Designausbildung und Institutionen in Deutschland

Mittler zwischen Historie und Gegenwart – eine Auswahl von Designmuseen in Deutschland

Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich, Foto: Rainer Viertlböck

Gebaut als schnellstes Auto auf Erden: der Rekordwagen Mercedes-Benz T 80. Der Zweite Weltkrieg verhinderte seinen Einsatz. Heute ist das Fahrzeug im Mercedes-Benz Museum zu bewundern. Copyright: Daimler AG

Kabine „Do X“, Copyright: Dornier Museum Friedrichshafen/

Innenansicht Thonet-Museum, Copyright: THONET GmbH

18 Blick in die Ausstellung/View of the exhibition „Czech Cubism“ in 1991, Copyright: Vitra Design Museum

Mitten in einer Küche im Stil der späten 1960er-Jahre erleben die Besucher und Besucherinnen anhand von Formen, Fliesen und Lampen den Charme dieser Zeit. Copyright: Miele

red dot: best of the best-Preisträger, Copyright: red dot GmbH & Co. KG

Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich: Freischwinger (Ausstellungsraum im Neuen Museum Nürnberg), Foto: Rainer Viertlböck

Internationales Keramik-Museum Weiden, Zweigmuseum der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich, Foto: Rainer Viertlböck

Werbefigur Lurchi, Salamander GmbH, 1960er-1980er-Jahre, Copyright: Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin Foto: Armin Herrmann

Isolierkanne „Typ 750“, Gestaltung: Margarethe Jahny, Copyright: Sammlung Industrielle Gestaltung Berlin

Marcel Breuer, Sessel B3, 1925/26, Stahlrohr vernickelt, Eisengarnbespannung, Copyright: Bauhaus-Archiv Berlin

Installationen der Neuen Designgalerie, MAK, Aufnahme am 29.10.08, Copyright: museenkoeln.de/rheinisches-bildarchiv

Auf den ersten Blick scheinen Designmuseen ein Widerspruch in sich zu sein. Verbinden wir doch mit dem Begriff Design meist Gegenwärtiges oder gar Innovatives und da will zunächst nicht einleuchten, dass diese in die Zukunft gerichteten Produkte an einem Ort der Erinnerung gesammelt oder ausgestellt werden.

Jedoch vergessen wir dabei schnell zwei Dinge. Erstens, dass die Disziplin Design mittlerweile auch schon über hundert Jahre alt ist und damit eine reichhaltige Historie vorzuweisen hat. Zweitens, dass Museen und Sammlungen nicht nur einen retrospektiven Auftrag zu erfüllen haben, sondern auch zeitgenössische Zusammenhänge aufzuzeigen in der Lage sind.
Interessante Einblicke in die Entwicklung der Gestaltung
Wollte man die deutsche Designmuseums-landschaft kategorisieren, so könnte man diese grob in öffentliche Museen und Sammlungen einerseits und privat finanzierte Museen, inklusive der reinen Unternehmensmuseen, andererseits einteilen. Auch wenn Letztere vornehmlich unter dem Rubrum „Unternehmenspräsentation“ zu fassen sind, bieten sie dennoch in ihrer Gesamtheit den Besuchern einen qualitativ hochwertigen und differenzierten Überblick zum deutschen Design.

In erster Linie sind die in den vergangenen Jahren von nahezu allen deutschen Automobilherstellern eröffneten Automuseen zu nennen, vom BMW Museum in München über das Mercedes-Benz Museum und das Porsche Museum in Stuttgart bis zum Volkswagen AutoMuseum in Wolfsburg. Da der Automobilbau und die Disziplin Design aufgrund der industriellen Entwicklung seit Ende des 19. Jahrhunderts eng miteinander verknüpft sind, gewähren diese Museen gerade in Bezug auf die Gestaltung und deren Entwicklung interessante Einblicke. In dieser Reihe steht ebenfalls das neue Dornier Museum in Friedrichshafen mit seiner umfassenden Ausstellung zur Luft- und Raumfahrtgeschichte.
Über die Produktgeschichte hinaus
Aber auch Firmenmuseen aus anderen Bereichen sind an dieser Stelle zu nennen. So präsentieren beispielsweise zahlreiche Möbelunternehmen einen auch über die jeweils eigene Produktgeschichte hinausgehenden Überblick. Das Museum Thonet im hessischen Frankenberg ist hier erwähnens- und besuchenswert ebenso wie das Kragstuhlmuseum von Tecta in Lauenförde. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein präsentiert seit Jahren große thematische (vom Möbelhersteller Vitra unabhängige) Ausstellungen, die weltweit auch in anderen Museumshäusern gezeigt werden. Darüber hinaus tragen zahlreiche designorientierte Unternehmen wie Braun in Kronberg oder Miele in Gütersloh mit ihren Museen zu einem differenzierten Bild deutschen Designs bei.

