Justin Hoffmann

Kuratorisches Statement

Meine kuratorische Tätigkeit war stets von einer theoretischen Auseinandersetzung über die kuratorische Praxis begleitet. Ich publizierte entsprechende Aufsätze und hielt Lehrveranstaltungen zu diesem Thema. So gab ich von 1995-2000 an der Akademie der bildenden Künste in München ein Seminar mit dem Titel “Das Kunstsystem”, in dem heutige Formen der Kunstvermittlung, der Kunstproduktion und -distribution behandelt wurden. Vom Goethe-Institut wurde ich Ende 2004 eingeladen, in einem einwöchigen Workshop die Kunstszene in Uruquay über neue Tendenzen der kuratorischen Praxis in Europa zu informieren - zwei Monate zuvor folgte ich einer vergleichbaren Einladung durch die kanadische Botschaft nach Kanada.

Schwerpunkte meiner kunsthistorischen Arbeit sind die 1910er, 1920er und 1960er Jahre, die durch besondere Innovationsschübe und eine Neudefinition des Bild- und Werkbegriffs gekennzeichnet sind. Insbesondere meine Beschäftigung mit dem Verhältnis von Alltagskultur und bildender Kunst kam auch in verschiedenen Ausstellungsprojekten zum Ausdruck: If I ruled the world. Politsche Inhalte von Popmusik und ihrer Images (Zürich 1997, München 1998), There is no business like business. Popmusik und Ökonomie (Zürich 1998), Programm Fernsehen (Zürich 1999), TeleVisions (Wien 2001) oder Strips & Characters. Kunst unter dem Einfluss von Comics (München und Wolfsburg 2004). Die Veränderung des Produktionsbegriffs, urbanistische Entwicklungen, aber auch der Einfluss technologischer Veränderungen auf die Kultur sind weitere wichtige Gebiete meiner theoretischen und kuratorischen Praxis.

Als ein Beispiel innovativer Vermittlungsformen kann das Projekt „Elektropopklub“ gelten, das ich im letzten Jahr auf Einladung der Kulturstiftung des Bundes für das Deutsch-Polnische Jahr konzipierte. Das interdisziplinär angelegte Projekt fand 6 Wochen in Bytom und anschließend für den gleichen Zeitraum im Kunstverein Wolfsburg statt. Es war vor allem an ein junges Publikum gerichtet und ein großer Erfolg. Der eine Teil des Kunstvereins wurde dazu in einen Club für Konzerte, Partys, Performances und Filmabende verwandelt, der andere in einen Ausstellungsraum, der abends wegen seines Mobiliars zur Lounge wurde. In dieser deutsch-polnischen Arena trafen Vertreter verschiedenster Disziplinen aufeinander. Im Sommer 2005 galt der Elektropopklub in Bytom als einer der heißesten Kulturtipps Polens.

Zahlreiche Lehraufträge an Universitäten im In- und Ausland zeigen, dass mir die pädagogische Arbeit sehr vertraut ist und ich gerne mit Studierenden arbeite. Zuletzt war ich im Wintersemester 2003/2004 Gastprofessor im Bereich Neue Medien an der Kunstuniversität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Graz. Im Winter 2006/7 habe ich einen Lehrauftrag im Bereich Kunstwissenschaft an der Kunsthochschule Bremen.

(Justin Hoffmann, 2006)

Justin Hoffmann 2006, Copyright: Kunstverein Wolfsburg
Justin Hoffmann
Leiter | Kunstverein Wolfsburg

Schlagworte
Gegenwartskunst
Interdisziplinäre Projekte
Kulturproduktion
Kultur und Ökonomie
Kulturindustrie, Popkultur
Musik
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