Designer in Deutschland

Eva Niemand – Schmuckdesign

Cop: Eva Niemand

Cop: Eva Niemand

Cop: Eva Niemand

Cop: Eva Niemand

Cop: Eva Niemand

In einem kleinen Laden am Berliner Szeneort Kollwitzplatz entwirft die Goldschmiedin Eva Niemand ungewöhnlichen Schmuck für Menschen, die sich trauen mal eine Ring-Kathedrale am Finger oder eine goldgehäkelte Kette um den Hals zu tragen.

Vor allem die mächtigen Ringe haben es ihr und ihren vielen Stammkunden angetan, aber auch filigrane Ketten und Armbänder schmiedet, häkelt und baut die 37-jährige auf Wunsch zusammen. Und das gerne in Zusammenarbeit mit ihren Kunden, denn der alte Werkstisch aus Holz und Leder mit unzähligen Feilen, Haken und Bohrköpfen steht direkt hinter der puristischen Ladentheke.
Darauf liegen edle Steine wie Aquamarin, Bergkristall und Turmalin, die die Designerin auf Schmuckmessen rein nach Gefühl aussucht, und dann erst nach und nach zu Ringen oder Ketten verarbeitet. Ganz besonders schöne Exemplare werden von ihr so eingefasst, dass der Ring hinterher wie eine Kathedrale aussieht, mit dem Stein als krönenden Abschluss obendrauf. Oder die Ringfassung nimmt die Form des Steines auf, und hat dann ungewöhnlich wuchtige Ecken und Kanten, die die Spannung des Steins bis in die Fassung wiedergeben.
Klassische Ausbildung
Aber egal wie schwer oder auffällig die Form des Schmucks ist, der Träger wird sich durch Niemands Schmuck niemals gestört oder beladen fühlen. Der reinen Tragbarkeit ist die Goldschmiedin schon durch ihre erstklassige Ausbildung und der langen Erfahrung im Beruf verpflichtet. Und das, obwohl sie selber kaum Schmuck trägt, sondern besonders den Gestaltungsprozess und die Arbeit mit den Materialien liebt.
Dass sie etwas machen wollte, was man anfassen kann, war ihr schon als Schülerin klar. Nach dem Fachabitur ging sie aber erstmal in den Kibbuz nach Israel, um sich darüber klar zu werden, wohin die berufliche Reise denn gehen soll. Zurück in Deutschland fing sie an der Goldschmiedeschule in Schwäbisch-Gmünd in der Nähe von Stuttgart an. Drei Jahre absolvierte sie dort das Kolleg, um als staatlich geprüfte Designerin abzuschließen. Schon während der Ausbildung hat sie in einem Meisterbetrieb in der Nähe gearbeitet, und dort einfach alles gemacht, bis hin zum Schaugoldschmieden in offenen Werkstätten. Dabei konnten sich Besucher anschauen, wie dieser alte Beruf heute moderne Technik und Handwerkstradition verbindet.
Nach ein paar Jahren in der Provinz ging sie mit einem Stipendium zwei Jahre in die USA, und fand sich in einer anderen Situation wieder. Eher hinter verschlossenen Türen wurde da an teuren Kollektionen gewerkelt, "sehr erfolgreich" wie Niemand feststellte, "sehr professionell", aber eben auch ein bisschen seelenlos.
Im Jahr 2000 wollte sie zurück nach Deutschland, und da sie nicht zurück in die süddeutsche Provinz wollte, kam nur Berlin in Frage.
Neustart mit Hindernissen
Der Start in der neuen Stadt gelang, sie bekam sofort einen Werkstattplatz in einem großen Atelier und verkaufte ihre Sachen gut in einer Galerie für experimentellen Schmuck in den Heckmannhöfen in Mitte. Nach einem erfolgreichen Jahr wurde dann der Alptraum aller Schmuckhersteller Wirklichkeit: Im Atelier wurde eingebrochen und ihre gesamte Kollektion gestohlen. "Das ist ein solcher Schock, dass hat mich völlig aus der Bahn geworfen", sagt sie noch heute. Eine Krise folgte, die sie fast dazu brachte mit dem Schmieden aufzuhören und den elterlichen Biobackbetrieb zu übernehmen. "Es wäre eine sichere Existenz gewesen, statt dem ewigen Kampf um Kreativität und Finanzierung" sagt sie ganz ehrlich. Aber statt kreativ kleine Brötchen zu backen hat sie sich dann noch mal mit aller Kraft ans Goldschmieden gemacht. Statt in Galerien hat sie die fertigen Sachen dann nach und nach auf dem bekannten Flohmarkt Straße des 17. Juni und dem Kollwitzplatz-Wochenmarkt verkauft, genau dort, wo sie jetzt ihren eigenen Laden hat.
Auf der Straße zu verkaufen gilt unter Schmuckdesignern eigentlich als absolutes Tabu, "und nicht wenige meinten, damit versaue ich mir für immer den Ruf. Aber für mich mussten es diese kleinen überschaubaren Schritte sein", erklärt Niemand.

Für das Erforschen von Kundenwünschen war diese Zeit der vielen Gespräche auf der Straße wohl auch genau richtig, und die "offene-Ohr-Einstellung" hat sie dann in ihren eigenen Laden mitgenommen. Genau wie den kleinen Windhund Eric, der an den Ständen auf einem Fell neben der Kollektion lag, und sicher seinen Teil dazu beigetragen hat, dass Eva Niemands Sachen immer bekannter worden. Viele fragen auf dem Markt bis heute, "wo denn die mit dem Hund jetzt ihren Stand hat." Seit eineinhalb Jahren können die Suchenden dann auf der anderen Platzseite in Evas Laden Hund und Frauchen aufsuchen. Eric ist mittlerweile nicht nur ein oft fotografiertes Schmuckmodell für die Kollektion, sondern liegt auch sehr gediegen auf seinem roten Rokoko-Sessel neben der Theke, die Ladentür fest im Blick. Und durch die kommen in letzter Zeit immer mehr Touristen, die durch Mundpropaganda vom Niemand-Schmuck gehört haben. "Letztens auch drei Japanerinnen, die sich sehr ruhig alles ansahen und ohne zu zögern drei schöne Teile mitgenommen haben." Was auf Berliner Straßen einmal gut angekommen ist, scheint sich also international auch ohne Worte zu bewähren.

Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin. Für das Berliner Stadtmagazin "tip" ist sie mit offenen Augen und Ohren in der jungen Designszene unterwegs.

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August 2007
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