Denn wir sind anders - Die Geschichte des Felix S.

Inhalt

Jana Simon:
Denn wir sind anders -
Die Geschichte des Felix S.
Berlin: Rowohlt, 2002
240 S.
ISBN 3-87134-439-7
Taschenbuchausgabe: Rowohlt Taschenbuch, 2003

In ihrem Buch "Denn wir sind anders" erzählt Jana Simon die Geschichte von Felix S., der zur Generation der Wendekinder gehört und daran zerbricht. Felix S. führt ein richtiggehendes Doppelleben – auf der einen Seite überzeugter Hooligan; auf der anderen Seite der Intellektuelle, der Psychologie studieren will und mit seinen Großeltern über Apartheid diskutiert.

Der 1970 in Ostberlin geborene Felix ist als Farbiger in der DDR von Beginn an ein Außenseiter. Der kleine, schmale Junge wird häufig von anderen Kindern verprügelt. Mit 13 lernt er Karate und trainiert wie besessen, um nie mehr wehrlos zu sein. Nach dem Mauerfall wird Felix deutscher Kickboxmeister. Er verdient sein Geld als Türsteher und gerät in die Drogenszene. Obwohl er mit den Hooligans herumzieht und sich an Schlägereien beteiligt, liebt er die Musik von Bach, liest Erich Fried und meditiert täglich mehrere Stunden.

Im November 1999 wird Felix verhaftet. In einem Aufsehen erregenden Prozess wird er im August 2000 wegen Rauschgifthandels zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richterspruch ist unangemessen streng, da er auf das Ostberliner "Hooligan-Kartell" als solches abzielt. Im Gefängnis nimmt sich Felix kurz danach das Leben.

    Kommentar

    Jana Simon:
    Denn wir sind anders - Die Geschichte des Felix S.

    Der Journalistin Jana Simon, die in diesem ihrem ersten Buch die traurige Geschichte von Felix' Leben erzählt, das einen so unschönen Verlauf nahm und nach nur 30 Jahren jäh endete, gelingt es gut, diese gespaltene Persönlichkeit darzustellen und die Untiefen seines Wesens glaubhaft auszuloten. Sie weiß, wovon sie spricht: Jana Simon war Felix' erste große Liebe, sie kannte ihn seit seinem 16. Lebensjahr und traf ihn - trotz evidenten Auseinanderlebens - über die Jahre hinweg immer wieder. So kam und blieb sie ihm immer nah und konnte mitverfolgen, wie es so weit kommen konnte mit ihrem Freund, der es als Farbiger schon zu DDR-Zeiten schwer hatte und der sich nach dem Mauerfall seiner Identität beraubt und um seine Vergangenheit betrogen sah. Ihr Bericht ist das nachdenkliche, sensible und äußerst packende Porträt eines Getriebenen, das auch davon handelt, was Entwurzelung und das Gefühl des Andersseins mit einem anstellen können.
    Christoph Nettersheim

    Links

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    Inhaltsbeschreibung, Leseprobe und Kommentar

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    Kommentierte Rezensionen aus diversen Zeitungen

    Spiegel Wissen   deutsch

    Kommentar von Eva-Maria Schnurr, 29.04.2002