Fassaden auf Kissen – Sandra Siewert und das Label S-Wert-Design

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Die Wahlberlinerin Sandra Siewert sorgt sich sehr um das Aussehen ihrer Stadt. Unverwechselbare Fassaden der Ostberliner Nachkriegsmoderne wie das Centrum-Warenhaus oder die Gaststätte "Ahornblatt" werden trotz massiven Protests von Architekten und Designern einfach abgerissen. Wenig später stehen dort neue Sandsteinfassaden, die jetzt das Stadtbild bestimmen sollen. Die studierte Architektin Siewert und Gründerin des Labels "S-Wert-Design" hat den Kampf um diese "Urbane Ornamentik" zwar genauso verloren wie ihre empörten Kollegen, aber sie versucht diese mit den Mitteln des Grafikdesigns im Gedächtnis der Bewohner zu erhalten - indem sie die harten Fassadenmotive auf weiche Kissen sticken lässt. So soll durch privates Rankuscheln an die Ostmoderne die persönliche Erinnerung an ein anderes Berlin wach gehalten werden. Eine Ostnostalgikerin ist die 34-jährige gebürtige Badenerin deshalb nicht, auch wenn ihr erstes großes Projekt 2002 ein Buch über den Bedeutungswandel des Ostberliner Fernsehturms war. Zusammen mit ihren Partnern Dirk Berger und Ingo Müller hat sie in "Von der Partei zur Party" die Klammer geschlossen zwischen den Anfängen des Turms als Propagandabau des DDR-Systems und seiner heutigen Bedeutung als omnipräsentes Symbol der jungen Berliner Szene, mit dem sich hervorragend T-Shirts bedrucken und verkaufen lassen. Spätestens nach diesem Buch und dem Zusammenschluss mit anderen Designern zum Netzwerk "Baukasten Berlin" gilt die zarte Blondine als Avantgardistin, der man zutraut, Spannungen und Strömungen in der urbanen Kultur aufzuzeigen. Dabei hilft ihr, dass sie sehr gut mit anderen Designern zusammenarbeitet, und sich nicht nur auf eine Stadt konzentriert. In ihrem jüngsten Projekt waren es neben Berlin die Stadtlampen von Tokio, die sie zusammen mit der Modemacherin Claudine Brignot als fragile Grafiken auf Röcke und Kittel gedruckt hat. Vorgestellt wurden die Kreationen erstmals bei der Tokyo Designers Week 2006 und sind jetzt auch in Sandra Siewerts eigenem Laden in Berlin-Mitte zu haben. Neben den anderen zu Kissen, Büchern und Taschen gewordenen Zeugnissen der urbanen Ornamentik. Iris Braun ist freie Journalistin und Autorin.
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