Hamann, Christof

Usambara

Christof Hamann
Göttingen: Steidl, 2007
259 S.
ISBN 978-3-86521-557-4

Fritz Binder, ein Postbote aus Solingen, ist fasziniert von einer Familiengeschichte, nach der sein Urgroßvater, der langbeinige Gärtnerssohn Leonhard Hagenbuch, 1898 nicht nur als Botaniker an der Erstbesteigung des Kilimandscharo unter Leitung des Afrikaforschers Hans Meyer teilgenommen hat, sondern auch als der eigentliche Entdecker des Usambara-Veilchen anzusehen ist. Das Veilchen ging jedoch im Araberaufstand verloren, und seither gilt der Kolonialist Walter von St. Paul-Illaire als sein Entdecker. Als Binders Mutter in einem Solinger Altenstift stirbt, beginnt Fritz nicht nur eine Liebesgeschichte mit der Pflegerin Camilla Becker, einer Freizeitboxerin, sondern erbt auch Hagenbuchs Papiere und eine Geldsumme, die es ihm ermöglicht, zusammen mit seinem Jugendfreund Michael zum Kilimandscharo aufzubrechen: beide wollen am "Kilimandscharo Benefiz Run 2006" zugunsten der schmelzenden Gletscher des Berges teilnehmen.

Michael muss wegen einer Verletzung im letzten Moment zu Hause bleiben, aber Fritz, mit seinem "restless legs syndrom" geradezu prädestiniert für einen Marathon, macht sich auf eine Reise, die das urgroßväterliche Abenteuer mit allen Strapazen in ihm lebendig werden lässt. Es wird ein Trip bis zu den eigenen physischen Grenzen. Zunehmend verschmilzt der Ich-Erzähler in seinen wirren Assoziationen mit Hagenbuch; aber auch nach der Entzifferung der urgroßväterlichen Briefe bleibt unklar, ob Leonhard Hagenbuch einst tatsächlich an der abenteuerlichen Expedition teilnahm oder alles bloß erfunden ist. Am Ende muss Fritz Binder wegen Höhenkrankheit aufgeben und wird, im Delirium seiner Fieberphantasien, achtundsiebzigster des Kilimandscharo-Marathons, einer grotesken Extremsport-Massenveranstaltung in einer Welt, in der es keine weißen, unentdeckten Flecken gibt.

    Christof Hamann: Usambara

    Der Ich-Erzähler dieses Romans ist kein Held. Er hat es nur zum Briefträger gebracht und erzählt seine Geschichte in einem flapsigen, selbstironischen Ton.Mehr ...