Carina Plath

Kuratorisches Statement

Entstand die Diskussion um Kuratoren unter anderem aus der Notwendigkeit, den naturalisierten, und damit unsichtbaren Einfluss der Ausstellungsmacher zu thematisieren, ist die Bezeichnung des Kurators/der Kuratorin inzwischen inflationär und ungenau. Weiterhin verschleiert der Mythos vom „independent curator“ die schwierige Situation unzähliger Absolventen der Universitäten und Kuratorenprogramme, sich zwischen finanziellen und ideellen Zwängen zu bewegen. In Parallele zum Künstlerbild wird hier das Idealbild eines hochintelligenten, hochflexiblen und zu ständigen Ortswechseln bereiten Individuums gezeichnet, dessen Kehrseite eine selbst verantwortete Entwurzelung und in der Kunstfamilie auf Messen und Biennalen aufgehobene Soziabilität ist. KünstlerInnen wie KuratorInnen liegen im Trend der sogenannten „Selbstverantwortung“ und werden zu Vorbildern in einer gesellschaftlichen Diskussion, in der den Kreativen immer mehr abverlangt und immer weniger gegeben wird.

KuratorInnen können dieser Fehlwahrnehmung kontinuierliche Arbeit an Themen, Institutionen und Museen entgegensetzen. Ihre Bedeutung liegt in ihrem Potential als Ermöglichern, Sinnstiftern und Vermittlern von Kunst. Die Voraussetzung ist die intensive Beschäftigung mit der Andersartigkeit jeder künstlerischen Position und der Versuch, dieser Ausdruck zu verleihen. Kunstvereine und kleinere Institutionen sind hier geeignete Plattformen aufgrund der Nähe von Produktion, Vermittlung und Rezeption. Die Situation eines Betrachters vor einem Werk und die von ihm ausgehende Störung, Erkenntnis oder Schönheit ist nach wie vor nicht zu überbieten.

Schwerpunkte/Fragestellungen:

- Aspekte osteuropäischer aktueller Kunst (Ausstellungen Wilhelm Sasnal, Pawel Althamer, „Die Aufgabe der Zeit“ (IRWIN, Deimantas Narkevicius, Igor Savchenko, Ene-Liis Semper, Artur Zmijewski), „SFX-Publicznosc“ (mit Roman Dziadkiewicz))

- Verhältnis von Formen der Kunst zu sozialen Verhältnissen (Ausstellungen „formal social“, „Housing“, „STREIK“, „Demokratie üben“, „Einmal Empire und zurück“)

Carina Plath (2007)

Carina Plath 2007, Copyright: Westfälischer Kunstverein Münster
Carina Plath
Kuratorin für Malerei und Skulptur | Sprengel Museum Hannover

Schlagworte
Gegenwartskunst
Kunst im öffentlichen Raum
Osteuropa, Polen
Osteuropäische Kunst
Soziale Prozesse