Einen anderen Weg beschreitet das private red dot Designmuseum in Essen. Hier werden im jährlichen Wechsel zwar jeweils nur die aktuellen Gewinner des red dot Design-Wettbewerbes gezeigt, dennoch ergibt sich auf diese Weise ein aktueller Querschnitt weltweiten, avancierten Designs.
Die zahlreichen öffentlichen Designmuseen in Deutschland sind oftmals – historisch thematisch bedingt – eng mit Museen der angewandten Kunst, also des Kunstgewerbes verbunden. Dabei besitzen viele dieser Museen mittlerweile eigenständige Designabteilungen, oftmals mit eigenen Sammlungsschwerpunkten.
Das erste Designmuseum der Welt
Zu den umfangreichsten und gleichzeitig ältesten unter ihnen gehört Die Neue Sammlung. Bereits 1907 als erstes Designmuseum der Welt gegründet, zählt es heute mit rund 75. 000 Objekten aus den Bereichen Industrial- und Grafikdesign sowie Kunsthandwerk zu den bedeutendsten Designmuseen weltweit. Untergebracht ist Die Neue Sammlung an drei verschiedenen Orten. Zum einen seit 2002 in der Pinakothek der Moderne in München, wo neben Wechselausstellungen auch eine umfassende permanente Präsentation gezeigt wird. Bereits im Jahr 2000 eröffnete in Nürnberg das Neue Museum, das als „Staatliches Museum für Kunst und Design“ seinen thematischen Schwerpunkt in der Zeit nach 1945 hat. Schließlich noch der Standort Weiden, an dem sich die keramische Sammlung des Museums befindet.
Vier Museen mit Design-Schwerpunkten
Berlin bietet mit dem Bauhaus-Archiv – Museum für Gestaltung, der Sammlung Industrielle Gestaltung, dem Kunstgewerbemuseum sowie dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge gleich vier Museen mit Designschwerpunkten. Das Kunstgewerbemuseum richtet seine Aufmerksamkeit auf das Interieurdesign wie Möbel, Leuchten, Geschirr oder Objekte, wobei hier nicht der Gebrauchswert, sondern der künstlerische Entwurf im Fokus steht. Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge bezeichnet sich selbst als „Museum der Sachkultur des 20. und 21. Jahrhunderts“, die von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägt ist. Die Sammlung des Museums umfasst rund 35.000 Dokumente und circa 25.000 Objekte von designhistorischer und alltagskultureller Bedeutung.
Einen hervorragenden Überblick zur Gestaltung in der SBZ/DDR bietet die Sammlung Industrielle Gestaltung, die 2005 der Stiftung Haus der Geschichte übertragen wurde. Der gesamte Bestand der Sammlung umfasst etwa 160.000 Objekte, zurzeit ist die Sammlung allerdings nur für wissenschaftliche Recherchen zugänglich.
Bauhaus-Geschichte
Das Bauhaus-Archiv konzentriert sich in seiner Dauerausstellung „Die Sammlung Bauhaus, Originale der Klassischen Moderne“ auf die Geschichte und Wirkungen des Bauhauses (1919–1933), der bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert.

Mit dem Bauhaus Dessau und dem Bauhaus-Museum in Weimar besitzen auch die beiden anderen ehemaligen Standorte des Bauhauses umfangreiche Sammlungen und Archive, die im Rahmen von Dauerausstellungen und Themenpräsentationen der Öffentlichkeit zugänglich sind. Im Museum August Kestner in Hannover lässt sich unter anderem die Entwicklung gehobener Gebrauchsgegenstände, etwa von Möbeln, Trinkgefäßen oder von Porzellan über die Jahrhunderte bis heute exzellent verfolgen.
Design und Kunst in enger Beziehung
Dem zunehmenden Austausch der kreativen Disziplinen Kunst und Design widmet sich das 2005 eröffnete Museum MARTa Herford. Das Museum besitzt zwar keine eigene Designsammlung, verfolgt aber mit seinen Wechselausstellungen ein interdisziplinäres Programm, das sich bereits in seinem Namen offenbart: M steht für Möbel (das Museum beherbergt unter anderem das Kompetenzzentrum der Holz-, Möbel- und Kunststoffindustrie), ART verweist auf die Kunst und hinter dem „a“ verbirgt sich das (gemeinsame) Ambiente.
Frankfurt und Köln beherbergen in ihren jeweiligen Museen für Angewandte Kunst selbständige Designabteilungen. In Frankfurt bieten vor allem die Bereiche Jugendstil/Art déco, Kunsthandwerk nach 1945 und die Produktdesignsammlung einen Einblick in die industrielle Formgestaltung seit 1900. Anders in Köln: Hier werden mit der Sammlung Winkler Design und Kunst des 20. Jahrhunderts in enger Beziehung präsentiert, wobei Schlüsselwerken des Designs herausragende zeitgenössische Gemälde direkt gegenübergestellt werden. Auf diese Weise führt die Ausstellung den Besuchern auf eindrucksvolle Weise die enge Verflechtung von industrieller Formgebung und künstlerischen Entwicklungen vor Augen.
Weitere Bereicherung
Auch das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg beherbergt eine eigene Designsammlung. Eine Besonderheit stellt hier die Sammlung italienischen Designs dar, die auch zahlreiche Werke der Mailänder Gruppe Memphis umfasst. Ab 2011 wird das sanierte Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig mit seiner ständigen Ausstellung „Jugendstil bis Gegenwart“ eröffnen und die deutsche Designmuseumslandschaft bereichern. Höhepunkt wird der Nachbau des Messestandes für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke Weißwasser von Lilli Reich für die Grassimesse aus dem Jahr 1936 sein.
Innenansicht MARTa Herford. Copyright: MARTa Herford/Foto: Thomas Mayer

Museum August Kestner. Copyright: Museum August Kestner/Fotograf: Christian Tepper

Ericofon. Entwurf: Hugo Blomberg, Ralph Lysell, Gösta Thames, 1941; Ausführung: L.M.Ericsson Co., Stockholm, ab 1954, Kunststoff und andere Materialien, Copyright: GRASSI Museum für Angewandte Kunst

Stephan Ott
arbeitet als freier Autor, Journalist und Dozent. Seit Anfang 1999 ist er für die Kommunikation des Rat für Formgebung/German Design Council verantwortlich.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2009

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