Andreas Beitin

Kuratorisches Statement

In einer zunehmend komplexer werdenden Welt mit ihren ebenso komplexen sozialen, politischen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen und Problemlagen kann es nicht mehr das Ziel von Kulturinstitutionen der Gegenwartskunst sein, sich (allein) als ein Forum für die Präsentation von ästhetischen und kontemplativen Dingen oder für die Verhandlung von kunstimmanenten Fragestellungen zu verstehen. Sie sollten sich vielmehr als zeitgemäße Diskursplattformen für die künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen oder prekären Situationen im Zeitalter der Globalisierung identifizieren. Den aktuellen Herausforderungen mit zeitgenössischer Kunst und ihren Untersuchungen, Angeboten an Erkenntnis und Bewusstseinsschärfung zu begegnen, ist ein Ziel meiner kuratorischen Praxis.

Die Veränderungen der sich weiter globalisierenden Welt erfordern neue Perspektiven und Herangehensweisen nicht nur an die Kunst selbst, sondern auch an die Formen ihrer Präsentation und Kommunikation. Im Rahmen zahlreicher Ausstellungen habe ich mich in den letzten Jahren unter anderem mit Themen wie dem globalen Aktivismus, atomarer Bedrohung, Celebrity-Kulturen, sozialer Ungleichheit, Partizipation und Performativität auseinandergesetzt. Eine Ausstellung stellt für mich in diesem Zusammenhang ein Dialogangebot dar, bei dem sich Künstler, Institution und Öffentlichkeit begegnen und – falls möglich – austauschen können. Das Format Ausstellung ist eine zeitlich begrenzte Präsentation der intellektuellen Anstrengungen vieler Beteiligter, um im weitesten Sinne die Welt mit ihren vielen Wirklichkeiten besser verstehen zu können oder Fragen zu stellen, ohne gleich auch die Antwort dazu zu liefern. Eine herausragende künstlerische Qualität der vertretenden Positionen ist für meine Ausstellungen dabei genauso wichtig wie ein Relikt an Rätselhaftigkeit und Unverständnis, an dem man sich reiben und abarbeiten kann. Mich interessieren vor allem künstlerische Positionen, die eine große Komplexität bereithalten. Die Kunst sollte auf den ersten Blick von einer im weitesten Sinn ästhetisch-provokanten Attraktivität geprägt und darüber hinaus von zahlreichen tieferführenden Schichten unterfüttert sein.

Ein Ziel der Ausstellungen ist es, die Definition von dem, was Kultur ist oder sein kann permanent zu überprüfen und die Grenzbereiche zur Wissenschaft, zur darstellenden Kunst oder zum Design auszuleuchten. Kunst und mithin Ausstellungen sollten auch heute noch gesellschaftlichen Sprengstoff bereit halten, um bestehende Denk- und Bewusstseinsmuster aufzubrechen und Veränderungen zu ermöglichen. Theoretisches und praktisches Arbeiten sollten schließlich eine weitgehende Autonomie im Denken fördern.

Juli 2014

Andreas Beitin

Andreas Beitin
Andreas Beitin
Direktor | Ludwig Forum | Aachen

Schlagworte
Gegenwartskunst
Medienkunst
Lichtkunst
Installation
Performance
Kulturwissenschaft
Kunst im öffentlichen Raum
Kunst am Bau
Partizipation

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