Reinhard Spieler

Kuratorisches Statement

Kuratorische Arbeit bedeutet für mich, künstlerische Positionen möglichst prägnant sichtbar zu machen. Eine Ausstellung und ihr kuratorisches Konzept sind für mich dann gelungen, wenn das präsentierte künstlerische Werk in seiner formalen Besonderheit, in seiner gedanklichen Reichweite und in seiner historischen Bedingtheit und Vernetzung klar und eindrucksvoll erkennbar wird.

Die Priorität für den Betrachter ist die künstlerische Position und nicht das kuratorische Konzept, das scheint mir im aktuellen Kunstbetrieb manchmal etwas aus dem Blick zu geraten. Ein Künstler braucht keinen zweiten Künstler als Partner - das ist eher Konkurrenz, die das Ergebnis schwächt statt stärkt. In der Museumsarbeit geht es um die Vermittlung und Aufbereitung künstlerischer Positionen für ein größeres Publikum. Das kann im einen Fall bedeuten, ein Werk möglichst erratisch ohne jeden Kompromiss in seiner eigenen Erscheinung zu zeigen, im anderen Falle aber auch, Kontexte über andere Werke, über Themen, Texte und Informationsmaterial herzustellen. Bei Texten ist mir ein besonderes Anliegen, Leser durch verständliche Sprache mitzunehmen und nicht durch elitäre Fachsprache vom Diskurs auszuschließen.

Persönlich interessiert mich bei Werken zunächst deren sinnliche Erfahrbarkeit, die Notwendigkeit und Spezifik des gewählten Mediums und der gewählten Form. Auch ein konzeptuelles Werk braucht eine Form, in der ich das Konzept sinnlich erfassen kann und die spezifische Erfahrungen bietet – ansonsten kann ich auch ein Buch lesen. Die sinnliche Erfahrbarkeit ist mir besonders wichtig, weil sie unmittelbare Gefühle auslöst und auch eine vor-gedankliche, körperhafte Wahrnehmung in Gang setzt. Eine Wahrnehmung, die weniger kontrollier- und manipulierbar ist und uns vielleicht direktere und intensivere Erfahrungen ermöglicht.

(Reinhard Spieler, 2011)

Reinhard Spieler 2011
Reinhard Spieler
Direktor | Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein

Schlagworte
Klassische Moderne
Gegenwartskunst
Malerei
Fotografie
Lichtkunst

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Reinhard Spieler