts, das Erlebte zu verschweigen. Ihr müsst darüber reden, müsst es loswerden, sonst bleibt es für immer in euch gefangen.“ Durch Alis Erzählungen werden die unterschiedlichen Asylbewerber vorgestellt, und die Gründe, die sie zur Flucht aus ihren jeweiligen Heimatländern getrieben haben – Krieg, Ausbeutung, Zwangsprostitution, Verfolgung - werden erfahrbar.

Ali hält seinen Mitmenschen auf humoristische Art den Spiegel vor und versucht, gegen Vorurteile gegenüber Ausländern anzukämpfen. Doch gelingt es ihm nicht, seinem eigenen Trauma zu entkommen.

    Martin Horváth: Mohr im Hemd

    Für seinen Roman hat sich Martin Horváth einen seltenen Erzähler ausgesucht: ein allwissender, allsehender Ich-Erzähler namens Ali Idaulambo, der aus einem westafrikanischen Land stammt. Er zieht wirklich aus, die Welt zu retten – die Miniaturwelt des Asylantenwohnheims. Diese hat jedoch viele Parallelen zur „Außenwelt“, der österreichischen Gesellschaft.Mehr ...