Georg Panther – gutes Design für Probleme und Absurditäten des Alltags

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Georg Panther hat schon in jungen Jahren schlichte Bananen- und Weinkisten oder Regale neugestaltet und durch Verwendung von hochwertigeren Materialien und exakterer Verarbeitung zu Möbelstücken erklärt. Später bekamen seine Arbeiten durch einen guten Blick für Absurdes in der Konsumwelt einen weiteren Dreh.
Der diplomierte Designer Georg Panther versucht für Design, das ihm nicht gefällt, neue und ungewöhnliche Formen zu finden und elegantere Lösungen anzubieten. Dazu kommt bei ihm noch der sehr listige Blick für Alltagsabsurditäten und Fragwürdigkeiten in der modernen Konsumentenwelt. Beispielhaft für seine Art zu gestalten und seine genaue Beobachtungsgabe steht das Consumers Animalcage, eine Kombination aus Käfig und Einkaufskorb für Meerschweinchen und ähnliche Kleintiere. Dem Absolventen der Bauhaus Universität Weimar fiel bei einigen Kaufhaus-Besuchen auf, dass die Kuschel-Ware Tier oft den gemeinsamen Familieneinkauf abrundet und für ein paar Euro „zum Schluss noch mit im Einkaufskorb landet“, wie Panther sagt. |
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Diese Konsumhaltung hat er mit dem Käfig-Einkaufskorb konsequent auf die Spitze getrieben. Allerdings hat er den Tieren noch eine „Schutzhütte“ aus Birkensperrholz zugestanden – weil er bei der Recherche zu dem Thema auf Käfigkreationen stieß, die den Tieren überhaupt keine Rückzugsmöglichkeit mehr boten. Für Kleintiere hat er danach noch einen „Baukasten für eine Tier-Rennstrecke“ entworfen, die den Tierchen wenigstens die Möglichkeit geben soll, sich zu bewegen. Natürlich auch hier ohne wirklich flüchten zu können. Dieses Pets-are-running-in-circles-Objekt ist wie der Consumers Animalcage zwar keine Antwort auf reale Probleme der Kleintierhaltung, sondern eher eine Frage an die Haltung und den Umgang mit Mit-Lebewesen.
Mit einer ledernen Rinderhälfte nach Tokio
Auch Panthers bekanntestes Werk, der Boxsack Rocky aus Leder, der eine Rinderhälfte darstellt, ist von Besuchern und Kritikern der viel beachteten Ausstellung Post fossil in Tokio und Tel Aviv als Statement und Kritik am Umgang mit der Ware Tier verstanden worden. In der von der Niederländerin Li Edelkoort kuratierten Ausstellung, in der ein Objekt bezeichnend Willkommen in der neuen Steinzeit heißt, versuchen junge Designer handwerklich aufwendig mit Materialien wie Leder, Holz, Wolle, Ton, Wachs und Fellen das „glossy design“ vor der Wirtschaftskrise abzulösen. |
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Ihre Entwürfe sollen erdiger, aber auch ehrlicher und offener sein als die makellosen Produkte, die den Markt seit den 1990er-Jahren im Design beherrschen. Die Ausstellung in Tokios wichtiger Galerie 2121 hat Panther und seinen Boxsack ziemlich bekannt gemacht. Anders als seine Kollegin und Mitausstellerin Julia Lohmann hat Panther aber nicht immer schon zu Beginn eine ethische Motivation für seine Arbeit, sondern kommt über Umwege dorthin: „Ich dachte bei dem Entwurf zum Boxsack zunächst natürlich an die Filmszene aus Rocky, in der er in einem Schlachthaus an Rinderhälften trainiert. Aber sicher ist das weitergedreht auch ein Statement zur Industrialisierung der Ware Fleisch“, sagt der Designer, der nichts gegen Interpretationen und Diskussionen seiner Arbeit einzuwenden hat.
Interesse am Holzgewehr
Bei einer seiner Arbeiten erschrak Georg Panther über das Interesse, das sie auslöste und über die vielen Kaufwünsche: Vor drei Jahren hat Panther ein Gewehr aus Holz gebaut, nachdem ihm bei Kinderspielzeug die, meistens von Erwachsenen getroffene, Unterscheidung in „gute“ Waffen, Polizeipistolen etwa, und „böse“ Waffen, also die der Verbrecher, auffiel. Auch die Überlegung, ob Waffen überhaupt Kinderspielzeug sein können und sollen, floss mit in die Arbeit ein.
Panther baute also ein Sturmgewehr sehr realistisch aus Holz nach, und bekam damit nicht nur Aufmerksamkeit sondern auch Kaufangebote – mehr als für alle seine anderen Entwürfe zu diesem Zeitpunkt. „Ich habe das dann nicht mehr gebaut. Mir war das ein bisschen suspekt wie schnell das Gewehr Käufer fand“, sagt Panther, der sich bis heute nicht erklären kann, warum das Gewehr so begehrt war: „Will ich vielleicht auch gar nicht wissen.“ Hoffnung auf Arbeiten in Serie
Während seines Studiums und für die Entwürfe seiner Diplomarbeit wandte er sich dann auch technischen Geräten zu.
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Er entwarf zum Beispiel einen Radio-Prototyp mit neuartigem Bedienkonzept und überführte den alten Fernsehdesignklassiker HF1 von Herbert Hirche der Firma Braun ins Flachbildschirmzeitalter. Alle diese Arbeiten gingen mit einem enormen Rechercheaufwand einher, der die Qualität der Arbeiten auszeichnet. Nach dem Studium konnte sich Panther vor allem als als Stipendiat am Bremerhavener Designlabor weiter kreativ ausdrücken und in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Architektur und Design Projekte zur Stadtentwicklung erarbeiten und zum Teil realisieren.
Zurück in seiner süddeutschen Heimat hat er sich im Jahr 2010 mit dem Designer Florian Schwab als Büro Schwab/Panther in Stuttgart selbständig gemacht. Der erste große Entwurf der beiden, der schraubenlose SP7-Dining-Table, schaffte es auch gleich zum D3-Contest, dem Talent-Wettbewerb der Möbelmesse „imm Cologne“. Auch bei diesem Tisch gibt es wie bei allen anderen Panther-Entwürfen einen Dreh. Allerdings ist er diesmal rein praktisch der Funktion geschuldet und transportiert keine Botschaft – außer der, dass der Aufbau besonders unkompliziert und schnell erfolgen kann. Das von den beiden entwickelte gebogene Drahtgestell, das die „Beine“ des Tisches bildet, hält nur durch Druck und Spannung, und hat vielleicht als erster Entwurf von Panther die Chance, in Serie gebaut zu werden. Was dem Designer sehr recht wäre: „Mit Objekten wie dem Boxsack und dem Holzgewehr kann man gut ins Gespräch kommen, es wäre toll, wenn wir jetzt auch mal etwas in Serie produzieren könnten.“
Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin. Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion April 2011 Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns! online-redaktion@goethe.de |
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