Designer in Deutschland

RugStar – perfekte Teppichkunst und ungewöhnliches Design

Mix & Match, © RugStar

Centercourt, No 3, Message in a Bottle, © RugStar

„Ein Teppich von Rugstar ist etwas Lebendiges mit einer Seele, kein uninspiriertes Industrieprodukt“, sagt Jürgen Dahlmanns, der Kopf der erfolgreichen Teppichschmiede aus Berlin. Was er in Berlin an Designs für Woll- und Seidenteppiche entwirft, bekommt Form und Seele in Nepal, dort wo man nach westlichen Vorstellungen ja immer schon etwas inspirierter war, vielleicht weil die Distanz zum Himmel kürzer ist als in Berlin-Mitte.
Teppichkunst aus Nepal
Mit dem schlechten Ruf der Teppichbranche, den Vorwürfen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen, hat er dagegen nicht viel zu tun. In Bhaktapur im Kathmandu-Valley, wo er selber auch einige Woche im Jahr lebt, hat er eine Umgebung geschaffen, die den dort arbeiteten 400 Tibetern und Newaris einen hellen Arbeitsplatz und Krankenfürsorge bietet - und ihren Kindern statt Arbeit eine Schule und Tagesstätte. Die Weber kommen aus Dörfern in den Bergen, wo seit Jahrhunderten geknüpft wird. Für RugStar arbeiten sie in vierköpfigen Teams an den großen Teppichen, 3000 bis 4000 Stunden lang, etwa zehn Wochen.
Dann ist so ein Schmuckstück fertig und geht in die ganze Welt, denn Dahlmanns Händler sitzen in 15 Ländern. Was sie bekommen, ist also einerseits perfekte Teppichkunst, andererseits ungewöhnlichstes Design, entworfen von einem Berliner Künstler, der eigentlich studierter Architekt ist. Die Händler sind oft wie Dahlmanns in den Vierzigern und haben ihre edlen Teppichläden, zum Beispiel an der Fifth Avenue in New York, vom Vater übernommen. Sie wollen neben den traditionellen Stücken auch etwas anderes anbieten, etwas Modernes und trotzdem mit handwerklicher Klasse.
Good Fellows, Rabbit, © RugStar Rhombus, No. 02, © RugStar
Organic High, No. 19, © RugStar Like Love & Pain, Open up your heart, Chocolate, © RugStar
Meadow One, Black & Whit Loop, © RugStar

Sparrow Two, Meadow, © RugStar

Entworfen in Berlin-Mitte
Als Dahlmanns, der schon mit 23 Jahren aus Tibet viele kleine Teppiche mit nach Hause brachte, genau so etwas mit Anfang Dreißig für seine Wohnung suchte, gab es nur „uninspiriertes Zeug“, wie er sagt: „Die Muster hatten keine Sprache, keine Kommunikation mit dem Raum“. Es waren Teppiche, die ihn zufolge nach dem Motto „Jetzt machen wir mal was Ausgefallenes“ gestrickt waren. Also überlegte er sich einfach selbst Teppichdesigns und flog nach Nepal, auf der Suche nach jemandem, der sie umsetzen konnte. Er kam erstmal mit 12 Teppichen zurück, die er nach und nach an Freunde und Bekannte verkaufte. Nachdem er seinen Job als Museumsleiter in Wien aufgegeben hatte, begann er ernsthaft darüber nachzudenken, seine Leidenschaft für Teppiche zum Beruf zu machen. Zurück in Berlin mietete er zunächst Galerieräume an, dann kamen die ersten, noch sehr kleinen Räume in unsanierten Ladenlokalen in Berlin-Mitte. „Bevor es so richtig schick wurde, habe ich hier ganz wenig Miete gezahlt,“ sagt Dahlmanns, der mittlerweile selbst in der modischen Mulackstraße in einem großen Laden in Nachbarschaft zu Lala Berlin und APC entwirft und ausstellt.

Fertigung in Nepal, © RugStar
Fertigung in Nepal, © RugStar
Sculpture, LOVE, © RugStar
Jürgen Dahlmanns, © RugStar


Teppiche auf Bestellung… und zum Mitnehmen
Heute, wo er mit der Produktion der Teppichen kaum die Auftragswünsche abdecken kann, hat er ein Team aus Textildesignern, die ihm helfen seine Vorstellungen eines Teppichs als Raumkonzept umzusetzen. Sie entwerfen Logos wie „I love...“, schlängelnde Wasserlilien, wilde Muster, monochrome Flächen in lila, grün und grau oder auch fast abgenutzt aussehende Teppiche.
Und das erstaunlichste: RugStar verkauft nicht nur auf Bestellung in den großen Metropolen, sondern Kunden kommen auch einfach in den Berliner Laden und kaufen den Teppich so wie er daliegt. Für 14.000 Euro und mehr. „Mindestens zweimal in der Woche kommt jemand und will genau so einen Teppich. Oft sind das Menschen, die nie einen Teppich wollten, sich aber spontan anders entscheiden, wenn sie unsere sehen.“ Genauso geht es in seinem zweiten Laden in Zürich, und wohl auch bald in einem dritten in Mailand.

Die Kunden, die ihre Teppiche dagegen lange „planen“, sind aber in der Mehrzahl. Oft aus den USA oder dem westlichen Europa: „Es kommt schon vor, dass jemand in Florida sagt, er hat einen Aalto-Tisch und einen Tilmanns an der Wand. Dazu hätte er jetzt gerne Teppiche für seine Räume.“
Oder der Teppich soll die fehlende Verbindung aus kühler Architektur und antiken Möbeln herstellen, ein Problem, dass der Raumkünstler und Architekt nur zu gerne löst.
Dann denkt sich Jürgen Dahlmanns etwas aus, und vier Monate später bekommt der Kunde in Miami oder Salzburg seinen Teppich.
Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin. Für das Berliner Stadtmagazin "tip" ist sie mit offenen Augen und Ohren in der jungen Designszene unterwegs.

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April 2008
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