Thomas von Steinaecker

Schutzgebiet

Thomas von Steinaecker
Frankfurt am Main: Frankfurter Verlagsanstalt, 2009
380 S.
ISBN 978-3-627-00160-5
Taschenbuchausgabe: btb Verlag, 2011

Es ist das Jahr 1913. Henry Peters, junger Deutschamerikaner, entflieht dem Wunsch seiner Eltern, in Berlin die Außenstelle des väterlichen Immobiliengeschäfts zu übernehmen, zusammen mit seiner Braut und dem Architekten Gustav Selwin nach Afrika. Er will dort als Assistent Selwins in der deutschen Kolonie Tola beim Aufbau der Siedlung Benesi mitarbeiten. Das Schiff jedoch sinkt vor der Küste Tolas und Henry überlebt als einziger Passagier. In Benesi angekommen, nimmt Henry die Identität Selwins an und entwirft großartige Pläne für die künftige Stadt. Bisher handelt es sich hier lediglich um eine alte Festung, bewohnt von einer Handvoll Deutscher, die mit Krediten der Bremer Kolonialgesellschaft und mit Hilfe einiger Dutzend schwarzer Arbeiter mitten im Urwald einen deutschen Tannenforst angelegt haben und nun von einer großartigen Zukunft ihres Benesi träumen.

Da ist der Verwalter Ludwig Gerber, gescheiterter Sohn eines Holzindustriellen im Bayerischen Wald, der sein Glück in den Kolonien versucht. Ferner dessen Schwester Käthe, deren Ehe in Deutschland zu Bruch ging, und die ihrem Bruder nach Tola gefolgt ist. Der Offizier Schirach befehligt eine kleine militärische Schutztruppe, die bis auf einen Gefreiten ausschließlich aus schwarzen Soldaten besteht. Dr. Lautenschlager, ein Forschungsreisender, hält sich zeitweise in Benesi auf, bricht aber später zu einer weiteren Reise auf, die er nicht überleben wird. Doktor Brückner, der drogensüchtige Arzt, stirbt ebenfalls - an einer Überdosis. Und mit dem Projekt Benesi will es überhaupt nicht recht klappen. Der Ort wird von der Tolaer Kolonialverwaltung boykottiert. Die heiß erwarteten Siedler aus Deutschland lassen auf sich warten. Dies alles zehrt an den Nerven der kleinen Gesellschaft. Als gegen Ende des Romans schließlich ein Schiff voller Auswanderer aus Deutschland eintrifft und es schon so aussieht, als sollte doch alles noch gut werden, gehen der Wald und das gerade erst entstandene Städtchen durch einen Großbrand in Flammen auf. Und kurz danach – inzwischen ist der Weltkrieg ausgebrochen – erledigt eine französische Militäreinheit den Rest.

    Thomas von Steinaecker: Schutzgebiet

    Das alles kann ja nur schiefgehen. Der Weltkrieg steht 1913 bereits vor der Tür. Der Leser weiß von Anfang der Geschichte an, dass es für das deutschen Koloniestädtchen Benesi sowieso keine Zukunft geben wird.Mehr ...