Designer in Deutschland

Spielerischer Ansatz – Eike König und sein grafischer HORT

Schuhbox für den Sportschuh FAVELA von CALLE, 2010, Copyright: HORT

Illustrationen für den Visual Center VII von LeBron James für Nike, 2009, Copyright: HORT


Der Grafikdesigner Eike König und sein Team lieben Überraschendes. König ist der Leiter eines Horts, allerdings ohne Erzieher zu sein. 1994 in Frankfurt gegründet, nannte er sein neues Kreativzentrum auch zunächst „Eikes grafischer HORT“. Damit schloss der ehemalige Art Director eines Plattenlabels Verwechslungen mit Kindergärten aus – und gab gleichzeitig den Ton für seine Arbeit und das Miteinander des Designerteams vor: Spielerisch, kreativ und offen sollte es zugehen auf diesem neuen Spielplatz für Illustratoren.

Mittlerweile ist König mit einem internationalen Team seit 2007 in Berlin und sein Kreativzentrum in Kreuzberg heißt nur noch HORT. Mehr muss man dazu auch nicht mehr sagen, denn HORT ist in der Szene eine ähnliche bekannte Marke geworden wie die Labels, für die schon Kampagnen entwickelt und Illustrationen entworfen wurden. Walt Disney ist dabei und auch Nike, für die HORT sich der neuen Schuhe des Basketball-Superstars LeBron James annahm, und die dazugehörige Verkaufskampagne gestaltete. Weitere Auftraggeber sind das deutsche Twen-Magazin Neon, für das HORT regelmäßig Illustrationen macht, sowie Volkswagen, IBM und Microsoft.
Bekannte Marke
Dass Eike König, der zuvor lange in der überschaubaren Szene der Plattenlabels für elektronische Musik gearbeitet und gestaltet hat, jetzt oft für internationale Kunden und Großkonzerne arbeitet, ist nur im ersten Moment widersprüchlich.
Vinyl Innenseite des Booka Shade Albums MEMENTO, 2004, Copyright: HORT

Konzept und Umsetzung von Produktvisualisierungen für das NEON Magazin, 2010, Copyright: HORT

Auszug aus dem Visual Center IV von Nike für LeBron James, 2006, Copyright: HORT

Wie König herausfand, haben Konzerne wie Nike sehr viel weniger Probleme damit, eine kleine Agentur aus Deutschland mit einer großen Marketing-Kampagne in den USA zu beauftragen als deutsche Unternehmen. „Nike ließ uns zum Beispiel freie Hand. Wir mussten auch nicht ständig zu Meetings oder uns erst lange durch die verschiedenen Abteilungen hochdienen, wie es in Deutschland oft an der Tagesordnung ist.“
„Die Vogelperspektive einnehmen“
Das Vertrauen der internationalen Konzerne in die kreative Kraft von HORT ist aus deutscher Sicht umso ungewöhnlicher, wenn man sich dessen Arbeitsweise ansieht. Die unterscheidet sich tatsächlich grundlegend von der einer klassischen Werbeagentur oder eines anderen Designdienstleisters. König gibt seinem Team erst einmal völlige Freiheit sich dem Thema, der Marke oder der Aufgabe zu nähern. „Bei aller Professionalität“, sagt König, „braucht Design einen spielerischen Ansatz, eine Leichtigkeit.“ Und die fände sich nicht, wenn schon vorher genau vorgegeben ist, wie etwas aussehen soll.

Also rückt zunächst der Kunde als Auftraggeber in den Hintergrund, das Team soll sich sogar möglichst weit von dessen Erwartungshaltung lösen: „Die Vogelperspektive einnehmen“ nennt König diese wichtige Phase des Herantastens. Niemand in seinem Team brauche Angst zu haben in dieser Phase Fehler zu machen, denn König versteht seinen HORT auch als Schutzraum. „Ein richtiger Hort soll ja auch ein Schutz und eine Spielwiese für Kinder sein, und hier versuchen wir eben eine Art Spielplatz für Kreative zu sein.“ Regeln auf diesem Platz gibt es nur wenige, die aber sind dem Chef wichtig: „Keine Klischees, keine Werbung mit nackten Frauen oder für Alkohol und Zigaretten.“ Ansonsten gilt nur eine Regel: „Überrascht mich“ wünscht sich König von seinem Team.
HORT, Copyright: 2010, Steffen Bunte

STOP … Dreidimensionales Wandobjekt für die Ausstellung ‚Doing Boundless‘, 2009, Copyright: HORT

Hip-Hopper in neuer Optik
Überraschungen aller Art gelingen aber nicht nur dem Team König gegenüber, sondern dem gesamten HORT regelmäßig gegenüber Kunden und Öffentlichkeit. Musikinteressierten Deutschen hatte König zuletzt eine durchaus große zu bieten: Den national bekannten Hip-Hopper Sido erfand er im Auftrag von Universal Music optisch völlig neu und nahm ihm dafür als Erstes sein Erkennungszeichen, eine martialische Metallmaske, weg. Dann wurden Sido selbst, sein Namenszug und sein neues Plattencover optisch ins Berlin der 1920er-Jahre gezogen – samt Brille, Anzug und flotten Charleston-Tänzerinnen.

König, der immer noch gerne und oft für und mit der Musikszene arbeitet, hat sich für diese Zusammenarbeit viel mit Hip-Hop und seinen Codes beschäftigt und versichert, dass sich diese auch in der neuen Kampagne wiederfinden, auch wenn sie eben nicht mehr die gesamte Optik von Sido beherrschten.
Visuelles Erscheinungsbild des Musikers ‚SIDO‘, 2009 / 2010, Copyright: HORT

Weltweite Kampagne zur Einführung der Website von EXPN, 1998, Copyright: HORT

Shopgestaltung für HAYASHI in Frankfurt, 2007, Copyright: HORT

Neues Corporate Design für die Stiftung Bauhaus Dessau
Ähnlich umgestaltet wird sich bald eine sehr viel traditionellere Marke in Deutschland präsentieren, denn eine weitere Überraschung aus dem Hause HORT kommt auf vor allem auf Kulturschaffende in Deutschland zu – die Stiftung Bauhaus Dessau hat die Kreativen beauftragt, ein neues Corporate Design für ihr Haus zu suchen und zu entwickeln. Herausgekommen ist dabei eine „klare Trennung vom historischen Bauhaus-Formenkanon“ wie es von HORTs Seite aus heißt. Gestützt auf die Schriften Courier, Arial Black und Arial Narrow soll das Bauhaus in seiner Erscheinung weder historisiert noch ironisiert werden, sondern neutral als Teil der heutigen Museumskultur in Deutschland wahrgenommen werden. Allerdings, so König, wird es natürlich einen Bezug zum Bauhaus geben, auch wenn er nicht glaubt, dass das Ergebnis im Ganzen so aussieht „wie Bauhaus in den Köpfen der Leute verankert ist.“ Auf die Diskussionen um das neue Layout freut er sich schon: „Erst kommt vielleicht ein Aufschrei, aber danach kann man ja umso besser in den Dialog einsteigen.“



Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2011

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