Christina Végh

Kuratorisches Statement

Meine kuratorische Praxis ist essentiell durch die Arbeit an Kunstvereinen geprägt. Zunächst bei der Kunsthalle Basel, heute am Bonner Kunstverein tätig, betrachte ich das Ermöglichen von künstlerischen Experimenten und ihre Vermittlung an eine möglichst breite Öffentlichkeit als eine meiner wichtigsten Aufgaben.

Eine gelungene Ausstellung ist eine Präsentation, in der selbst der Künstler über das Ergebnis überrascht ist. Überraschung und Begeisterung vermitteln sich dem Betrachter, vorgewusste und erwartete Bilder und Werte kommen auf diese Weise ins Wanken. Einen Moment Verwunderung oder Staunen im Betrachter zu wecken ist Ziel jeder Ausstellungskonzeption. Ebenso gilt es, die Produktionsbedingungen von Kunst zu reflektieren, gerade im Kunstverein, wo die Werke oftmals vor Ort für die spezifische Situation entstehen.

Bei der heutigen Reizüberflutung und der schieren Menge vorgefertigter kultureller Package-Deals sind wir zusehends weniger gefordert, Neugierde zu entwickeln und selbst Sachverhalte zu kombinieren oder eine eigene Meinung auszubilden. Die kuratorische Tätigkeit an den Kunstvereinen sehe ich als Setzung, die diesen Tendenzen entgegenwirkt. Mit einem Rahmenprogramm, das künstlerische Fragestellungen auf Alltagsphänomene zurückbindet, soll zudem sichtbar werden, dass zeitgenössische bildende Kunst nicht hermetisch abgeschlossen ist, sondern immer wieder Fragen und Werte, die jeden beschäftigen, mit ihren eigenen Mitteln visuell vermittelt.

Das Medium Ausstellung steht im Zentrum, Werke im Raum stehen zunächst für sich und illustrieren in keiner Weise ein theoretisches Konzept. Ebenso scheint es mir wichtig, mit neuen Ausstellungsformaten die herkömmlichen Formen in Frage zu stellen. Im Bonner Kunstverein habe ich eine Reihe eingeführt, in der jeweils zwei Künstler gemeinsam eine Ausstellung konzipieren und sich mit ihren Werken gegenseitig annähern (Jan Mancuska – Jonas Dahlberg, 2005, Christopher Williams – Mathias Poledna 2008). Der Ausstellungsraum ist nicht nur ein Ort des Sehens und des Erfahrens, sondern vor allen Dingen ein Ort der Begegnung, an dem nicht nur Besucher auf Künstler, sondern ebenso Künstler auf Künstler treffen.

Christina Végh (2007)

Christina Végh 2005, Copyright: Franz Fischer
Christina Végh
Leiterin | Bonner Kunstverein

Schlagworte
Gegenwartskunst
Konzeptkunst
Architektur/Raum
Interdisziplinäre Projekte
Kultur- und Wissensproduktion
Kunstvermittlung

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