Projekte des Goethe-Instituts zum Thema Oralität

Hier informieren wir über Projekte, die die Goethe-Institute in Subsahara-Afrika im Themenfeld „Oralität“ durchführen.

Going Kompyuta: Kamerun

© Goethe-Institut Côte d'Ivoire
Die Anpassung von Computersprachen an lokale kamerunische Sprachen – das ist das Ziel von Trainings- und Produktionsworkshops, die seit zwei Jahren am Goethe-Institut Kamerun durchgeführt werden.

Um “Zah'nan cee be ne”, “yi ran ni a”, “Un wi“, “ǒ tí a” etc. („Guten Tag“ in der jeweiligen lokalen Sprache) korrekt schreiben zu können, wurde im Jahr 2010 das Projekt Going Kompyuta zur Verbreitung kamerunischer Sprachen mittels Informations- und Kommunikationstechnik und frei zugänglicher Open-Source-Software ins Leben gerufen. Langfristig sollen im Rahmen dieses Projektes für die über 200 lokalen Sprachen vier Ziele erreicht werden: die Definition von regionalen Parametern für die einzelnen Sprachen, die Entwicklung von kamerunischen Tastaturlayouts, die Übersetzung diverser Software-Programme in kamerunische Sprachen sowie die Erstellung von digitalen Wörterbüchern für diverse Rechtschreibprogramme.

Alle zwei Monate samstags treffen sich im Goethe-Institut in Yaoundé zirka dreißig Personen, die sich mit ungefähr einem Dutzend kamerunischer Sprachen befassen. Derzeit werden unter anderem folgende Sprachen digital kodiert: Akoose, Bafia, Basaa, Douala, Ewondo, Fe’fe, Ghomala’, Kwasio, Moundang, Ngomba, Yangben… Es handelt sich um Sprachen der zehn Regionen des Landes: Adamaoua, Centre (Zentrum), Est (Osten), Extrême-Nord, (Hoher Norden), Littoral, Norden, Nord-Ouest (Nordwesten), Ouest (Westen), Sud (Süden), Sud-Ouest (Südwesten). Die freiwilligen Mitarbeiter des Projekts Going Kompyuta haben zunächst Recherchen in den traditionellen Sprachgebieten durchgeführt, um das genaue Alphabet in ihrer Sprache wiederzufinden und somit ihre regionalen Parameter online auf Afrigen zu definieren. Anschließend konzentrierte sich die Arbeit auf die Vereinheitlichung der Tastaturlayouts.

Kamerunische Tastatur und kamerunische Wikipedia

In dieser Phase wurden Experten von SIL International (Summer Institute of Linguistics) in das Projekt Going Kompyuta eingebunden. Jeder Teilnehmer hatte die Aufgabe, mit Hilfe einer französischen oder englischen Mustertastatur die Buchstaben seiner Muttersprache in das entsprechende Kästchen der Tastatur zu platzieren. Nach der individuellen Phase wurde in der allgemeinen Phase sichergestellt, dass keine Buchstaben, Akzente und Satzzeichen der Sprache vergessen wurden. Die Buchstaben des Alphabets wurden dann in numerischer Abfolge in die Tastaturen vom Typ AZERTY (französische Tastatur) und QWERTY (Englisch) integriert.

Die Tastaturen der Computer fr_CM (Französisch-Kamerunisch) und en_CM (Englisch-Kamerunisch) wurden an Unternehmen geschickt, die auf Validierung und Herstellung spezialisiert sind. Die physischen kamerunischen Tastaturen werden in Kürze auf dem kamerunischen Markt erhältlich sein. Dank dieser Tastaturen wird es nicht mehr notwendig sein, eine spezielle Software zu installieren, um auf einem Computer in der eigenen Muttersprache schreiben zu können.

Darüber hinaus ermöglichte die vereinheitlichte Tastatur den freiwilligen Mitarbeitern, mit der Erstellung von Wikipedias in den unterschiedlichen lokalen Sprachen zu beginnen. Derzeit werden Artikel aus diversen Bereichen verfasst. Homepages wurden bereits erstellt. Ein Ziel des Projekts ist das Schließen der Informationslücke durch Lokalisierung - aus gutem Grund: Informationen zum kulturellen Erbe Kameruns, die man mit den Suchmaschinen findet, sind in westlichen Sprachen verfasst (überwiegend Französisch und Englisch). Wikipedia-Projekte in den verschiedenen lokalen Sprachen werden die Möglichkeit bieten, die Geschichte Kameruns in schriftlicher Form festzuhalten, anstelle sie, wie bisher der Fall, ausschließlich mündlich zu überliefern.

Die technische Zukunft der kamerunischen Sprachen

Die Reaktionen sind eindeutig: „Das ist phantastisch! Ich hatte keine Ahnung, dass man die Sprachen unseres Dorfes im Internet verwenden kann“, meint Student Francis T. Für diejenigen, die ihre Muttersprache einigermaßen beherrschen, ist Going Kompyuta ein Geschenk des Himmels, denn „man lernt mit diesem Projekt nicht nur unsere Sprachen zu schreiben, sondern man lernt auch unsere Traditionen und unsere Geschichte kennen“, so Marie G., Geschäftsführerin eines Restaurants im Stadtzentrum von Yaoundé.

Mittlerweile wurden für die zwölf Pilot-Sprachen die beiden großen Ziele von Going Kompyuta fast erreicht. Die meisten freiwilligen Mitarbeiter warten auf das Eintreffen der kamerunischen Tastaturen, um mit der Übersetzung der Softwareprogramme beginnen zu können. Andere wiederum haben mit der Übersetzung von Lernsoftware begonnen, die für das Unterrichten dieser Sprachen im Rahmen des herkömmlichen Bildungssystems verwendet werden soll.

Das Erstellen von digitalen Wörterbüchern ist sowohl in intellektueller als auch in finanzieller Hinsicht außerordentlich aufwändig. Aus diesem Grunde werden in diesem Bereich geringere Fortschritte erreicht als bei den anderen Zielen. Weniger komplex scheint die Digitalisierung von Wörterbüchern bei Sprachen wie z. B. Mundang, Basaa und Douala zu sein, für die bereits Wörterbücher sowie diverse Publikationen existieren. Zur Durchführung weiterer Projekte für die Verbreitung dieser Sprachen werden diverse technische Hilfsmittel benötigt, insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung von Wörterbüchern und die Übersetzung von Software zum Erlernen der Sprache.

Im zweiten Jahr wurde Going Kompyuta auf Douala und Buéa ausgedehnt; in diesen beiden Städten finden nun – alternierend mit Yaoundé – ebenfalls Workshops statt. Darüber hinaus bestehen Planungen, Going Kompyuta auf den nördlichen Teil des Landes auszudehnen, insbesondere nach Maroua im Hohen Norden. Ziel ist es, möglichst vielen der ca. 200 kamerunischen Sprachen eine Weiterentwicklung mit Hilfe von Informationstechnologie zu ermöglichen. Inzwischen sind in verschiedenen Landesteilen mehrere Sprachkommissionen entstanden, die sich um die lokalen Sprachen bemühen – und es besteht Hoffnung, dass diese zusammenarbeiten mit dem Dutzend, das an Going Kompyuta geglaubt hat.
Dorothée Danedjo Fouba, 2012

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