Designthemen in Deutschland

Frühstücks-Brettchen mit Gleisanschluss – neues Spielzeug mit altem Erbe

Toll’sToy von Drache&Bär

Toll’sToy von Drache&Bär

Toll’sToy von Drache&Bär


Von den Teddys der Firma Steiff über die Holzeisenbahn von Eichhorn bis zu den Dinosauriern der Firma Schleich – Deutschland hat eine lange Tradition, was Spielzeug betrifft. Diese fortzuführen und behutsam zu erneuern, haben sich familiengeführte Unternehmen wie Sina-Spielzeug aus dem Erzgebirge zur Aufgabe gemacht. Und junge Designer und Künstler in Berlin und Frankfurt entwickeln aus diesem Erbe gleich ganz Neues.

Archaische Formen neu interpretiert

Am Anfang steht aber auch bei jungen Spielzeuggestaltern immer eine Idee. Und oft, wie bei dem deutsch-polnischen Paar Lena Hensel und Grzegorz Cholewiak, ist es das eigene Kind, das den Anstoß gibt, sich mit dem Thema Spielzeug überhaupt erst zu beschäftigen. Die kleine Tochter des Paares wollte wie die großen Kinder Fahrradfahren, konnte das aber noch nicht. Angelehnt an die alte Tradition des Laufrads baute der Vater, Produktdesigner aus Krakau, ihr ein solches Spielzeug zum Hinterherlaufen, schlicht und schön aus einem Holzstab und einem von der Mutter, der Künstlerin Lena Hensel, gestalteten Rad.

Da dieses helle Laufrad mit seinem türkisfarbenen Muster nicht nur beim eigenen Kind sehr gut ankam, erweiterten die beiden die Serie der von ihnen neu interpretierten, historischen Spielzeuge noch um Springseil und Kreisel und machten somit die Sammlung der Ur-Formen allen Spielzeugs komplett. „Es ist schön zu sehen, wie begeistert Kinder von ganz archaischen Sachen sind, die vor über 100 Jahren schon funktionierten, und die nur die eigene Motorik des Kindes als Antrieb haben und diese weiter fördern“, sagt Lena Hensel.

Und wenn diese schlichten Spielsachen nicht in Gebrauch sind, erfreuen sie in Ausführung und Verarbeitung auch noch das Auge der Eltern, das ja sonst oft von zu viel Glitzer auf Plastikoberflächen geblendet wird.

Toll’sToy von Drache&Bär

Eisenbahn-Frühstücksset, Design „Neue Freunde“, Interluxe über DaWanda.com

Eisenbahn-Frühstücksset, Design „Neue Freunde“, Interluxe über DaWanda.com

Frühstück auf Schienen

Auf Glitzer verzichtet auch Produktdesigner Carsten Rosenbohm vom Frankfurter Studio „Neue Freunde“. Und auch bei ihm ist es der Nachwuchs, der ihn auf Spielzeugideen bringt. Als sein kleiner Sohn versonnen mit der Eisenbahn um das Frühstücksbrettchen fuhr, setzte sich bei Rosenbohm, der Spielzeug als Werbemittel im Marketingbereich entwirft, eine Idee fest: Er entwarf ein kleines Designkunstwerk in Form eines Frühstückbrettchen mit oben angebautem Gleisanschluss. Alle gängigen Holzschienen können daran angekoppelt werden. Zunächst war das Brettchen von Rosenbohm und Kompagnon Fellehner allerdings nur als schönes Geschenk für Freunde gedacht, dann wollten mehr und mehr Frühstück auf Schienen servieren. Und auch auf dem Designfestival DMY in Berlin kam die Minieisenbahn bei großen und kleinen Kreativen gut an. Mittlerweile gibt es auch dazu passende „Tunneltassen“ und einen mitfahrenden Salzstreuer – und wer will, kann jahreszeitengerecht noch einen kleinen Adventskranz anschließen.

Bau uns eine Bahn, Design: Ursula Wünsch, Berlin

Klingende Bausteine, Design: Barbara Seidler, Neuhausen

Honeycomb, Design: Yasuo Aizawa, Japan

DAS BASIC SPIEL, Design: Fred Voß, Hannover

Alte Traditionen neu gestalten und erhalten

Bei „Sina-Spielzeug“ im Erzgebirge wird dagegen die alte Holz verarbeitende Handwerkstradition dieser waldreichen Gegend bewahrt und behutsam weiterentwickelt. Einerseits bekommt man von dem familiengeführten Unternehmen original „Fröbel“-Spielzeug, das auf den Erfinder des deutschen Kindergartens, Friedrich Fröbel, zurückgeht. Dieser machte sich ab 1818 Gedanken über spielerische und pädagogische Bedürfnisse von Kindern und entwarf dazu passendes Spielzeug wie speziell angeordnete Bälle, Kugeln und Würfel. Neben diesem deutschen Klassiker kommt aber auch Baukastenspielzeug traditionell aus dem Erzgebirge und wird von Sina-Chefin Barbara Seidler seit 20 Jahren vorsichtig in heutige Formen überführt, teilweise mit Unterstützung internationaler Designer wie dem Japaner Yasuo Aizawa. Der hat mit seinen Entwürfen „Honeycomb“ und „Honeyflower“ das Baukastenprinzip für Sina modern interpretiert und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Für Barbara Seidler sind solche Zusammenarbeiten wichtig: „Gerade beim Spielzeugentwurf muss so viel passen. Spielzeug muss immer sicher, funktional, pädagogisch interessant, robust und gut verarbeitet sein. Wenn das alles mit einem tollen Entwurf zusammengeht, der Kinder auch noch emotional anspricht, ist das absolut wunderbar.“

Einen Überblick über dieses und weiteres gutes deutsches Spielzeug bekommt man online auf Afilii.de, einer Plattform, die sich bereits beim jährlichen Design-Festival „Designers Open“ in Leipzig als Sammelpunkt für schöne Kindersachen präsentiert hat.


Iris Braun
ist freie Journalistin und Autorin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
November 2012

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