Designer in Deutschland

llot llov – Designkollektiv mit wolligen Aushängeschildern

Stricklampe „Matt“; Copyright: llot llov/Foto: Nicoló Lanfranchi

Lampe „Ray“; Copyright: llot llov/Foto: Nicoló Lanfranchi


Die Strickleuchten „Matt“ und „Ray“ haben die vier jungen Berliner Designer auch international bekannt gemacht. Neben diesen Bestsellern entwirft llot llov innovative Interieurs für Szene-Shops, kreiert Installationen oder kartografiert mit Konzeptarbeiten wie „I love Ruhrgebiet“ den deutschen Ballungsraum schlechthin auf ungewöhnliche Weise.

Ihr ungewöhnlicher Name ruft unterschiedlichste Assoziationen hervor: eine Firma aus Bulgarien? Eine Verkürzung des englischen „lots of love”? Auch wenn die vier Designerinnen und Designer mit dieser Interpretation ganz gut leben könnten: „llot llov“ ist schlicht ein Anagramm des in Deutschland oft verwendeten Ausdrucks „voll toll“, mit dem meistens Anerkennung verbunden wird. Die Gründungsmitglieder Ania Bauer, Jacob Brinck, Lena Hirche und Ramon Toshiro Merker haben den Ausdruck einfach rückwärts gelesen zu ihrem Namen gemacht.

Geschadet hat ihnen dieser Name bisher nicht – im Gegenteil. Mit ihrer Stricklampe „Matt“, die sich schon in einigen Designmagazinen sehr dekorativ von unverputzten Decken herunterringelte, und dem ebenso verspielten wie praktischen großen Makramee-Blumenkokon „Lucille“ ist die Berliner Designgemeinschaft nicht nur im deutschsprachigen Raum erfolgreich. Gerade die Strickleuchten „Matt“ und „Ray“ funktionieren für die jungen Kreativen als Türöffner, unter anderem in die USA, wo eine Galeristin in Chicago diese Objekte immer wieder neu inszeniert.
Karte „Taubenzüchter im Ruhrgebiet“; Copyright: llot llov

Stricklampe „Matt“; Copyright: llot llov/Foto: Nicoló Lanfranchi

Blumenkokon „Lucille“; Copyright: llot llov

Designgemeinschaft im Szenekiez
Kennengelernt haben sich die vier, die aus den Bereichen Produkt-, Möbel- und Grafikdesign kommen – und mit Interiordesigner Merker auch einen gelernten Tischler mit an Bord haben – im Jahr 2004 in einem Taxi unterwegs im Berliner Nachtleben. Seitdem haben sie Kontakt gehalten, an Projekten zusammengearbeitet und sich 2007 an der Grenze der Berliner Stadtteile Neukölln und Kreuzberg, dem Szenekiez „Kreuzkölln“, als feste Bürogemeinschaft zusammengetan. Dort werden seitdem gemeinsam neue Projekte an Land gezogen, Wettbewerbe vorbereitet oder schlicht Gedanken gesammelt. Jeder der vier hat schon vorher im Designbereich gearbeitet und bringt ältere Projekte mit in das gemeinsame Portfolio ein.

Aufgeteilt wird auch die Überwachung des Vertriebs und die Betreuung des hauseigenen Webshops. „Auch wenn das nicht die Arbeiten sind, um die sich Designer sonst schlagen“, sagt Jacob Brinck. Die gute Kundenbetreuung ist aber auch lebenswichtig für ein junges Designkollektiv. Bestseller wie Blumenampel, Tischchen und Lampen halten in schweren Zeiten finanziell auch mal den Rücken frei für brotlosere Projekte wie Kunstinstallationen.
Aus einem Guss wäre zu einfach
Das wichtigste Standbein von llot llov neben den Produkten ist aber die Inneneinrichtung, das Interior Design. In Berlin haben sie unter anderem Läden der Modelabels LaLa Berlin und Adddress eingerichtet. Keiner der von ihnen gestalteten Shops gleicht dabei dem anderen, dafür stellen sich die vier zu sehr auf die Produkte ein, die dort verkauft werden sollen.
Lala Berlin Showroom; Copyright: llot llov

Lala Berlin Showroom; Copyright: llot llov

Adddress Showroom; Copyright: llot llov

Schreibtisch „Clarc“; Copyright: llot llov

Die flauschigen, wolligen Kleider, Schals und Hängerchen der Designerin Leyla Piedayesh werden von llot llov in einer ganz romantischen, weichen, weißen Einrichtung präsentiert, bei der auch schon mal ein Schaf als Deko-Objekt zum Einsatz kommt. Kronleuchter, die aussehen wie aus zerlaufendem Wachs geformt, vervollständigen den britischen Landhauscharme mitten in Berlin.

Ganz anders der Adddress-Shop, den die Designerinnen und Designer ebenfalls in Mitte eingerichtet haben. Hier haben sie Grautöne, offen verlegte Leitungen und rechtwinklige Kleiderstangen mit schweren barocken Möbelelementen kontrastiert. Dem geradlinigen, funktionalen Stil der Adddress-Mode mit ihren robusten Stoffen kommt das durchaus entgegen.
„Gewachsenes Design“
Gemeinsam haben diese und weitere llot llov-Shops in Berlin und München, dass sie nicht aussehen sollen wie einmal von Designern entworfen und fertig hingestellt: „Nichts ist ja langweiliger, als wenn man sofort denkt: 'Ach, da war mal wieder ein Designer am Werk'“, sagt Jacob Brinck. Deshalb versuche llot llov Shops so einzurichten, dass sie aussehen, als hätte sich der Stil über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt. Dazu nutzen die vier gern Kontraste: Holz, das auf glänzend-glatte Oberflächen trifft, Barockes, das von klaren Linien abgemildert wird, oder Ziegelmauern, neben denen schlichte Glastischchen stehen. „Es soll immer „gelebt“ aussehen. Alles aus einem Guss ist zu einfach“, so Brinck.

Eiscafé Gemelli; Copyright: llot llov

Regal „Bill“; Copyright: llot llov

Dieses „gewachsenes Design“-Konzept wenden llot llov aber nicht nur in Modeläden an. In Berlin-Kreuzberg haben sie ein heruntergekommenes Wettbüro in ein Eiscafé verwandelt, das abends auch als Bistro funktionieren muss – und sich dafür eine Inneneinrichtung ausgedacht, die nicht völlig neu aussehen durfte, sondern eben auch wie schon länger genutzt und mit der Patina vieler gelungener Abende überzogen. Das gelang mithilfe von abgetönten Farben, vielen Kissen, Decken und Liebe zum Detail.

Wer sich davon und von den anderen llot llov-Ideen ein Bild machen möchte, kann ihre Arbeiten auch im neuen Showroom der vier Designerinnen und Designer in der Berliner Mulackstraße 12 ansehen, der ab September 2010 an den von ihnen gestalteten Baerck-Store angrenzt, in dem Berliner Labels und skandinavische Möbel in einem ganz schlichten Ambiente vorgestellt werden.


 
Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
August 2010

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