Petra Reichensperger

Kuratorisches Statement

Wie ist die These John Searles, „alle Funktionen sind beobachterabhängig“, im Kontext von kuratorischer Praxis zu verstehen? Die Frage trifft ins Zentrum der funktionalen Zuschreibungen, wie sie an die drei im Kunstfeld maßgeblichen Akteure – Kurator, Künstler, Rezipient – herangetragen werden. Sie ist insofern relevant, als mit ihr feste Arbeits- und Rollenverteilungen benannt werden können, mit denen wiederum entsprechende Hierarchien und Positionierungen im Feld verbunden sind.

Wo sich die Akteure unproduktiv gegeneinander abgrenzen, gilt Transdisziplinarität und die Verschränkung von Theorie und Praxis als Gegenentwurf. Der in den achtziger Jahren gegründete Studiengang Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis versuchte dem von Anfang an Rechnung zu tragen. Meine Erfahrungen, die ich während dieses Studiums machen konnte, prägen bis heute meinen Zugang zur Kunst und zu jeder kulturellen Manifestation. In den Ausstellungen „ein|räumen – Arbeiten im Museum“, „Montags Realität herstellen“, „Lieber zu viel als zu wenig – Kunst, Musik, Aktionen zwischen Hedonismus und Nihilismus 1976-1985 “ oder auch „Berlin Alexanderplatz. Urban Art Stories“ war dieser Zugang präsent.

Meine Ausstellungspraxis ist also nicht auf die Kunstinstitution und den Ausstellungsraum beschränkt, sondern sie macht die festen Zuschreibungen der Funktionen durchlässig und erlaubt ein permanentes Hin und Her, ein Verweben und Vernetzen der Räume, Medien, Arbeiten, ihrer Macher und Nutzer.

Zukünftig kann ich mir durchaus vorstellen, klassische genauso wie unbedingte und gestische Ausstellungen zu realisieren. Aber ich habe vor allem solche Ausstellungen im Sinn, die einer multiplizierten bzw. maximalisierten Praxis entsprechen, frei nach der Losung Berliner-Szene-Clubs: Schlafen ist Kommerz!

Petra Reichensperger (2007)

Petra Reichensperger 2006, Copyright: Petra Reichensperger
Petra Reichensperger
Freie Kuratorin

Schlagworte
Gegenwartskunst
Kunst im öffentlichen Raum
Theorien der Öffentlichkeiten
Film/Video
Installationen
Minimalismus
Konzeptkunst
Crossover
Ausstellungspraxis

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Petra Reichensperger