Gabriele Knapstein

Kuratorisches Statement

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten meiner Arbeit im Museum gehören die Gattungs- und Institutionsgrenzen überschreitenden intermedialen und multimedialen Ansätze seit den 1960er Jahren, die bis in die aktuelle künstlerische Praxis fortwirken. Mit dem Environment, den Skulpturen der Minimal Art und der Land Art, mit der Installation und der Kunst im öffentlichen Raum haben bildende Künstlerinnen und Künstler den Raum jenseits herkömmlicher Begrenzungen von Malerei und Skulptur erobert. Mit Aktionen, filmischen Werken, Performances, Prozess- und Medienkunst haben sie sich gleichzeitig die Dimension Zeit erschlossen und teils flüchtige Werke geschaffen, die nur in Form von schriftlichen, fotografischen und filmischen Dokumenten überliefert werden können. Mit der Konzeptkunst wurde die Visualität des Kunstwerks grundsätzlich in Frage gestellt; die Produktions- und Distributionsbedingungen von Kunst wurden thematisiert.

In thematischen Ausstellungen, Sammlungspräsentationen und Veranstaltungen geht es mir um die Vermittlung von künstlerischen Arbeiten, die sich im Feld zwischen bildender Kunst und Architektur, Kunst und Musik, Kunst und Theater, Kunst und Film, Kunst und Dichtung, Kunst und Philosophie, Kunst und Politik, Kunst und Alltag bewegen. Für die inzwischen historischen Positionen der 1960er bis 1980er Jahre stellt sich heute die Frage nach einer den Intentionen der Künstler entsprechenden Präsentation; bisher wenig beachtete, aber überliefernswerte Positionen gilt es zu recherchieren und vorzustellen.

Angesichts einer nicht mehr zu überblickenden weltweiten Produktion von Kunst und ihrer globalen Distribution erscheint es mir unumgänglich, innerhalb eines Museums Schwerpunkte für die eigene Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit zu bestimmen. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit ein "Museum für Gegenwart" einem "postkolonialen" Blick auf die Geschichte der Moderne und der Tendenz zur Aufhebung der Grenze zwischen Kunst und "kultureller Produktion" Rechnung tragen möchte.

Gabriele Knapstein (2006)

Gabriele Knapstein 2006, Copyright: Matthias Osterwold
Gabriele Knapstein
Kuratorin | Hamburger Bahnhof Berlin

Schlagworte
Gegenwartskunst
Fluxus und Intermedia
Klangkunst
Film/Video
Interdisziplinäre Projekte
China, Japan
Kanada

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Gabriele Knapstein