Designer in Deutschland

Fassaden auf Kissen – Sandra Siewert und das Label S-Wert-Design

Weltempfang
Ornament aus Fassade und Satellitenschüsseln
Geschenkpapier 50 x 70 CM, 80 g/qm
Copyright: s.wert design

R50, R60, R70 und R80
Ruhesitz am Zoo - Berlin eingepackt
“Ruhesitz am Zoo” lautet der prominente Schriftzug eines Altersheimes in West-Berlin. Unter dem gleichen Namen werden vier Jahrzehnte West-Berliner Architektur auf Geschenkpapier gewürdigt. Jeder Bogen ist einem Jahrzehnt gewidmet. Die Zeitreise beginnt in den 50ern, der Zeit des Aufbaus und endet in den 80er Jahren - vor dem Zeitpunkt, als die West-City an Glanz verlor.
Geschenkpapierset 
mit Motiven aus 4 Jahrzehnten West-Berlin
Set mit 4 Bögen (58 x 42 CM)
Copyright: s.wert design

S-Wert Licht:
Motiv: Collage City aus der Kollektion 'Schöner Schein'
Schirm: 30 x 30 x 25 cm, Siebdruck
Höhe: 60 cm
Sockel: Beton (hell)
Copyright: s.wert design

Zornige Kinder - Fassaden zum kuscheln
Kissen mit aus dem Stadtbild verschwindenden (verschwundenen) Fassaden der Berliner Nachkriegsmoderne.
Copyright: s.wert design

Kleinkariert
Die Speckgürtel der Großstädte mit ihren neuen gallischen Dörfern inspirierten s.wert design zu der Stofftischdecke „Kleinkariert“. Sie bringt das klassische rot-weisse Karomuster mit Umrissen von Musterhäusern zusammen. Das perfekte Accessoire für eine Landpartie
Copyright: s.wert design

Fette Beutel - Einkaufstaschen
Fette Beutel sind Einkaufstaschen, auf denen die Ornamentik von Kaufhausfassaden der Nachkriegsmoderne, zum Beispiel die der Horten- Fassade mit deutschen Sprichwörtern kombiniert wird. Die Sprichwörter variieren die Worte Beute und Beutel und erschliessen sich erst vollständig, wenn man beide Seiten der Tasche gesehen hat.
Motiv: Horten 
Man muss die Henne rupfen, ohne dass sie schreit
(34 x 30 x 10 cm) 
Copyright: s.wert design

Die Wahlberlinerin Sandra Siewert sorgt sich sehr um das Aussehen ihrer Stadt. Unverwechselbare Fassaden der Ostberliner Nachkriegsmoderne wie das Centrum-Warenhaus oder die Gaststätte "Ahornblatt" werden trotz massiven Protests von Architekten und Designern einfach abgerissen.
Wenig später stehen dort neue Sandsteinfassaden, die jetzt das Stadtbild bestimmen sollen.


Die studierte Architektin Siewert und Gründerin des Labels "S-Wert-Design" hat den Kampf um diese "Urbane Ornamentik" zwar genauso verloren wie ihre empörten Kollegen, aber sie versucht diese mit den Mitteln des Grafikdesigns im Gedächtnis der Bewohner zu erhalten - indem sie die harten Fassadenmotive auf weiche Kissen sticken lässt. So soll durch privates Rankuscheln an die Ostmoderne die persönliche Erinnerung an ein anderes Berlin wach gehalten werden.

Eine Ostnostalgikerin ist die 34-jährige gebürtige Badenerin deshalb nicht, auch wenn ihr erstes großes Projekt 2002 ein Buch über den Bedeutungswandel des Ostberliner Fernsehturms war. Zusammen mit ihren Partnern Dirk Berger und Ingo Müller hat sie in "Von der Partei zur Party" die Klammer geschlossen zwischen den Anfängen des Turms als Propagandabau des DDR-Systems und seiner heutigen Bedeutung als omnipräsentes Symbol der jungen Berliner Szene, mit dem sich hervorragend T-Shirts bedrucken und verkaufen lassen.

Spätestens nach diesem Buch und dem Zusammenschluss mit anderen Designern zum Netzwerk "Baukasten Berlin" gilt die zarte Blondine als Avantgardistin, der man zutraut, Spannungen und Strömungen in der urbanen Kultur aufzuzeigen. Dabei hilft ihr, dass sie sehr gut mit anderen Designern zusammenarbeitet, und sich nicht nur auf eine Stadt konzentriert.

In ihrem jüngsten Projekt waren es neben Berlin die Stadtlampen von Tokio, die sie zusammen mit der Modemacherin Claudine Brignot als fragile Grafiken auf Röcke und Kittel gedruckt hat. Vorgestellt wurden die Kreationen erstmals bei der Tokyo Designers Week 2006 und sind jetzt auch in Sandra Siewerts eigenem Laden in Berlin-Mitte zu haben. Neben den anderen zu Kissen, Büchern und Taschen gewordenen Zeugnissen der urbanen Ornamentik.





Iris Braun ist freie Journalistin und Autorin.
Für das Berliner Stadtmagazin "tip" ist sie mit offenen Augen und Ohren in der jungen Designszene unterwegs.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion

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August 2007

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