Kunstwelt in Deutschland

Die Videonale 12 – ein Festival für zeitgenössische Videokunst im Kunstmuseum Bonn

Mihai Grecu: Coagulate, 2008, 05:56 Min, Ton, Farbe © Mihai Grecu

Das bewegte Bild gestern und heute: 43 Werke von jungen Künstlern aus der ganzen Welt geben in der Ausstellung der Videonale 12 einen Eindruck davon, welche Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten das Medium Video bietet. Nach 25 Jahren wagt die Videonale mit der Ausstellung „Review“ zudem einen Blick zurück in ihre Vergangenheit.

Vor nicht allzu langer Zeit feierte die Videokunst in Deutschland ihr 40-jähriges Bestehen mit einer beeindruckenden Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen. Dass es nach ihrer Begründung in den 1960er-Jahren noch einige Zeit dauern sollte, bis die Videokunst auch ihre eigenen Institutionen etablierte, lässt sich an der Historie der Bonner Videonale ablesen. 1984 gegründet, zählt das Festival für zeitgenössische Videokunst deutschlandweit zu einem der ältesten Festivals auf diesem Gebiet und feiert mit der diesjährigen 12. Ausgabe gleichzeitig das Jubiläum seines 25-jährigen Bestehens.

Die Ausstellung

Logo Videonale 12 © Reni HansenBetrachtet man die Zusammenstellung von 43 Werken aus 19 Ländern, die aus über 1.400 Einsendungen für die Ausstellung der Videonale 12 im Kunstmuseum Bonn ausgewählt wurden, zeigt sich schnell, wie vielfältig heute die Ausdrucksmöglichkeiten dieses Mediums sind, und wie selbstverständlich es als künstlerisches Mittel eingesetzt wird. Längst ist das bewegte Bild fester Bestandteil des Repertoires vieler, besonders junger Künstler und wird eingesetzt, wenn das Arbeiten mit Pinsel oder Fotokamera in seinen erzählerischen Möglichkeiten an seine Grenzen stößt.

Zhenchen Liu: Under Construction, 2007, 09:55 Min, Ton, Farbe © Zhenchen LiuEines scheint die globale Gemeinschaft der Videoschaffenden dabei zu einen: Nicht mehr die Auseinandersetzung mit dem Medium selbst steht im Mittelpunkt des Interesses, sondern – sicherlich auch im Zuge der durch die Digitalisierung immer leichteren Verfügbarkeit der entsprechenden Ausstattung – die Möglichkeit, mit dem Erzählen in bewegten Bildern die eigene Umwelt zu kommentieren.

Andrew Cooke: Performance Under Working Conditions 2006, 02:25 Min, Ton, Farbe 
© Andrew CookeFormal gehen die Künstler hier jedoch ganz unterschiedliche Wege. Zhenchen Liu kombiniert in seiner Arbeit Under Construction gekonnt Elemente aus Dokumentar- und Experimentalfilm zu einer sehr aktuellen Kritik der chinesischen Städtebaupolitik und ihren Folgen, während der rumänische Künstler Mihai Grecu in Coagulate Animation und Film zu surrealen Bildlandschaften verwebt. Der Brite Andrew Cooke wiederum steht mit seiner Arbeit Working Conditions stellvertretend für die Renaissance des Performance-Videos, das besonders junge Künstler, nach dessen Hoch-Zeit in den 1960er- und 1970er-Jahren, wieder neu für sich entdecken. In seinem Video sieht man den Künstler selbst, wie er, den Kopf über den Boden schiebend und die Geräusche eines Staubsaugers nachahmend, mit einfachsten Mitteln seine Kritik an den prekären Arbeitsverhältnissen in einer globalisierten Arbeitswelt formuliert.

„Review“

Videostill Marcel Odenbach © Marcel OdenbachDie 12. Videonale bietet aber nicht nur der jungen Generation von Videokünstlern ein internationales Forum, sondern wagt zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens mit der Ausstellung „Review“ einen Blick in die Archive der Videonale. Stellvertretend für jeden der bisherigen Videonale-Wettbewerbe hat die Kuratorin Susanne Hinrichs ein Werk ausgewählt, das den jeweiligen Wettbewerbsjahrgang repräsentiert. Dieser historischen Arbeit, unter anderem von heute weltweit geschätzten Künstlern wie Michael Smith, Marcel Odenbach oder Jean-François Guiton, wird in der Ausstellung jeweils ein aktuelles Video des Künstlers gegenübergestellt. Gezeigt wird damit ein Einblick in die Geschichte der Videokunst, die besonders in der Gegenüberstellung von damals und heute die rasante Entwicklung des Mediums eindrücklich vor Augen führt.

„Die Auserwählten“ – ein Kunstvermittlungsprojekt

Videostill Jean-François Guiton © Jean-François GuitonWelche Rolle nicht allein für das Festival, sondern besonders auch für sein Medium die Zeit spielt, ist Thema in einem weiteren Teil der Ausstellung. In einem eigenen Ausstellungsbereich zeigen die Teilnehmer des Kunstvermittlungsprojekts Die Auserwählten – GenerationenArchivVideonale, das die Videonale gemeinsam mit der Kunstvermittlerin Birgit Bertram durchführt, die Ergebnisse aus ihrer Projektarbeit. Seit September 2008 haben Senioren und Jugendliche aus Bonn gemeinsam im Rahmen des Projekts die Bedingungen und Wirkungsweisen von Archiven erforscht. Sie haben dabei nicht nur über die Vergänglichkeit des Mediums Video reflektiert, sondern sich auch kreativ mit den Grenzen und Möglichkeiten eines zukünftigen Videonale-Archivs auseinandergesetzt. Eine Panel-Diskussion zum Thema „Open Archive“ während der Festivaltage ergänzte die Vermittlungsarbeit, während ein Symposium zur Bedeutung des Internets für die aktuelle Situation der Videokunst erneut einen Blick in die Zukunft des Mediums wagte.

Die Videonale-Architektur

Videonale-Architektur 2009 © Reni HansenFuturistisch wirkt auch die diesjährige Ausstellungsarchitektur, die die Videonale seit ihrem Umzug 2005 in die Räumlichkeiten des Kunstmuseums Bonn für jede Ausgabe des Festivals neu entwickeln lässt. Den räumlichen Gegebenheiten der damals für die Präsentation klassischer Medien wie Malerei, Grafik und Skulptur entworfenen Architektur des Museums von Axel Schultes antwortet die Videonale mit einer spezifisch für die Bedürfnisse des Mediums Video entwickelten Ausstellungsarchitektur, in diesem Jahr von den jungen Frankfurter Ausstellungsgestaltern Hellen Kleine und Till Hergenhahn. So empfängt den Besucher nicht eine in sich abgeschlossene Kinosituation und auch keine, wie sonst gerne in Museumsausstellungen eingesetzte Miniaturvariante des Kinosaals in Form von sogenannten „black boxes“. Die Architektur aus einzelnen, durch Bänke verbundenen Projektions- und Monitorstationen, ermöglicht es dem Besucher vielmehr, sich frei zwischen den bewegten Bildern zu bewegen, sich die Ausstellung assoziativ beim Wandeln durch die Räume zu erschließen, sodass auch zwischen den einzelnen Werken immer wieder neue Zusammenhänge und Erzählungen entstehen können.

Tasja Langenbach
ist Kunsthistorikerin und arbeitet freiberuflich als Kulturmanagerin, Autorin und Kuratorin. Sie lebt in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2009

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