Søren Grammel

Kuratorisches Statement

Kuratorische Form – so, wie sie mich interessiert – ist nicht total. Sie „behauptet nicht die Identität von Gedanken und Sache“. Sondern sie arbeitet mit dem Bewußtsein für die Künstlichkeit und die Temporalität von Wahrheit.

Ausstellungen sind imaginäre Orte, temporär möglich gemachte Zusammenkünfte disparater Akteure und Ideen. Es sind Formen, die das Synthetische jeglicher Konzeption herausstreichen. Ich glaube daher immer noch, dass die Form der Ausstellung so wichtig für kuratorisches Arbeiten ist, weil sie das Paradox der Gleichzeitigkeit einer Vielzahl von unterschiedlichen, auch gegenläufigen oder widersprüchlichen Chronologien anbietet wie kein anderes Format.

Das programmatische Spielen mit Momenten des Aufbrechens eines Projekts in eine Vielzahl von dynamischen Fragmenten macht für mich das besondere Moment kuratorischer Autorschaft in Ausstellungen aus. Kuratorische Praxis schafft bewußt instabile Konstellationen, die der Vorstellung von der Wahrheit als einem ‚Fertigen‘ widersprechen. Daher ist das Kuratorische auch keine Vermittlungspraxis im Sinne der Idee von Aufklärung als Service oder als einer Schnittstelle zwischen kultureller Produktion und ihren Abnehmerinnen. Sondern das Kuratorische ist eine Vermittlungspraxis, weil sie permanent die Unmöglichkeit des Unvermittelten behauptet. Das Kuratorische impliziert für mich diesen auf Veränderung, auf die Aufhebung fixer Bedeutung angelegten Arbeitsansatz – eine Praxis, die Bedeutung offen hält, die fortlaufende Spekulation ermöglicht und welche die institutionellen Regeln und Grenzen, innerhalb derer sie manövriert, durch die Erfindung neuer Bewegungen und Operationen relativiert, ergänzt und verändert.

(Søren Grammel, 2010)

Søren Grammel 2009, Copyright: Sunah Choi
Søren Grammel
Direktor | Kölnischer Kunstverein

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Architektur/Raum
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