Sønke Gau

Kuratorisches Statement

THE MENTAL COMMA INSTEAD OF THE FULL STOP

Die Shedhalle besetzt eine Nische zwischen anderen Institutionsformen. Sie ist weder Galerie, noch Museum, noch Off-Space. Dieses „Dazwischen" ist eine Chance, die eine vielseitige Ausstellungspraxis erlaubt und auch zu dieser verpflichtet. Das Ausstellungsmachen verstehen wir in diesem Zusammenhang als Dispositiv: die kulturelle Praxis soll kontextorientiert auf spezifische gesellschaftspolitische Fragen hin entworfen und vermittelt werden. Die Shedhalle versteht sich als Ort der Produktion, Vermittlung, Recherche, Diskussion und Distribution durch Nutzung verschiedener medialer Kanäle. Nach unserem Verständnis muss sich die kuratorische Praxis von dem „Ausstellungsraum" als Ort der reinen Präsentation für zeitgenössische Kunst verabschieden: hierfür muss sie Wege und Orte (er)finden. Die künstlerischen Praktiken fordern Kunstinstitutionen heraus, die Institution als Ort und Display der Erforschung künstlerischer Praxis zu nutzen, gleichsam führen sie das Medium Ausstellung performativ vor.

Eine Erforschung ästhetischer Praxis muss diese schließlich selbst zum Ausgangspunkt nehmen. Hier muss die Institution hinterfragen, inwiefern sie selbst ein Modell der Wissensproduktion offeriert. Besonderes Augenmerk gilt daher der Erforschung künstlerischer Praxis, der mit dem Langzeitprojekt „Vor Ort“ ein wichtiger Platz im Programm der Shedhalle eingeräumt ist. Ausgangspunkt für diese Projekte ist eine Ausweitung des Untersuchungsfeldes auf ein interdisziplinäres Feld von Cultural Studies, feministischer Theorie, Urbanismus, sowie ästhetischer und politischer Praxis. Diese künstlerische Praxis benötigt einen kontinuierlichen Dialog und Langzeitbeziehungen zu den KulturproduzentInnen, damit sie gesellschaftlich zirkulieren und vermittelt werden kann. Wir schlagen von daher eine Dynamik vor mit den „Thematischen Projektreihen“ vor, die es erlaubt, zu einem thematischen Schwerpunkt über ein Jahr zu arbeiten, dabei werden künstlerische, kulturelle und wissenschaftliche Praktiken gesellschaftspolitischer Relevanz miteinander in Ausstellungen, Publikationen; Filmreihen und Symposien Dialog gebracht. Eine Befürwortung der Langsamkeit: „Das gedankliche Komma statt des Full Stop".

Sønke Gau / Katharina Schlieben (2006 - 2011)

Sønke Gau 2006, no copyright
Sønke Gau
Kurator 

Schlagworte
Gegenwartskunst
Interdisziplinäre Projekte
Kultur- und Wissensproduktion
Cultural Studies
Partizipation
Urbanismus

Kontakt:
Sønke Gau