Inhalt
Ich kehre zurück nach Afrika
München: Knaur, 1998
460 S.
ISBN 3-426-66031-8
(Taschenbuch-Originalausgabe)
Die 20-jährige Deutsche Henrietta ist in David, den Sohn eines afrikanischen Diplomaten, verliebt. Um diese Verbindung zwischen dem jungen Afrikaner und ihrer Tochter zu verhindern, schicken Henriettas Eltern sie zu ihrem Onkel Hans nach Südafrika. Für Henriettas Eltern ist dieser Aufenthalt in Südafrika als Strafe gedacht, der sie wieder zur "Vernunft" bringen soll. Für Henrietta dagegen bedeutet er die Erfüllung ihres Traums: die Rückkehr in ihr geliebtes Afrika, denn sie wurde auf einer afrikanischen Insel geboren.
Doch der afrikanische Traum wird sich immer mehr in einen Albtraum verwandeln. Sie entdeckt nicht das Afrika ihrer Träume, sondern ein rassistisches Afrika, in dem das System der Apartheid die weißen und die schwarzen Südafrikaner soweit verändert, dass einer des andern Wolf ist. Gleich bei ihrer Ankunft in Südafrika fühlt sich die junge Frau durch die große Ungerechtigkeit herausgefordert, die Millionen von Schwarzen erdulden müssen. Schnell wird sie sich darüber klar, wie bedrohlich und allgegenwärtig das System der Apartheid ist, das seine Fangarme überallhin ausstreckt.
Trotzdem weigert sich Henrietta, sich zu kompromittieren und sich so zu verhalten wie alle andern Weißen. Sie wird sowohl von ihren nahen Verwandten (Gertrude, Carla…) als auch vom südafrikanischen Polizeistaat verfolgt, die sie verdächtigen, mit einem "Terroristen" des ANC namens Cuba Mkize gemeinsame Sache zu machen. Nachdem sie acht Jahre in Südafrika verbracht hat, gelingt es ihr mit knapper Not durch die Maschen des südafrikanischen Polizeinetzes zu schlüpfen und wieder nach Genf zu gelangen. Ihr Ehemann Ian verlässt ebenfalls heimlich Südafrika und trifft sie dort wieder.
Kommentar
Stefanie Gercke: Ich kehre zurück nach Afrika
Dieser Roman stellt eine südafrikanische Gemeinschaft dar, die das Apartheid-System zu billigen scheint. Dies System macht es der deutschen Einwanderin Henrietta schwer, sich zurechtzufinden. Die Apartheid erscheint im Text von Stefanie Gercke als System der Entpersonalisierung, in dem der Einzelne seine Identität verliert, um auf seine Rassenzugehörigkeit reduziert zu werden. Alle, die es wie Henrietta ablehnen, sich diesem System anzupassen, werden von diesem zerstört oder ausgeschlossen. Der Roman darf jedoch nicht als ein dualistisches Bild der südafrikanischen Gesellschaft angesehen werden, denn er enthält ebenso eine unbestechliche Kritik der schwarzen als auch der weißen Gemeinschaft. Dennoch hat der Roman von Stefanie Gercke das Verdienst, die Abnormität einer Regierung darzustellen, die nur von wenigen Europäern kritisiert wurde. Es wäre interessant, einen Vergleich folgender Romane vorzunehmen, die je auf ihre Weise die Situation in Südafrika beschreiben: "Cry the beloved country" von A. Steward Paton, "Eine weiße heiße Jahreszeit" von André Brink, "Einen Schritt vor, drei Schritte zurück" von Kateb Yacine und "Ich kehre zurück nach Afrika" von Stefanie Gercke. Im Klartext geht es darum, die verschiedenen Schilderungen der südafrikanischen Gesellschaft miteinander zu vergleichen, um die Komplexität dieser Gesellschaft zu erkennen.










