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Max Hollein |
Daniela Gregori: Ein aufgeheizter Markt, wahnwitzige Preise, immer jünger werdende Talente, was unterscheidet den momentanen Kunstmarktboom eigentlich vom dem der achtziger Jahre?
Max Hollein: Es gibt kaum Unterschiede. Es ist dasselbe Symptom, dasselbe System und es sind die selben medialen Reaktionen. Liest man in Artikeln aus dieser Zeit nach, stößt man auf nahezu die gleichen Aussagen über diesen enormen Hype, das große Käuferinteresse, wie auch den Vorwurf, dass Kunst zur Ware verkommt. Nebenbei bemerkt sind dies auch eben jene Reaktionen, die es bereits auf den Boom der sechziger Jahre gab. Der große Unterschied ist, dass heute die Preise nochmals höher sind.
Zwei Faktoren sind für solch einen Boom wichtig: Hohe liquide Mittel der bereits existierenden Marktteilnehmer und eine Gruppe von Interessierten, die für eine zusätzliche Nachfrage sorgt. Hohe Liquidität und große Nachfrage durch eine neue Sammlerschaft sind momentan in Asien, Russland und Indien spürbar. Ansonsten greift hier derselbe Mechanismus wie die beiden Male zuvor, es ist die junge aktuelle Kunst, hauptsächlich die Malerei, die diesen Hype erfährt.
Wie sehr beeinflussen Ausstellungsbeteiligungen eines Künstlers dessen Marktpräsenz?
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Schirn KunsthalleFrankfurt |
Liegt es daran, dass es schick geworden ist zu sammeln?
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Sotheby's Auktion |
Kommt diese Salonfähigkeit nicht eher einer Nivellierung auf der Ebene von Design, Innenausstattung, Lebensstil gleich?
Ja, nur ist die Frage, wer das Zielpublikum ist. Es mag sein, dass für diese Leute ein Artikel in einem Hochglanzmagazin die Entscheidungshilfe dafür bietet, ob man sich nun ein Möbel kauft oder ein Kunstwerk. Es verstehen immer mehr Leute als ein Statement zur eigenen Lebenskultur, lieber die Zeichnung eines jungen Künstlers an die Wand zu hängen als einen Druck von van Gogh. Mag sein, dass dies ein oberflächlicher Zugang ist, doch es schafft im allgemeinen einen guten Resonanzkörper für die zeitgenössische Kunst. Und ein aktiver Kunstmarkt ist trotz seiner Fallstricke und Problematiken ein guter Nährboden für das allgemeine Rezeptionsverhalten von Zeitgenössischem.
Welche Rolle spielt hierbei die Kunstkritik?
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Buchcover |
Wie endet ein Kunstmarkt-Boom?
Ein Kunstmarktboom ist ja immer die Folge von etwas. Diesmal sind es eine gute Konjunktur und eine nochmals verstärkt globalisierte Wirtschaft, die eine hohe Liquidität und eine gesteigerte Nachfrage an Luxusgütern schaffen. Wenn diese Konjunktur einbricht, werden die Gelder noch kurz in nicht so inflationsanfällige Waren investiert. Es dauert dann noch zirka ein Jahr, bis auch der Kunstmarkt einbricht. Es ist dies alles ganz simpel.
| Sein Studium der Kunstgeschichte und der Betriebswirtschaft in Wien hat Max Hollein mit einer Arbeit über Aktuelle Vertriebsformen im Handel mit zeitgenössischer bildender Kunst abgeschlossen, danach war er fünf Jahre lang im New Yorker Guggenheim Museum tätig. Seit 2001 ist er Direktor der Schirn Kunsthalle und seit 2006 zudem des Städelmuseums und der Skulpturensammlung im Liebighaus in Frankfurt am Main. Als Kurator zeichnete Hollein im Jahr 2000 für den amerikanischen Beitrag der Architekturbiennale von Venedig verantwortlich, 2005 für den österreichischen Pavillon der dortigen Kunstbiennale. Sein Buch über den Kunstmarktboom der achtziger Jahre ist 1999 erschienen.
Max Hollein: Zeitgenössische Kunst und der Kunstmarktboom; Böhlau Verlag, Wien, 1999, ISBN: 978-3-205-99133-5 |
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Mai 2007